Berlin in der Europaliga Außenseiter im Club der Großen

Alba Berlin steht möglicherweise vor einer Niederlagen-Serie - der Club freut sich trotzdem. Denn die Gegner in der Euroleague kommen aus Madrid, Barcelona und Tel Aviv. Das sind große Namen, die lange nicht mehr auf dem Parkett in der Hauptstadt gespielt haben.

Von Sascha Klettke


Hamburg - Maccabi Tel Aviv ist ein Mythos im europäischen Basketball: 47-mal wurde der Club Israel-Meister, 36-mal gewannen sie den Pokal, fünf Titel holten sie in europäischen Wettbewerben. Wer gegen Maccabi spielt, muss auch gegen den Lärm von 11.000 lautstarken Fans in der stets ausverkauften Halle antreten. Maccabis Gegner an diesem Donnerstagabend (20 Uhr, live im Pay-TV bei sportdigital.tv und euroleague.net) kommt aus Deutschland: Es ist das erste von sechs Spielen von Alba Berlin im Top 16 der Euroleague.

"Das hat sich die Mannschaft jetzt verdient", sagt Alba-Sportdirektor Henning Harnisch im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE und wirkt überhaupt nicht unglücklich, dass jetzt nur noch scheinbar übermächtige Gegner auf sein Team warten. In Deutschland ist Alba Berlin so etwas wie das Bayern München des Basketballs: Der Hauptstadt-Club hat den größten Etat (zwischen sieben und acht Millionen Euro), die modernste und größte Halle (knapp 15.000 Plätze) und der Papierform nach die beste Mannschaft in der Basketball-Bundesliga (auf der Bank sitzen zwei Nationalspieler).

Doch in Europa spielen die Berliner zumindest finanziell nur in der unteren Mittelklasse. Die drei Konkurrenten in der Gruppe F des Euroleague-Top-16 haben Namen, die auch Fußballfans kennen und Etats, von denen die Verantwortlichen in Berlin nur träumen können: Auftakt-Gegner Tel Aviv hat mit geschätzten 20 Millionen Euro Jahresbudget mehr als doppelt so viel Geld zur Verfügung wie Alba Berlin, die Basketball-Ableger von Real Madrid und dem FC Barcelona noch einmal zehn Millionen Euro mehr.

Damit haben die Konkurrenten natürlich weit bessere Chancen auf dem Markt der Spitzenspieler. Wie stark sich die Stellung von Alba in der Bundes- und der Europaliga unterscheidet, zeigt ein Blick in die Statistik: In der nationalen Liga kommen die Albatrosse auf durchschnittlich 80 Punkte pro Spiel. In der Europaliga sind es elf Punkte weniger, 80 Zähler hat Alba noch in keinem Euroleague-Spiel geschafft.

Ginge es nur nach den erzielten Körben, dann wäre Alba gar nicht ins Top 16 eingezogen: Die Berliner stehen in dieser Statistik nur auf Platz 22 der 24 Teams im Wettbewerb. Aber die Mannschaft von Trainer Luka Pavicevic hat es geschafft, den Gegnern in der Defensive so zuzusetzen, dass es auch mit weniger Körben gewinnen konnte.

Dass die Berliner eine Chance haben, so auch die nächste Runde der Europaliga zu überstehen, glaubt im Club wohl niemand so richtig. Auch Trainer Luka Pavicevic nicht: "Unsere wesentliche Rolle in der Gruppe ist es wohl, zu beeinflussen, welche beiden der anderen drei Mannschaften weiterkommen", sagte er vor dem Spiel gegen Maccabi.

Das soll aber nicht heißen, dass die Berliner den Gegnern nur beim Spielen zuschauen wollen: "Auch wenn unsere Gegner exzellent sind, wollen wir in jedem Spiel nach einer Möglichkeit zum Sieg suchen", sagt Pavicevic.

Der Trainer und sein Team haben in diesem Jahr eine besondere Motivation, vielleicht doch die ganz große Überraschung zu schaffen: Der Gewinner der Europaliga wird in diesem Jahr in ihrer Heimspielhalle gekrönt. Die vier Teams, die nach dem Top 16 auch noch das Viertelfinale überstehen, spielen am 1. und 3. Mai in der Arena am Berliner Ostbahnhof um den Titel. Das "Final Four" wird jedes Jahr in einer anderen Stadt ausgetragen. Die auch nur theoretische Chance, zu Hause den europäischen Titel zu gewinnen, dürfte also so schnell nicht wiederkehren.

Dass auch Spitzenteams schlagbar sind, weiß Berlins Sportdirektor Henning Harnisch: Er hat vor zwölf Jahren im Alba-Trikot gegen Tel Aviv gewonnen. Wer ihn jetzt fragt, ob Berlin trotz der schwierigen Gegner in die nächste Runde kommen kann, bekommt nur eine Sportlerfloskel zur Antwort: "Wir schauen von Spiel zu Spiel." Daran, dass es eine einzige Niederlagenserie wird, glaubt Harnisch wohl nicht: "Wenn es gut läuft, dann können wir jeden schlagen."

In einer Statistik hat Alba sogar gegen Maccabi Tel Aviv schon gewonnen: Mit 11.965 Zuschauern pro Partie ist Alba Spitzenreiter in Europa. In Tel Aviv passen nur 11.000 Fans in die Halle.



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