Beachvolleyball-DM Baggern für den Boom

Ein volles Stadion, großartige Stimmung und hochklassige Spiele: Die Deutsche Beachvolleyballmeisterschaft in Timmendorfer Strand zeigt, dass die Sportart ihre Krise überwunden hat. Die Show auf Sand ist beliebt wie nie. Irgendwann wird das auch das Fernsehen wieder merken.

DPA

Von , Timmendorfer Strand


Julius Brink und Jonas Reckermann schreien ihre Freude heraus. Soeben haben die Europameister im Beachvolleyball ihren Matchball verwandelt und auch das Finale der Deutschen Beachvollyballmeisterschaft gewonnen. Das Stadion am Ostseeufer in Timmendorfer Strand bebt unter dem Jubel der 6000 Zuschauer. Der Himmel ist bedeckt, es regnet immer mal wieder. Trotzdem sind die Tribünen bis auf den letzten Platz belegt. Wer zum Finale der Männer am Nachmittag einen Sitzplatz haben wollte, musste bereits morgens da sein. Auch am Vortag beim Finalsieg der Europameister Sara Goller und Laura Ludwig war die Arena voll.

Die Stimmung im deutschen Beachvolleyball war nicht immer so ungetrübt. Noch vor wenigen Jahren steckte die Ballsportart in einer schweren Krise. Der 2005 vom Deutschen Volleyballverband (DVV) als Partner präsentierte Sender RTL stieg nach nur einer Saison wieder aus. Dabei hatte der DVV nach dem Gewinn der Bronze-Medaille von Jörg Ahmann und Axel Hager bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney auf eine rosige Zukunft gehofft. Die Sandsportart mit den Athleten und Athletinnen in knappen Trikots und Bikinis war seit dem Erfolg der Deutschen am Bondi Beach im Aufwind. RTL wollte neben der Beachvolleyball-WM in Berlin 2005 auch die nationale Tour übertragen.

Traum von fetten Preisgeldern geplatzt

Doch die Quoten blieben hinter den Erwartungen zurück, der Sender stieg aus. Eine Entscheidung mit Folgen: Der Hauptsponsor wollte den Sport schon bald nicht mehr unterstützen und auch die Vermarktungsagentur Sportfive verabschiedete sich dank einer Ausstiegsklausel aus dem eigentlich bis 2008 laufenden Vertrag. Damit war der Traum von fetten Preisgeldern und potenten Werbepartnern ausgeträumt. 2006 war ein schweres Jahr für den deutschen Beachvolleyball.

"Das war damals ein bisschen viel auf einmal für den jungen Sport", glaubt Christian Dau, der Veranstalter der Deutschen Meisterschaften. Die DVV-Funktionäre haben nach der Krise mit ihm und seiner Vermarktungsagentur einen Neustart gewagt. Das Münchner Unternehmen setzt auf langsames und gesundes Wachstum, von großen TV-Übertragungen will hier niemand mehr etwas wissen. "Beachvolleyball hat sich gesund geschrumpft", sagt Dau, der seit 2006 auch die nationale Serie mit neuem Sponsor organisiert.

Sportlicher Erfolg trotz Krise

Dabei setzt das Unternehmen vor allem auf den Eventcharakter der Sportart. Der Mix aus guter Stimmung und baggernden Sportlerinnen in knappen Bikinis ist kalkuliert und soll die Massen anziehen. Zumal die Leistung auch trotz der Krise stimmte. Sara Goller und Laura Ludwig holten bei den Europameisterschaften 2007 Silber und ein Jahr später in Hamburg den Titel. Auch die deutschen Männer landeten bei internationalen Turnieren regelmäßig auf dem Treppchen, 2009 wurden das Duo Brink/Reckermann Weltmeister, dieses Jahr im norwegischen Kristiansand Europameister.

Trotzdem reagieren die Spieler auch jetzt noch verhalten, wenn sie nach den Perspektiven ihres Sports gefragt werden. "Einen großen Sender zu bekommen, der uns bekannter macht, sollte derzeit nicht das Ziel sein. Wir müssen uns auf unsere Stärke besinnen und das ist Volleyball als Live-Event", sagt Julius Brink, derzeit Deutschlands Beachvolleyballer des Jahres. Er glaubt, dass die Krise überwunden ist und Beachvolleyball inzwischen im "gesunden Mittelstand der Sportarten" angekommen ist.

Immerhin übertrug Sport1 dieses Jahr erstmals das Frauenfinale live vom Timmendorfer Strand. Doch darauf mag sich hier keiner etwas einbilden. "Wichtiger ist, dass die Sponsorenverträge für die Tour im kommenden Jahr abgeschlossen wurden. Das bedeutet Planungssicherheit", freut sich Brink.

Nach den Meisterschaften in Timmendorf und dem Ende der Tour wird sich der Sportsoldat mit seinem Partner Jonas Reckermann nun auf die Olympischen Spiele in London im kommenden Jahr konzentrieren. Sollten es die beiden in die Medaillenränge schaffen, dürfte sich die Sportart erneut Hoffnung auf einen Boom machen. Brink sieht dem gelassen entgegen. "Wenn dann irgendwann das Fernsehen wiederkommt, ist das auch okay", sagt der 29-Jährige.



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Seite 1
latinistin 29.08.2011
1. ...
man, das waren zeiten, als ich das dm-finale mit olli oetke und andi scheuerpflug am tv mitgeschnitten und mir hinterher 1000 mal angeschaut habe....:-)
schensu 29.08.2011
2. Sicher?
Zitat von sysopEin volles Stadion, großartige Stimmung und hochklassige Spiele: Die Deutsche Beachvolleyballmeisterschaft in Timmendorfer Strand zeigt, dass die Sportart ihre Krise überwunden hat. Die Show auf Sand ist beliebt wie nie. Irgendwann wird das auch das Fernsehen wieder merken. http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,783076,00.html
Um uns Deutsche herum bebt die Erde und wackeln die Hallen, sowohl im Beach- als auch im Indoor - Volleyball. Die fußballfixierte "Sport"schau ficht das nicht weiter an. Wenn sich Private gegen Übertragungen entscheiden ist das ihre Sache. Das Schweigen der ör "Anstalten" hingegen ist mehr als ärgerlich. Man gewinnt den Eindruck, die Programmentscheider hatten eine arme Schulzeit...;o) Bloß gut, dass es RAI sport gibt. Bald geht die Saison in der besten Liga der Welt wieder los - Gänsehaut! Ich kenne mittlerweile mehr Spieler von Trentino, Monza oder Modena als aus unserer medial totgeschwiegenen deutschen Liga. Und dabei hat F´hafen bereits das Triple geschafft! Ja, ja ganau das, hinter dem der FC Bayern, begleitet von allerlei redaktionellem Trara, seit Jahren vergeblich hinterherrennt. ;o)))
schensu 29.08.2011
3. .
Zitat von latinistinman, das waren zeiten, als ich das dm-finale mit olli oetke und andi scheuerpflug am tv mitgeschnitten und mir hinterher 1000 mal angeschaut habe....:-)
Sind die LiptonIce - Masters aus den 90gern noch ein Begriff? Ahmann / Hager bei den Männern, Müsch / Friedrichsen bei den Mädels... Och ja... live in KA. Heute unvorstellbar.
Notarzt 29.08.2011
4. Sport1
Immerhin gab es das Damenfinale, mit sehr guter Moderation, leider zu viel Werbung, aber immerhin Jörg Ahmann als Co-Kommentator! und es gibt (wenn auch in fragwürdiger Qualität) auf der SmartBeachTour Seite Internet-Übertragung... Schade, daß die Protagonisten so selten in Deutschland zu sehen sind, aber aus Sportlersicht völlig nachvollziehbar!
goodie 30.08.2011
5. Danke, SPON
Danke für diesen mutmachenden Bericht zur Beachvolleyball DM. Bin mal gespannt, wie lange noch die großen Medien eine Sportart ignorieren können, die von 100.000en in D begeistert betrieben und mitverfolgt wird.
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