Betrugsverdacht Radprofi Schumacher muss vor Gericht

Es könnte ein Fall von gewaltiger Tragweite werden: In Radprofi Stefan Schumacher muss sich erstmals ein überführter Dopingsünder vor einem ordentlichen Gericht verantworten. Ihm wird Betrug an seinem ehemaligen Arbeitgeber vorgeworfen.

Radprofi Schumacher: Hinreichender Tatverdacht
ddp

Radprofi Schumacher: Hinreichender Tatverdacht


Hamburg - Weil das Oberlandesgericht Stuttgart eine andere Auffassung vertritt als das vorinstanzliche Landgericht, könnte im Fall des Radprofis Stefan Schumacher erstmals ein überführter Dopingsünder vor Gericht stehen. Das bestätigten eine Sprecherin der Stuttgarter Staatsanwaltschaft und ein Sprecher des Oberlandesgerichts Stuttgart. Zuvor hatten die "Stuttgarter Nachrichten" (Mittwoch) darüber berichtet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem WM-Dritten von 2007 Betrug vor.

Der heute 31-jährige Schumacher hatte vor der Tour de France 2008 öffentlich erklärt, niemals mit Dopingmitteln in Berührung gekommen zu sein. In nachträglichen Analysen von Proben der Tour und auch der Olympischen Spiele 2008 wurden bei Schumacher Spuren des Blutdoping-Präparats Cera gefunden. Sein damaliges Team Gerolsteiner kündigte ihm daraufhin im Oktober 2008.

Die Staatsanwaltschaft wirft Schumacher vor, den damaligen Team-Manager Hans-Michael Holczer durch die Einnahme der Dopingmittel hintergangen zu haben. Schumacher hat zwischen Juli und Oktober 2008 von seinem damaligen Team 150.000 Euro Gehalt erhalten - nachdem die positiven Tests bekannt geworden waren.

Die fünfte Kammer des Landgerichts Stuttgart hatte es zunächst abgelehnt, ein Hauptverfahren zu eröffnen, da kein Betrugsdelikt im strafrechtlichen Sinne vorliege. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Beschwerde ein, über die jetzt das Oberlandesgericht Stuttgart entschieden hat. Der zweite Strafsenat vertrat die Auffassung der Staatsanwaltschaft.

"Aus unserer Sicht liegt ein hinreichender Tatverdacht vor", sagte Sprecher Matthias Merz den "Stuttgarter Nachrichten". Eine Verurteilung wegen Betrugs sei wahrscheinlicher als ein Freispruch. Die Hauptverhandlung könne laut der Sprecherin der Staatsanwaltschaft noch vor Ende des Jahres beginnen.

2008 hatte die Staatsanwaltschaft Bonn die Ermittlungen wegen Betrugs gegen den ehemaligen Radstar Jan Ullrich gegen Zahlung einer sechsstelligen Summe eingestellt.

jar/sid/dpa



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n.holgerson 19.10.2011
1. Aber wir lehnen uns so gerne aus dem Fenster
Wie gerne wird auch hier über das Ausland hergezogen und behauptet, in Deutschland wäre ein "Vorreiter" in Bezug auf Dopingbekämpfung. Fakt ist, außerhalb der Sportgerichtsbarkeit hat ein gedopter Sportler so gut wie nichts zu befürchten. Es wird immer wieder darauf verwiesen, dass es ev. nationale Gesetzte geben würde (verstoß gegen das Arzneimittelgesetz,...). Aber das ist im Grunde doch ein Witz. Selbstredend "brüstet" man sich mit Erfolgen gegen Dopinghändler. Nur handelt es sich da zu fast 100% um Händler für die Bodybuilding-Szene. Auch ein Problem, aber eine ganz "andere Baustelle". Spitzensportler, haben aufgrund der nationalen Gesetze fast nichts zu befürchten. Oder kennt irgendjemand mal einen Fall, bei dem ein Spitzensportler gezielt von einer dt. Behörde "überführt" wurde? Und zwar bevor es eine sportrechtliche Auffälligkeit gab (z.B. positiver Test). Und auch nach einem positiven Test, scheinen die Ermittlungen der Behörden aufgrund der Gesetze fast nicht stattzufinden (mal von ganz wenigen Ausnahmen, abgesehen. Und welch ein Wunder, bisher ist so gut wie nichts rechtlich "rausgekommen"). Ein einfaches nationales Gesetz würde vollkommen ausreichen. Tatbestand, Strafmaß,... fertig! Die Behörden hätten eine eindeutige Rechtslage und könnten, ohne komplizierte rechtliche Umwege, gegen Doper vorgehen... Wie gesagt, ich schreibe dies nur, weil es üblich ist, Deutschland als besonders Vorbildlich bei der Dopingbekämpfung darzustellen. Und das ist es eben nicht!
fussball11 19.10.2011
2. .
Zitat von n.holgersonWie gerne wird auch hier über das Ausland hergezogen und behauptet, in Deutschland wäre ein "Vorreiter" in Bezug auf Dopingbekämpfung. Fakt ist, außerhalb der Sportgerichtsbarkeit hat ein gedopter Sportler so gut wie nichts zu befürchten. Es wird immer wieder darauf verwiesen, dass es ev. nationale Gesetzte geben würde (verstoß gegen das Arzneimittelgesetz,...). Aber das ist im Grunde doch ein Witz. Selbstredend "brüstet" man sich mit Erfolgen gegen Dopinghändler. Nur handelt es sich da zu fast 100% um Händler für die Bodybuilding-Szene. Auch ein Problem, aber eine ganz "andere Baustelle". Spitzensportler, haben aufgrund der nationalen Gesetze fast nichts zu befürchten. Oder kennt irgendjemand mal einen Fall, bei dem ein Spitzensportler gezielt von einer dt. Behörde "überführt" wurde? Und zwar bevor es eine sportrechtliche Auffälligkeit gab (z.B. positiver Test). Und auch nach einem positiven Test, scheinen die Ermittlungen der Behörden aufgrund der Gesetze fast nicht stattzufinden (mal von ganz wenigen Ausnahmen, abgesehen. Und welch ein Wunder, bisher ist so gut wie nichts rechtlich "rausgekommen"). Ein einfaches nationales Gesetz würde vollkommen ausreichen. Tatbestand, Strafmaß,... fertig! Die Behörden hätten eine eindeutige Rechtslage und könnten, ohne komplizierte rechtliche Umwege, gegen Doper vorgehen... Wie gesagt, ich schreibe dies nur, weil es üblich ist, Deutschland als besonders Vorbildlich bei der Dopingbekämpfung darzustellen. Und das ist es eben nicht!
107 Jugend-Nationalspieler wurden bei der U17 WM positiv getestet. Gäbe es ein im Strafgesetz verankerten Doping Paragraphen müsste gegen alle ermittelt werden. Ich bezweifele auch das ein WADA Test als entscheidendes Beweismittel ausreichen würde und man würde die Regeln des Sports auf eine Ebene mit dem Strafgesetzbuch stellen. Da nimmt man auch den Sport etwas zu ernst. Wenn ein Sponsor die Wirklichkeit des Sports nicht kennt sollte er die Finger davon lassen und wenn der Staat das dopen unterbinden will muss er auch außerhalb des Sports das Einnahmen dieser Mittel vor Gericht bestrafen. Ich glaub wir haben genug Gesetze und man muß nicht aus allem einen Elefanten machen.
Christ 32 19.10.2011
3. .
Betrug am Arbeitgeber ? das dürfte schwierig werden es nachzuweisen, der will hauptsächlich Erfolge sehen. ich schätze im Profileistungssport dopen mehr oder weniger alle. Wenn man mit dem gleichem Einsatz dopt wie man trainiert dann ist dies auch nicht nachzuweisen. Selbst im Hobbybereich wird gedopt und dort geht es nur um materiel wertlose Erfolge.
n.holgerson 19.10.2011
4. Was schreiben sie nur?
Zitat von fussball11107 Jugend-Nationalspieler wurden bei der U17 WM positiv getestet. Gäbe es ein im Strafgesetz verankerten Doping Paragraphen müsste gegen alle ermittelt werden. Ich bezweifele auch das ein WADA Test als entscheidendes Beweismittel ausreichen würde und man würde die Regeln des Sports auf eine Ebene mit dem Strafgesetzbuch stellen. Da nimmt man auch den Sport etwas zu ernst. Wenn ein Sponsor die Wirklichkeit des Sports nicht kennt sollte er die Finger davon lassen und wenn der Staat das dopen unterbinden will muss er auch außerhalb des Sports das Einnahmen dieser Mittel vor Gericht bestrafen. Ich glaub wir haben genug Gesetze und man muß nicht aus allem einen Elefanten machen.
Wirklich, einen Sinn ergibt ihre Aussage wohl in keinster Weise! Keines ihrer Argumente ist stichhaltig. Ja es gab 107 positive Fälle. Und warum hätte man da nicht ermitteln sollen? War ja in Mexiko. Aber denken sie mal eine Minute nach! Es wurde ein eindeutiger Zusammenhang mit verseuchten Fleisch hergestellt. In Deutschland hätte der Staatsanwalt bzw. die Behörde schon alleine deshalb gegen Produzenten des verseuchten Fleisches ermitteln müssen. Jeder Konsument hätte ev. gegen diesen Produzenten ein Verfahren anstreben können (Gesundheitliche Risiken)... Wo wäre also das Problem gewesen? Anfangsverdacht wegen Doping, bei den Ermittlungen stellt sich raus, der Fleischproduzent hat gegen nationale Gesetzt verstoßen, Verfahren wegen Doping wird eingestellt... Weiter ihre Aussage mit dem WADA Test. Ja die sind eindeutig für nationalen Gerichten anerkannt und zulässig. Warum den auch nicht. Und nein, man würde nicht die Regeln des Sportes auf die Ebene des des Strafgesetzbuches stellen. Man würde z.B. eine Straftat formulieren die auch geahndet wird. Wie gesagt, ich kann Leute wie sie die ganz offensichtlich Doper schützen wollen einfach nicht verstehen. Sind sie so naiv, dass sie einfache Zusammenhänge nicht verstehen? Da geht es um Millionen von Euro! Ein gedopter Sportler kann durch seine Erfolge sich unberechtigterweise ein Millionenvermögen anhäufen. Exakt aus diesem Grund dopen die doch auch! Und ich verstehe ihre Naivität nicht, wenn sie von "aus allem einen Elefanten machen" sprechen. Mal ein kleines Beispiel für sie: Unterstellen wir mal, bei der Tour de France wird nach 5 Jahren eine Nachprüfung aller Fahrer bzw. deren Urinproben festgestellt. Dabei stellt sich raus, die 30 besten Fahrer waren alle gedopt. Alle haben die Siegesprämien erhalten, alle habe lukrative Werbeverträge bekommen.... Und der 31 Fahrer, der sauber war, hat so gut wie nichts bekommen. Was sagen sie dann denjenigen? Pech gehabt, "wir haben genug Gesetze". Die "Betrüger" sollen eben nicht bestraft werden bzw. es soll kein finanzieller Ausgleich geschaffen werden. Würden sie sich auch so weit aus dem Fenster lehnen, wenn die Opfer nicht die sauberen Sportler sind, sondern es um ihr Geld gehen würde? Wenn sie sich an alle Gesetze gehalten hätten, es rauskommt, dass andere es anders machen, die aber dafür nicht bestraft werden, das Geld behalten dürfen... Aber das ist doch die typische Einstellung eines Dopingfreundes!
n.holgerson 19.10.2011
5. Warten wir mal ab
Zitat von Christ 32Betrug am Arbeitgeber ? das dürfte schwierig werden es nachzuweisen, der will hauptsächlich Erfolge sehen. ich schätze im Profileistungssport dopen mehr oder weniger alle. Wenn man mit dem gleichem Einsatz dopt wie man trainiert dann ist dies auch nicht nachzuweisen. Selbst im Hobbybereich wird gedopt und dort geht es nur um materiel wertlose Erfolge.
Ich wäre da vorsichtig mit vorschnellen Behauptungen. Gerade aufgrund der zwei positiven Test wurde doch das Team aufgelöst. Schon haben sie den ersten Schaden. Zweitens, scheint es ja so zu sein, dass Schumacher vorher eine eindeutige Erklärung abgegeben hat (nie gedopt). Nur unter dieser Bedingung hat er eine Job bekommen. Also, scheint es ja naheliegend den Schluss zu ziehen, durch Täuschung bzw. falschen Angaben, hat sich Schumacher einen finanziellen Vorteil gegenüber seine Arbeitgeber "erschlichen", den er niemals bekommen hätte, wenn er die Wahrheit gesagt hätte. Sportlich hat er ja keinerlei Leistung erbracht. Alle Erfolge wurden ihn ja aberkannt. Tatsächlich wurde aufgrund seiner rechtswidrigen Tat (zumindest sportrechtlich) auch der Ruf des Teams ganz offensichtlich so beschädigt, dass es aufgelöst wurde.... Also, Ansatzpunkte gibt es da schon einige. Und lösen sie sich mal von den Hobbysportlern. Weil, wie schon das Wort sagt, es geht um ein Hobby. Solange also wirtschaftlich niemand geschädigt wird und/oder man sich keinen wirtschaftlichen Gewinn zuschreiben muss, ist das ein ganz anderer Sachverhalt.
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