Basketball-Schiris "Man kann Bestechung nie ausschließen"

Im Handball wird derzeit viel über bestochene Schiedsrichter diskutiert. Aber was ist mit dem Basketball? Das Magazin "FIVE" sprach mit BBL-Schiedsrichter-Ausbilder Jens Staudenmayer über Schutzmaßnahmen, trügerische Sicherheit und VIP-Partys.


FIVE: Herr Staudenmayer, welche Auswirkungen hat der Handball-Skandal auf Ihre Arbeit und die Bundesliga?

Staudenmayer: Wir bekommen vermehrt Anfragen von Journalisten bezüglich dieses Themas.

Bundesliga-Basketballer: Kein 100-prozentiger Schutz
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Bundesliga-Basketballer: Kein 100-prozentiger Schutz

FIVE: Und wie haben Sie reagiert?

Staudenmayer: Natürlich haben wir wegen der Vorkommnisse im Handball unser System noch einmal überprüft und auf mögliche Lücken kontrolliert. Letztendlich können Sie ja mit diesen Dingen nur die Wahrscheinlichkeit so gering wie möglich halten, damit ein solcher Skandal verhindert wird.

FIVE: Gekaufte Schiedsrichter gab es in den vergangenen Jahren erst im Fußball, dann in der NBA und nun angeblich auch im Handball. Ist so etwas für die BBL komplett auszuschließen?

Staudenmayer: Man kann so etwas nie zu 100 Prozent ausschließen. Wo Menschen arbeiten, werden Fehler gemacht. Wir vertrauen unseren Schiedsrichtern aber und haben andererseits seit Jahren ausreichend Schutzmaßnahmen ergriffen.

FIVE: Wie sehen die Vorbeugemaßnahmen aus?

Staudenmayer: Die Schiedsrichter-Ansetzungen werden seit 2005 vor dem Spiel nicht mehr bekannt gegeben. Die Vereine erfahren erst bei Ankunft der Unparteiischen in der Halle, wer das Spiel leitet. Reise- und Hotelbuchungen regeln die Referees selbst, diese werden nicht von den Clubs getätigt. Desweiteren haben die Schiedsrichter ein VIP-Raum-Verbot für die Zeit nach dem Spiel.

FIVE: Reicht das aus?

Staudenmayer: Es gibt weitere Maßnahmen. So wird nie in festen Besetzungen gepfiffen, was noch einen generellen Unterschied zu allen anderen Sportarten ausmacht.

FIVE: Wie verbindlich sind die Regeln?

Staudenmayer: Die Schiedsrichter stimmen all diesen Regeln in einer Verpflichtungserklärung zu. Darüber hinaus gibt es einen Verhaltenskodex, den sich die Schiedsrichter selber gegeben haben. Auch denken wir über die Installation eines Ombudsmannes nach - eine vertrauenswürdige, neutrale Anlaufstelle, an die sich die Schiedsrichter wenden können.

FIVE: Wie sehen die Strafen aus, falls trotz aller Vorkehrungen ein Verstoß stattfinden sollte?

Staudenmayer: Wenn wirklich gegen die Verpflichtungserklärung oder gegen den Verhaltenskodex verstoßen wird, ist das Spektrum der Strafen breit gefächert. Es reicht von Sperren für einzelne Spiele bis hin zum totalen Ausschluss aus dem Kader.

FIVE: Wurden Ihnen selbst Zuwendungen angeboten, die folglich als Bestechungsversuch hätten interpretiert werden können?

Staudenmayer: Nein. Das Vorgehen in der EuroLeague und im EuroCup gleicht mittlerweile dem in der Basketball-Bundesliga.

FIVE: Was ist mit Gefälligkeiten?

Staudenmayer: In weiteren europäischen Wettbewerben wird man vom Gastgeberverein schon einmal vom Flughafen abgeholt. Oder es gibt beispielsweise ein gemeinsames Essen. Einen konkreten Bestechungsversuch habe ich aber selbst bisher noch nie erlebt.

Die Fragen stellte André Voigt



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