NBA-Star James Harden Ein Bart zum Fürchten

NBA-Star James Harden spielt aktuell historisch gut. Das Problem: Mehr als eine Reihe persönlicher Rekorde werden in dieser Saison kaum drin sein.
James Harden

James Harden

Foto: Bob Levey/ AFP

"Fear the beard", fürchte den Bart.

Seit Jahren geistert dieses Mantra durch die Basketballwelt. Es huldigt dem Superstar der Houston Rockets: James Harden. Der 29-Jährige ist sechsfacher NBA-Allstar, wertvollster Spieler der Liga (2018), Basketball-Weltmeister (2014) und Olympiasieger (2012). Ein hochdekorierter Sportler also- und doch mussten seine Gegenspieler den Bärtigen nie zuvor so sehr fürchten wie in den vergangenen Wochen. Der Shooting Guard befindet sich in der Form seines Lebens - und lässt allabendlich Rekorde purzeln.

"Es ist verrückt", sagte Hardens aktuell verletzter Co-Star Chris Paul, selbst neunfacher Allstar, kürzlich gegenüber dem Sportsender ESPN. "Es ist verrückt, die Spiele zu sehen und es mitzuerleben. Was er macht, ist unfassbar."

Wie einst Michael Jordan und Kobe Bryant

In den letzten zwölf Spielen führte Harden seine Rockets zu elf Siegen und kam dabei zu 40,1 Punkten, 9,0 Assists und 6,6 Rebounds. Im Zuge dieses Laufs gelang ihm Historisches: Harden ist nunmehr der einzige Spieler der NBA-Geschichte, der in acht aufeinanderfolgenden Spielen mindestens 35 Punkte und 5 Assists erzielte.

Ebenso ist er der einzige, der im selben Intervall je fünf Dreier versenkte. Noch dazu verbuchte Harden zuletzt fünfmal in Folge 40 oder mehr Punkte, was in den vergangenen 50 Jahren nur Michael Jordan und Kobe Bryant gelungen ist. All diese Bestmarken kann Harden sogar noch ausbauen - und nicht wenige fragen sich, wie man den gefürchteten Bart in dieser Verfassung stoppen soll.

"Du kannst es nicht. Du kannst ihn nicht verteidigen, außer du foulst ihn, ohne dass der Referee pfeift", sagt Rockets-Coach Mike D'Antoni über seinen Superstar. J.B. Bickerstaff, Ex-Trainer von Harden und aktuell Coach der Memphis Grizzlies, sagte: "Einige Würfe von ihm sind einfach nicht zu verteidigen." Zuvor hatte ihm sein ehemaliger Schützling 43 Punkte, 10 Rebounds und 13 Assists eingeschenkt.

Zugleich wuchtig, schnell und geschickt

Was Harden so stark macht, ist seine seltene Kombination aus physischen, technischen und kognitiven Fähigkeiten: Er ist auf seiner Position der wohl wuchtigste Spieler der Liga, zugleich bewegt er sich sehr schnell und behände über das Parkett. Da ihm mit Clint Capela auch noch einen der fähigsten Blocksteller der NBA assistiert, gelingt es Harden oft mit Leichtigkeit, in die Zone vorzudringen, wo er mit beispiellosem Timing abschließt, Fouls zieht oder besser postierte Mitspieler findet. Ganze 19,2 Mal pro Spiel zieht Harden in dieser Saison zum Korb, 11,8 Punkte generiert er aus diesen Aktionen, hinzu kommen 11,1 Freiwürfe - natürlich alles Liga-Höchstwerte.

Fast noch gefährlicher ist Harden jedoch außerhalb der Zone, hinter der Drei-Punkte-Linie, von wo aus er zu mehr als der Hälfte (12,2) seiner 22,1 Würfe ansetzt. Zu seinen Spezialitäten gehört hierbei der Dreier aus dem Dribbling, einer der schwierigsten Abschlüsse im Basketball. Harden nimmt davon 11,1 pro Spiel. Gerne auch unter Gegnerdruck, wie zuletzt in der Nacht auf Donnerstag in den finalen Sekunden gegen NBA-Champion Golden State: Über Draymond Green und Klay Thompson, also über zwei Top-Verteidiger hinweg feuerte Harden seinen insgesamt zehnten erfolgreichen Dreier in den Korb zum 135:134-Sieg. Jubelschrei, Feierabend. Fear the beard.

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Der emotionale Sieg gegen Golden State bildete den vorläufigen Höhepunkt von Hardens historischem Lauf. Mit seinen Gala-Vorstellungen führte er die schwach in die Saison gestarteten Rockets im Alleingang zurück in die Playoff-Ränge, von Platz 14 auf Platz vier - innerhalb von drei Wochen.

Sollte Harden seine Spitzenform auch nur ansatzweise aufrechterhalten, könnte er zum zwölften Spieler der NBA-Geschichte werden, der den seit 1955 vergebenen MVP-Award für den wertvollsten Spieler zweimal in Folge gewinnt. Die Aussicht auf die Trophäe spornt Harden an, wie er unlängst gegenüber dem Sportmagazin "Bleacher Report" zugab: "Ich brauche sie, definitiv. Und ich werde sie bekommen."

Ein Harden allein reicht nicht für den Titel

Dass es zudem die Trophäe des NBA-Meisters in Hardens Sammlung schafft, ist weniger wahrscheinlich: Derzeit steht und fällt das Offensivspiel der Rockets mit Hardens Brillanz, er allein ist aktuell in der Lage, konstant Würfe für sich selbst und andere zu kreieren.

Mittel- bis langfristig wird sein Co-Star Paul zwar zurückkehren. Dessen Verletzungsanfälligkeit aber gehört wie die wackelige Defensive zu den großen Problemen, die derzeit von einem Harden in Über-Form kaschiert werden. Aktuell mag dieses System funktionieren, doch in einer Playoff-Serie, wenn sich Gegner über vier bis sieben Spiele auf die Rockets einstellen können, ist es zu leicht auszurechnen - trotz eines Barts zum Fürchten.

Anmerkung: Chris Paul war nie wertvollster Spieler der NBA, wie in einer früheren Version des Textes zu lesen war, sondern 2013 MVP des Allstar-Games. Wir haben den Fehler korrigiert.

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