Bestechungsvorwürfe DHB suspendiert Schiedsrichter Lemme und Ullrich

Der Verband reagiert: Die unter dem Verdacht der Bestechlichkeit stehenden Unparteiischen Lemme und Ullrich sind vom Deutschen Handball-Bund suspendiert worden. Zudem sollen alle Bundesliga-Schiedsrichter befragt und auffällige Spiele per Videoanalyse untersucht werden.


Hamburg - 'Wir können die Entscheidung nachvollziehen. Wir haben einen Fehler gemacht", sagte Frank Lemme dem sid. "Ansonsten ist zu diesem Thema erst einmal alles gesagt." Zuvor hatte der Deutsche Handball-Bund Lemme und seinen Partner Bernd Ullrich mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb suspendiert. Dies beschloss das Präsidium des DHB am Montagabend auf einer Krisensitzung in Dortmund.

Schiedsrichter Lemme (r.), Ullrich: Vom DHB suspendiert
DPA

Schiedsrichter Lemme (r.), Ullrich: Vom DHB suspendiert

Die schriftliche Stellungnahme der Schiedsrichter wird an die Europäische Handball-Föderation (EHF) weitergeleitet. Zudem wird der DHB in nächster Zeit alle Bundesliga-Schiedsrichter zu eventuellen Vorkommnissen befragen. Dies geschieht durch einen dreiköpfigen Ausschuss mit dem DHB-Präsidenten Ulrich Strombach, dem Präsidenten der Handball-Bundesliga (HBL), Reiner Witte, und dem DHB-Vizepräsidenten Horst Bredemeier.

Zudem will der Verband ein ebenfalls dreiköpfiges Sachverständigengremium einsetzen, das bezüglich aller auffälligen Spiele eine unabhängige Spielanalyse erstellen soll. Dieses Modell will der DHB auch der EHF vorschlagen. "Wir haben die richtigen Schritte eingeleitet. Ich hoffe, das war nicht die Spitze des Eisberges, sondern der Eisberg", sagte Präsidiumsmitglied Witte.

Bei Lemme und Ullrich waren nach SPIEGEL-Informationen nach einem Europacup-Finale 2006 in Russland 50.000 Dollar im Gepäck gefunden worden. Die EHF hatte die beiden Magdeburger bereits suspendiert und sie vom geplanten Einsatz im EM-Qualifikationsspiel Mazedonien gegen Island am Mittwoch abgezogen.

Valladolid verlangt Titel und finanzielle Entschädigung

Die Referees berichteten inzwischen von Bestechungsversuchen in mehreren Fällen. "Es gab immer mal wieder in unserer Karriere zweideutige Angebote. So nach dem Motto: 'Wenn ihr heute für uns pfeift, soll das nicht zu eurem Nachteil sein.' Ob das zehn- oder 20-mal war, kann ich nicht mehr genau sagen", sagte Ullrich der "Hamburger Morgenpost".

Der spanische Club BM Valladolid verlangt nach spanischen Medienberichten vom Montag, dass dem siegreichen Team im betreffenden Europacup-Finale, Tschechow, der Titel aberkannt und dieser den Spaniern zugesprochen wird. Zudem fordern sie eine finanzielle Entschädigung wegen entgangener Einnahmen. Valladolids Vereinspräsident Dionisio Miguel Recio plädiert für eine lebenslange Sperre des Gespanns: "Sie haben dem Ansehen des Sports und vor allem des Handballs geschadet."

Bei der EHF liegen derweil keine offiziellen Meldungen von Unparteiischen zu Bestechungsversuchen vor. "Es hat sicher solche Gespräche über seltsam anmutende Vorfälle gegeben, aber ich kann die nicht identifizieren und einzelnen Ereignissen zuordnen", sagte Wettbewerbsmanager Markus Glaser der dpa. Würde es Berichte geben, "landen die früher oder später bei uns".

Derzeit sei die EHF dabei, Maßnahmen zu erarbeiten, die Korruption mindestens erschweren sollen. EHF-Generalsekretär Michael Wiederer kündigte an, dass sich die EHF-Exekutive am letzten März-Wochenende damit befassen wird. Die Tagung sollte ursprünglich in Moskau stattfinden. "Wir haben diese Sitzung nach Wien geholt, weil wir es in der gegenwärtigen Situation in Moskau nicht für günstig erachten", sagte Wiederer und begründete "dies mit der besseren Infrastruktur in ihrem Hauptsitz".

Mögliche Neuigkeiten im Fall THW Kiel

Im Zusammenhang mit den Manipulationsvorwürfen gegen den THW Kiel kündigte die Europäische Handball-Föderation (EHF) für diesen Dienstag Ergebnisse bei der Untersuchung des Champions-League-Finales zwischen Kiel und der SG Flensburg-Handewitt an. "Wir werden die technische Analyse des Kiel-Spiels publizieren. Wir kooperieren mit der Kieler Staatsanwaltschaft und profitieren von deren Aufklärungsstatus", sagte Wiederer. Ob und welche Maßnahmen in dem Zusammenhang ergriffen werden, ließ er offen.

fsc/dpa/sid



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Seite 1
BillBrook 14.03.2009
1.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
"Der THW Kiel *}soll*" Einzelfälle? Bevor man diese Frage stellt, sollte man abwarten, ob es diese "Einzelfälle" überhaupt gibt.
Josef Ritter, 14.03.2009
2.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
Ja klar. Deutschland ist längst eine Bananenrepublik. Da geht offensichtlich alles. Herr Zumwinkel bekommt seine Pensionsansprüche ausbezahlt. Am Montag stelle ich auch so einen Antrag. Wenn das Geld da ist bin ich binnen 1 Monat weg. Darauf gebe ich mein persönliches Ehrenwort (Spruch ist geklaut, ich weiss).
Anton 100 14.03.2009
3. Was und wem nützt "Sportgerichtsbarkeit"?
Es ist ein Jammer zu sehen, wie viele Sportarten korrupt sind. Handball ist ja nur ein Beispiel - unter zahllosen anderen. Besonders traurig für alle, die Kinder haben, denen Sport ein Vorbild sein könnte. Bei den gewaltigen Umsätzen, die in sog. Zuschauersportarten über Fernsehen und Merchandising heute verdient werden, ist die Korruptionsanfälligkeit auch gar kein Wunder: Zuerst "Leistungsaufbau" durch Doping, dann "Leistungsabsicherung" durch Schmiergeld. Und dies bei Sportunternehmen, die inzwischen die ausgefuchstesten juristischen Gesellschaftsformen nutzten wie die GmbH & Co KG oder Mischformen davon mit Aktiengesellschaften. Bei solchen Delikten, bei derart hohen Geldbeträgen und geldähnlichen Werten, die da umgewälzt werden, ist es ein Hohn, vom Sport wirksame Selbstkontrolle zu erwarten und zu glauben, die staatsferne Sportgerichtsbarkeit, d.h. der Selbstrichterverein der zumindest indirekt Betroffenen, könne das lösen. Wer ist wie ich für eine lückenlose Verlagerung der Sportdelikte in die ordentliche Gerichtsbarkeit? Es ist verantwortungslos vom Staat, da noch länger wegzuschauen. Und die Kosten, die dabei entstehen, sind durch Abschöpfen der "Sportgewinne" leicht hereinzuholen.
ebbeflut 14.03.2009
4.
Da kommt man doch vor Lachen heute Abend kaum in den Schlaf..natürlich hätten die Herren, wären sie denn mit dem Geld durch den Zoll gekommen, letzteres dem DRK oder der Kindernothilfe oder.oder...gespendet. Bitte: diese Herren bitte auf Lebenszeit disqualifizieren
Koltschak 14.03.2009
5. Klar nee!!!
50.000$ in der Tasche! Und keiner weiß wo die herkommen. Erinnert mich an einen Uraltwitz! Der Wilderer streift durch die Gegend, ein Reh auf der Schulter! Plötzlich kommt der Jäger: "Was haben Sie denn da auf der Schulter?" Der Wilderer guckt sich überrascht um: "Igitt!!!!! Ein Reh!!!"
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