Zum Tode Bernhard Kempas Der Alleskönner

Bernhard Kempa feierte als Spieler und Trainer große Erfolge, ein Trick machte ihn zu einer Handball-Legende. Doch auch in anderen Sportarten stellte er sich als Naturtalent heraus.
Bernhard Kempa

Bernhard Kempa

Foto: Uwe Anspach/ dpa

Es gibt nicht viele Athleten, die sich in der Sprache des Sports verewigen konnten. Die Turner Eberhard Gienger und der Eiskunstläufer Werner Rittberger haben dies durch die Erfindung neuer Sprungelemente vermocht, der tschechoslowakische Angreifer Antonín Panenka mit seinem dreisten Elfmeter-Heber bei der Fußball-EM 1976. Und dann gibt es noch diesen Trickwurf, benannt nach einer Göppinger Handball-Legende: Bernhard Kempa.

Wie der "Kempa-Trick" funktioniert, erklärte der Urheber stets so: "Der Rückraumspieler nimmt kurzen Blickkontakt mit dem Außen auf, der läuft an und springt ab - und während er das tut, spielt der Rückraumspieler ihm den Ball über die Abwehr hinweg zu, der Außen fängt den Ball in der Luft schwebend und kann ihn am überraschten Torwart vorbei leicht ins Tor werfen." Ein Element, das heute zum Standardrepertoire aller Leistungshandballer zählt.

Irgendwann war die Idee einfach da. Erprobt hatte Kempa diese neue Variante im Winter der Saison 1953/1954 als Spielertrainer von Frisch Auf! Göppingen, zunächst im Training. Nach einigen Einheiten hatten die Spieler ihn einstudiert. Zur Uraufführung kam es am 24. Februar 1954 in Karlsruhe, im Rahmen eines Länderspiels gegen Schweden, das damals das Nonplusultra im Hallenhandball darstellte.

"Fritz Walter des Handballs"

Der erste Versuch in der Schwarzwaldhalle ging noch schief, die schwedische Defensive fing den Passversuch ab. "Da habe ich zu meinem Außen gesagt: Du musst ein bisschen später abspringen, weil ich den Ball höher über die Deckung spielen muss", berichtete Kempa später. Aber dann klappte der Trick wie am Schnürchen, vier- oder fünfmal landete der Ball im Tor.

Und noch in der Pause eilte der schwedische Coach zu Kempa, um sich den Geniestreich erklären zu lassen.

In den Fünfzigerjahren zählte Bernhard Kempa neben Spielern wie Hein Dahlinger vom THW Kiel oder "Atom-Otto" Otto Maychrzak vom SV Polizei Hamburg zu den größten Spielern der Zeit, gefeiert als "Fritz Walter des Handballs" oder "Monsieur Handball". Dreimal wurde er Deutscher Meister mit Göppingen (1954, 1955 in der Halle, 1957 auf dem Feld), und 1955 gewann er in Dortmund vor über 50.000 Fans mit Deutschland die Feldhandball-Weltmeisterschaft, zum zweiten Mal nach 1952.

Seine besten Jahre hatte er, wie so viele Athleten dieser Ära, durch den Zweiten Weltkrieg verloren. Am 19. November 1920 im schlesischen Oppeln geboren, hatte er sich zunächst - wie seine vier Brüder und zwei Schwestern - vom geliebten Handball abwenden müssen, weil seine Eltern den Sport ablehnten. "No Sports - Schule und Kirche waren wichtiger", erinnerte sich Kempa in seiner Autobiographie "Sport ist Trumpf". Sein großes Talent wurde in der schlesischen Handball-Hochburg jener Tage schnell erkannt, bald spielte er in der ersten Mannschaft des Post SV Oppeln.

Basketballmeister in Baden-Württemberg, Senioren-Weltmeister im Tennis

Weniger bekannt ist, dass Kempa auch in anderen Sportarten großes Talent zeigte. Als es ihn nach dem Krieg nach München verschlug, bemühten sich sogar die Fußballer des TSV 1860 München um Kempa. Doch einen Einsatz im Oberligaspiel beim 1. FC Nürnberg verhinderte das Veto der 1860-Handballabteilung. Später wurde Kempa Tischtennismeister in München. Und mit FA Göppingen gewann er dreimal die baden-württembergische Basketballmeisterschaft.

Auch als Trainer war Kempa höchst erfolgreich: Fünfmal führte er Göppingen nach 1957, als er seine aktive Laufbahn beendete, zur Meisterschaft (1958-1961 und 1970), der größte Erfolg als Coach war der Sieg im Europapokal der Landesmeister 1960 in Paris. Ohne Bernhard Kempa wäre der Aufstieg Göppingens zu einer Hochburg des Handballs undenkbar gewesen.

Bis ins hohe Alter blieb Kempa ein erfolgreicher Sportler, dreimal gewann er als Senior die Weltmeisterschaft im Tennis, obwohl er erst im Alter von 47 Jahren damit angefangen hatte. Und bis zum Ende blieb er als Zuschauer den Göppinger Handballern treu. Heute ist einer der größten Handballer der Geschichte im Alter von 96 Jahren gestorben. Der Name wird durch seinen Geniestreich nie in Vergessenheit geraten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war der Name von Otto Maychrzak falsch geschrieben, zudem spielte er in den Fünfzigerjahren nicht beim Hamburger SV sondern beim SV Polizei Hamburg. Wir haben die Fehler korrigiert.

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