Basketball Trainer-Aufstand in der NBA

Um die Attraktivität zu steigern und den fallenden Einschaltquoten entgegenzuwirken, haben die NBA-Funktionäre neue Maßnahmen beschlossen. Die verordnete "Transparenz" stößt jedoch nicht auf ungeteilte Freude.


Paul Westphal: "Eingriff in die Privatsphäre"
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Paul Westphal: "Eingriff in die Privatsphäre"

Seattle - Die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA hat wegen der umstrittenen Mikrofon-Pflicht ein Exempel an den Trainern der Liga statuiert. Die Coaches der Seattle SuperSonics und der Toronto Raptors bekamen je 100.000 Dollar Strafe aufgebrummt, weil sie sich erneut geweigert hatten, während des Ligaspiels das vorgeschriebene Mikro bei der landesweiten TV-Übertragung am Revers zu tragen. Das Gros der NBA-Trainer wehrt sich gegen den "Lauschangriff" der Liga, die die Innovationen wegen der fallenden Einschaltquoten eingeführt hat.

"Ich kann nicht riskieren, den Respekt meiner Spieler zu verlieren. Wenn ich ein Mikrofon trage, verliere ich meine Identität, kann mich bei meiner Arbeit nicht entfalten. Ich müsste mich dauernd darauf konzentrieren, was ich meinen Spielern sage und auf wen ich schimpfe", erläutert Toronto-Trainer Butch Carter seine Entscheidung. Raptors-Manager Glen Grunwald hatte seinen Trainer zum Anstecken des Mikros aufgefordert, doch nach Rücksprache mit seinen Spielern verweigerte dieser. "Ich zahle die Strafe auch aus meiner Tasche. Diese neue Idee ist ein schwerer Fehler", setzte Carter fort.

SuperSonics-Trainer Paul Westphal kündigte sogar rechtliche Schritte gegen die NBA-Führung an: "Mit dieser Aktion zerstören wir die Integrität des Basketballs. Es ist ein Eingriff in die Privatsphäre". Die NBA wehrt sich gegen die verbalen Attacken der Coaches. Die Mikrofone könnten in heiklen Situationen ausgeschaltet werden, solange sie den Großteil der Spielzeit eingeschalten wären. Zudem hätte die Liga Techniker engagiert, die kritische Aussagen neutralisieren könnten. Doch damit geben sich die Coaches nicht zufrieden. New-York-Knicks-Trainer Jeff van Gundy unterstützt seine Kollegen und kündigte an, sich beim Spiel gegen die Houston Rockets dem Protest anzuschließen. Bislang haben sich in Larry Brown von den Philadelphia 76ers und Flip Saunders von den Minnesota Timberwolves nur zwei Trainer bereit erklärt, die Mikros zu benutzen. Für noch mehr Ärger sorgen die ab 1. April geplanten Kabinenkameras. "Das ist ein Einschnitt in die Intimsphäre der Sportler. Wir werden dies mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln verhindern", kündigte Billy Hunter, Direktor der NBA-Spielergewerkschaft, Gegenmaßnahmen an.



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