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17. August 2007, 13:20 Uhr

Basketball-Nationalspieler Okulaja

"Wir wollen Gold"

Er ist der Anführer der deutschen Basketball-Nationalmannschaft, der eigentliche Chef im Schatten Dirk Nowitzkis. SPIEGEL ONLINE sprach mit Ademola Okulaja über die Ziele bei der anstehenden EM in Spanien, seinen Favoriten unter den jungen Spielern und eine mögliche Rückkehr nach Deutschland.

SPIEGEL ONLINE: Herr Okulaja, Sie spielen seit 1995 im Nationalteam. Wie ist der momentane Zustand der Mannschaft im Vergleich zu den Vorjahren?

Okulaja: Das Trainingslager auf Mallorca lief ganz gut. Wir hatten gute Stimmung, auch die Intensität hat gestimmt. Jetzt müssen wir noch ein wenig an der Konzentration arbeiten. Aber insgesamt habe ich ein positives Gefühl.

Nationalspieler Okulaja: "Ich will ja nicht Zweitbester werden"
AP

Nationalspieler Okulaja: "Ich will ja nicht Zweitbester werden"

SPIEGEL ONLINE: Sie haben in der vergangenen Saison in Moskau nicht viel gespielt, Dirk Nowitzki ist ebenso wie die Nationalspieler von Alba Berlin relativ früh in der Saison ausgeschieden. War das Nationalteam jemals so ausgeruht vor einem wichtigen Turnier?

Okulaja: Ja, sicherlich fühlen wir uns ganz gut. Ich persönlich habe auch gar keine Pause genommen. Erst habe ich ja noch einen Monat in Alicante gespielt, dann habe ich in Berlin durchtrainiert. Ob die Pause ein Vorteil ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich bin topfit.

SPIEGEL ONLINE: Was muss in Spanien in jedem Fall rausspringen?

Okulaja: Die Qualifikation für Olympia (mindestens der zweite Platz, d. Red.) und eine Medaille. Keiner geht ja in ein Turnier und sagt, er will Fünfter werden. Wir wollen Gold.

SPIEGEL ONLINE: Trotz der harten Konkurrenz?

Okulaja: Klar. Egal in welchem Job: Wenn ich etwas anfange, will ich ja nicht Zweitbester werden. Ich will Bester werden. Und das sieht das ganze Team so. Sie wollen ja auch bester Reporter werden.

SPIEGEL ONLINE: Und gegen wen spielt Deutschland dann im Finale?

Okulaja: Das ist egal. Spanien mit dem Heimvorteil wird natürlich sehr schwierig. Auch Griechenland ist sehr stark. Aber jedes Turnier ist unterschiedlich. Die Platzierung der Vorrunde ist am Wichtigsten. Daraus ergeben sich die Gegner in der Zwischenrunde und im Viertelfinale. Und das ist oft schon entscheidend. Vor drei Jahren hatte Spanien ein sehr starkes Team, verlor kein Spiel bis ins Viertelfinale. Dann ging es gegen die USA und vorbei war das Turnier.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben eine sehr erfahrene, eingespielte Mannschaft. Gibt es im Team eine "Jetzt oder Nie"-Stimmung?

Okulaja: Es ist jedem bewusst, dass es jetzt der Ernstfall ist. Ein Großteil des Teams wird Olympia 2012 nicht mehr dabei sein. Das ist auch Thema im Team.

SPIEGEL ONLINE: Wenn Sie einmal nicht mehr auflaufen, müssen Neue nachrücken. Welcher der neuen Spieler gefällt Ihnen denn am Besten?

Okulaja: Mir gefällt Kirsten Zöllner sehr gut. Er ist ein harter Arbeiter und mit seinen 2,13 Meter Größe und 130 Kilogramm Gewicht ein echter Brocken. So einen braucht man immer. Patrick Femerling hat nur 110 Kilogramm, Jan-Hendrik Jagla, die dritte Option auf der Center-Position ist noch leichter. Aber man braucht schwere Jungs unter dem Korb. Er wäre eine gute Entlastung, auch was Fouls und Rebounds betrifft. Und wenn Zöllner Femerling ersetzen kann, hätte Nowitzki die Möglichkeit, draußen auf dem Flügel zu bleiben. Wie gesagt, Zöllner finde ich von den Jungen am Besten.

SPIEGEL ONLINE: Sie gelten nicht nur für die jungen Spieler als Anführer im Team. Wie zeigt sich das auf und neben dem Platz?

Okulaja: "I lead by example" – ich gehe mit gutem Beispiel voran. Ich versuche, härter zu spielen, mehr Einsatz zu zeigen und nicht vorne zu stehen und zu sagen: Macht ihr mal Defense. Wenn einer aus der Reihe tanzt, dann versuche ich, ihn mit positiver Kritik wieder ranzuziehen. Mein Job ist es nicht, jemanden nieder zu machen. Aber manchmal brauchen Spieler einen Klapps auf den Rücken: Du kannst das besser. Eigentlich nur eine Kleinigkeit, aber es kann im Spiel schon sehr viel helfen.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben noch keinen Verein für die neue Saison. Wo spielt Ademola Okulaja nach der EM?

Okulaja: Das steht noch in den Sternen. Ich tendiere auf jeden Fall in eine Richtung…

SPIEGEL ONLINE: …Bamberg?

Okulaja: (grinst) Das wird sich noch rausstellen. Wir müssen das jetzt finalisieren.

SPIEGEL ONLINE: Sie haben auch immer auf eine Rückkehr zu Alba Berlin gehofft.

Okulaja: Ja, aber seit ich 1999 dort ein Jahr gespielt habe, wurde ich von Alba nie wieder angesprochen.

Interview: Frieder Pfeiffer, Sascha Klettke

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