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Bernhard Langer: Der Dauergolfer

Foto: Harry How/ AFP

Masters-Routinier Langer Weltklasse bis zur Rente

Beim Masters in Augusta geht Golfprofi Bernhard Langer zum 31. Mal an den Start. Der 56-Jährige ist längst eine Legende des Turniers. Und er sagt: "Ich will um den Sieg mitspielen."

Ältere Herrschaften haben schon mal ihre Zipperlein. Bernhard Langer plagt sich dieser Tage mit den hartnäckigen Folgen einer Bronchitis herum. Statt sich auf dem Grün optimal auf das Masters in Augusta vorbereiten zu können, musste Deutschlands nach wie vor bekanntester Golfer zwischen den Trainingseinheiten immer wieder das Bett hüten. Für einen Perfektionisten wie Langer ist das ein Gräuel.

56 Jahre ist der Deutsche mittlerweile alt, es wird seine 31. Teilnahme am traditionsreichen Turnier im US-Staat Georgia, das an diesem Donnerstag beginnt. Zum 78. Mal wird in Augusta mittlerweile abgeschlagen, Langer war also beinahe bei der Hälfte aller Turniere mit dabei. Das erste Mal war er hier 1982 als 25-Jähriger am Start. Helmut Schmidt war damals noch Bundeskanzler.

Das Masters, das erste der vier großen Major-Turniere des Jahres, ist nicht nur eines der berühmtesten, es ist auch eines der vertracktesten Turniere für die Golfer. Die Grüns verlaufen kompliziert, einzelne Bäume blockieren die Ideallinie. Es gibt viele Profis, die Augusta nicht mögen. Es ist der Lieblingsgolfplatz von Bernhard Langer.

Wie Becker Tennis hat langer Golf salonfähig gemacht

1985 hat er hier erstmals triumphiert und Golf in Deutschland für die Masse interessant gemacht. Es war dasselbe Jahr, in dem Boris Becker mit seinem Wimbledon-Sieg den Tennisboom begründete. Becker war danach der bekannteste Leimener der Welt, Langer der berühmteste Anhausener.

Und so wie für Becker Wimbledon das Wohnzimmer war, so ist Augusta immer Langers Herzens-Turnier gewesen. "Ich kenne hier alles, es ist wie zu Hause", sagt er. 1993 ließ er seinen zweiten Sieg folgen, es sind bis heute die einzigen Majors, die der Deutsche für sich entscheiden konnte.

Aber damit erschöpfen sich auch die Gemeinsamkeiten mit Becker. Langer ist trotz seiner Berühmtheit immer der stille Sportler geblieben. Er redet nicht viel, er zieht sich am liebsten zurück, in die Klatschblätter hat er es nie gebracht. In die Öffentlichkeit geht er meist nur, wenn er um sein Engagement für die evangelikale Organisation "Pro Christ" geht.

Lieber zieht er seit mehr als 40 Jahren Profisport Tag für Tag sein Fitnessprogramm durch. Er könnte sich längst auf seinem Anwesen in Florida zur Ruhe setzen, stattdessen steht er bis zu vier Stunden täglich auf dem Trainingsplatz und schlägt kleine Bälle durch die Gegend. Und sagt: "Wenn ich starte, will ich auch um den Sieg mitspielen."

Schon beim Training Menschentrauben um ihn herum

Im Vorjahr, beim 77. Masters im Alter von 55 Jahren, hätte er das fast in die Tat umgesetzt. Bis zur Schlussrunde lag er unter den besten zehn und rutschte erst am Ende noch auf Platz 25 ab. Für andere seines Alters wäre das extrem ehrenvoll gewesen, Langer hat sich sehr geärgert. Obwohl er damit immer noch deutlich vor seinem 27 Jahre jüngeren Landsmann Martin Kaymer lag.

Kaymer war vor drei Jahren drauf und dran, Langer in Sachen Renommee und Bekanntheit in Deutschland zu überholen. Bis an die Spitze der Weltrangliste hatte es Kaymer geschafft, war wie einst Langer Mitglied des siegreichen europäischen Ryder-Cup-Teams. Jetzt dümpelt er jenseits der Top 50 der Weltrangliste. Er wird schon froh sein, überhaupt den Cut zu schaffen, und die deutschen Golf-Fans wenden ihre Aufmerksamkeit wieder dem Altmeister zu.

Beim Golf-Publikum ist der Senior ohnehin einer der Beliebtesten auf der Tour, schon bei den Trainingsrunden der Vortage bildeten sich Menschentrauben, um den Deutschen zu beobachten. Mit Tiger Woods, dem Vierfachsieger, fehlt die Hauptattraktion. Der US-Amerikaner muss sich einer Rücken-OP unterziehen und wird noch wochenlang ausfallen.

Seine potentiellen Nachfolger Rory McIllroy, Lee Westwood und Luke Donald sind außer Form. Da richtet sich der Fokus fast automatisch auf Spieler wie Langer, die ihren Legendenstatus mit sich herumführen. Langer ist "seine eigene Prähistorie", hat die "Berliner Zeitung" dieser Tage geschrieben. Durch seine zwei Masters-Siege hat sich der Deutsche auf Lebenszeit das Recht erworben, in Augusta an den Start zu gehen.

Eine echte Gewinnchance traut ihm zwar niemand wirklich zu. Da ist dann doch das Alter ein Argument. Der legendäre Jack Nicklaus gewann zwar einst noch im Alter von 46 Jahren in Augusta, der Älteste jedoch, der je ein Major für sich entscheiden konnte, war Julius Boros und mit 48 acht Jahre jünger als der Deutsche heute.

Aber angesichts des in diesem Jahr schwer überschaubaren Favoritenfeldes reicht allein die pure Präsenz eines Routiniers wie Langer, um ihm die Schlagzeilen zu sichern. Wenn die Bronchitis ihn lässt.

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