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Sieg im Beachvolleyball "Hey Leute, guckt mal: Wir können das auch!"
Laura Ludwig weiß schon, was sie anziehen wird. Mehr hat sie nicht verraten, aber fest steht: In der Nacht auf Donnerstag wird die Beachvolleyballerin mit ihrer Teamkollegin Kira Walkenhorst auf dem Siegertreppchen stehen - die Frage ist nur, auf welcher Stufe.
Durch den beeindruckenden Zweisatzsieg (21:18, 21:12) über die Brasilianerinnen Larissa Franca Maestrini und Talita Antunes da Rocha hat das Duo aus Hamburg das Finale an der Copacabana erreicht. Es ist das erste Mal, dass zwei Beachvolleyballerinnen aus Europa eine olympische Medaille sicher haben. "Richtig realisiert habe ich es noch nicht. Aber als ich vorhin mal darüber gesprochen habe, kamen mir kurz die Tränen", sagte Walkenhorst nach ihrem Sieg.
Phasenweise führten die beiden die Brasilianerinnen regelrecht vor. Manch einen erinnerte das Spiel schon an das sagenhafte 7:1 der DFB-Kicker gegen Brasilien zwei Jahre zuvor. Einen Matchball wehrten die Brasilianerinnen noch ab, nach dem zweiten war es dann geschehen. Noch in derselben Sekunde kniete Walkenhorst im Sand, und nun gab es auch Applaus vom brasilianischen Publikum. Während des Spiels hatten die 11.000 Zuschauer die deutschen Spielerinnen bei fast jedem ihrer Aufschläge lautstark ausgebuht.
"Es hat sich ja herumgesprochen, dass die Brasilianer immer sehr laut sind und sehr viel pfeifen", sagte Ludwig. "Wir haben versucht, das wegzustecken. Aber irgendwie kommt es doch bei einem an, und man denkt sich: 'Hey Leute, guckt mal: Wir können das auch.' Denn da möchte man einfach zurückschreien."
"Das wäre uns vor ein, zwei Jahren noch nicht gelungen"
Beim Stand von 11:14 im ersten Satz legten Ludwig und Walkenhorst eine taktische Besprechungspause ein - und beschlossen, das Theater auf den Rängen ab sofort zu kontern. "Bis dahin hatten wir die Stimmung aufgesaugt, uns davon aber auch ein wenig erdrücken lassen", sagte Walkenhorst. Nach der Pause präsentierten sie sich auf dem Feld erkennbar lauter und stärker. "Wir haben versucht, das auszuschalten. Quasi auf einem Nebencourt zu spielen", erklärte Ludwig.
"Wir haben uns da rausgekämpft. Das wäre uns vor ein, zwei Jahren noch nicht gelungen, da wären wir in so einem Spiel untergegangen", sagte Walkenhorst, die im Vergleich zum Pfeifkonzert beim Stabhochsprungfinale der Männer am Vorabend aber relativierte: "Ich hätte es schlimmer erwartet."
Seit vier Jahren spielen die beiden Finalistinnen zusammen. Nachdem ihre langjährige Partnerin Sara Goller ihre Karriere beendet hatte, fahndete Laura Ludwig nach einer neuen Frau an ihrer Seite. Kira Walkenhorst erfüllt das Anforderungsprofil perfekt: jung, ehrgeizig, willensstark, dickköpfig. Genau diese Mischung suchte Ludwig, die bei den Spielen 2008 in Peking Neunte und vier Jahre später in London Fünfte geworden war.
Nun geht es sogar um Gold. Eine Minute vor Mitternacht soll am Mittwoch der erste Aufschlag an Rios berühmtestem Strand erfolgen. Späteste Anfangszeit für das deutsche Duo bei diesen Spielen war bislang 21 Uhr.
Kein Problem, winkt Ludwig ab. Die gebürtige Berlinerin findet den nächtlichen Termin sogar gut. "Ich mag schlafen, und morgen werde ich garantiert lange schlafen."
Die besten Bilder aus Rio: Bitte lächeln!