Basketball-Trainer John Wooden Der Zauberer von Westwood

John Wooden gewann als Trainer zehn College-Meisterschaften, 88 Partien in Folge und war der Erste, der es als Spieler und Trainer in die Basketball-Ruhmeshalle schaffte. Das Basketballmagazin "FIVE" erinnert an den legendären Coach.

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Kareem Abdul-Jabbar gilt als einer der eloquentesten Basketballer überhaupt. Doch selbst dem ehemaligen Center der Los Angeles Lakers fiel es schwer, die richtigen Worte für Trainer John Wooden zu finden. "Es ist schwer, mit simplen Worten über Coach Wooden zu reden, denn er war ein facettenreicher Mensch. Aber er lehrte in einer einfachen Art und Weise. Er nutzte den Sport als Mittel, um uns beizubringen, wie wir uns jeder Situation stellen können." Nur wenige Stunden bevor Abdul-Jabbar dies sagte, war John Robert Wooden am 4. Juni 2010 im Alter von 99 Jahren verstorben.

Bis heute ist Wooden der erfolgreichste Collegetrainer überhaupt. Mit der University of California, Los Angeles (UCLA), holte er zehn Meistertitel, davon sieben in Serie. Sein Team gewann einmal 88 Begegnungen in Folge (1971 bis 73) und blieb in insgesamt vier Spielzeiten ungeschlagen. Nur in seinem ersten Trainerjahr an der Dayton Highschool beendete ein von Wooden betreutes Team eine Spielzeit mit einer negativen Bilanz. Insgesamt gewannen seine Mannschaften 81,3 Prozent ihrer Partien.

Wooden war zudem der Erste, der als Spieler (1961) und Trainer (1973) in die Hall-of-Fame, die Ruhmeshalle des Sports, aufgenommen wurde. Das Vermächtnis des "Zauberers von Westwood" (nach dem Stadtteil von Los Angeles, in dem die Uni beheimatet ist) jedoch geht über Trophäen und Siegquoten hinaus. Wooden lehrte nicht nur Basketball, sondern Wertvorstellungen.

Ein Anachronismus

Als einer der größten Anhänger des Coaches gilt der ehemalige NBA-Profi Bill Walton, der vor seiner Zeit in der Liga für das UCLA-College-Team aufgelaufen war. Dabei hatten sich beide zu Bruins-Zeiten alles abverlangt. Die Gegensätze hätten damals nicht größer sein können. Auf der einen Seite Walton, der langhaarige Hippie, der gegen das Establishment aufbegehrte. Auf der anderen Seite der streng gläubige Lehrer mit seinen Grundsätzen von Tradition und Disziplin.

Zu Beginn von Waltons letzter Spielzeit für UCLA 1973 - das Team hat zu dem Zeitpunkt 75 Partien und zwei Titel in Folge gewonnen - schickte Wooden seinen Schützling kurz vor Trainingsbeginn zum Friseur. Dabei hatte sich dieser erst einen Tag zuvor seine rote Mähne trimmen lassen.

Walton ließ es zur Konfrontation kommen. Er sah den Trainer nicht in der Position, zu entscheiden, wie ein Spieler sein Haar zu tragen habe. Da spielte Wooden die Autoritäts-Karte. "Das ist richtig. Ich habe nur das Recht zu entscheiden, wer spielt und wer nicht. Wir werden dich mit Sicherheit vermissen. Und jetzt raus", wies er seinen Spieler zurecht. "Du hast 15 Minuten, um dich der Sache anzunehmen."

Walton schwang sich auf sein Fahrrad, raste zum Friseur, ließ sich seine Haare fast abrasieren und schaffte es noch zum Training. "Ich hoffte nur, er würde nicht bemerken, dass ich fünf Minuten zu spät war", erinnert sich Walton.

Überhaupt war Wooden für seine Spieler wie ein Relikt aus längst vergessener Zeit. Er war kompromisslos, es gab nur einen Weg - den von John Wooden.

Wie fast alle ehemaligen Spieler erkannte auch Walton erst später, dass sein Trainer versuchte, ihn nicht nur auf eine Profikarriere, sondern auf das Leben vorzubereiten. Stellvertretend für alle Schüler Woodens sagt Walton heute: "Es ist unsere Pflicht, sein Vermächtnis weiterzutragen."

Von Johnny zu Coach Wooden

Um Woodens Wertekanon verstehen zu können, muss man wissen, wie der spätere Trainer aufgewachsen ist. Am 14. Oktober 1910 kam Wooden im US-Bundesstaat Indiana zur Welt. Er wuchs auf einer Farm ohne Elektrizität oder fließendes Wasser auf. Sein erster Basketball war eine schwarze Wollsocke, mit Lumpen gefüllt. Zunächst warf Wooden mit diesem "Ball" auf an die Wand genagelte Tomatenpaletten, ehe sein Vater einen Ring aus dem Metall eines Fasses schmiedete.

Irgendwann bekommt Wooden von seinem Vater Joshua einen Zettel, den er sein Leben lang in seiner Brieftasche tragen und dessen Credo er folgen wird: "Bleib dir selbst treu. Mache aus jedem Tag ein Meisterwerk. Hilf anderen. Trinke zutiefst aus Gottes Büchern, besonders der Bibel. Mache aus Freundschaften eine hohe Kunst. Baue dir eine Zuflucht für einen regnerischen Tag. Bete um Beistand, sei jeden Tag dankbar für das, was du hast."

Als Johnny 14 Jahre alt war, zog die Familie zog nach Martinsville, rund 50 Kilometer südlich von Indianapolis. Dort entwickelte sich Wooden zu einem exzellenten Basketballer und führte seine Highschool dreimal in Folge ins Finale um die Staatsmeisterschaft. 1927 holte das Team den Titel. Von 1928 bis 1932 lief Johnny Wooden für die Purdue University auf. Unter der Leitung von Coach Piggy Lambert, den Wooden später als seinen größten Einfluss bezeichnet, wurde aus dem Provinz-Jungen einer der ersten Stars der noch jungen Sportart.

Der "Indiana Rubber Man" - wie er wegen seiner halsbrecherischen Spielweise genannt wurde - führte die Uni zu zahlreichen Erfolgen. Noch stolzer war der Englisch-Student aber darauf, dass er die beste Abschlussnote aller Purdue-Sportler erreichte.

Lesen Sie im zweiten Teil : Wie aus dem Spieler Wooden der Trainer Wooden wurde - und warum er sich nie mit seinem Spitznamen als "Zauberer von Westwood" anfreunden konnte.



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