Bewerbung um Sommerspiele 2016 Olympia-Rivale Brasilien kontert Obama

"Gebt uns die Chance, ihr werdet es nicht bereuen": Rio de Janeiro hat bei der Olympia-Bewerbung ebenso auf Emotionen gesetzt wie sein stärkster Konkurrent Chicago. Brasiliens Präsident Lula richtete einen flammenden Appell an das IOC, die Spiele erstmals nach Südamerika zu vergeben.


Kopenhagen - Mit einer emotionalen Präsentation hat Rio de Janeiro das Internationale Olympische Komitee (IOC) aufgefordert, den weißen Fleck auf der olympischen Landkarte zu füllen und die Spiele 2016 erstmals nach Südamerika zu vergeben. Es sei Brasiliens Zeit, appellierte Brasiliens Präsident Luiz Inacio Lula da Silva am Freitag in Kopenhagen an die Mitglieder des IOC.

"Unter den zehn stärksten Wirtschaftsmächten der Welt ist Brasilien das einzige Land der Welt, das noch nie Olympia-Gastgeber war", sagte Lula. "Für die anderen wäre es nur ein weiteres Olympia, in Rio wären es Spiele für ganz Brasilien und Südamerika. Rio ist bereit. Gebt uns die Chance, und ihr werdet es nicht bereuen." Immer wieder wurde in der Präsentation an Rios Highlights wie die Christus-Statue, den Sandstrand im Stadtteil Copacabana, den Karneval und die brasilianische Lebensart erinnert.

Auch Rios Bewerbungschef, IOC-Mitglied Carlos Nuzman, bat seine Kollegen, die "Tür zu einem neuen Kontinent zu öffnen und die olympische Bewegung durch neue Energie nach vorne zu bringen". Seine Forderung untermauerte Nuzman mit einer Statistik. In der modernen Olympia-Geschichte seien 30 Sommer- und Winterspiele nach Europa vergeben worden, so Nuzman, fünf nach Asien, zwei nach Ozeanien und zwölf nach Nordamerika, davon acht in die USA, aber noch keine nach Südamerika.

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Olympia-Vergabe: Das Kandidaten-Quartett
Beim fünften Anlauf, Olympia-Ausrichter zu werden, versuchte Rios Bewerbungskomitee, die Kritikpunkte der IOC-Prüfer zu kontern. Das Sicherheitsproblem werde mit einem neuen Polizeisystem angegangen. Dafür stünden fünf Milliarden Euro bereit. Die notwendige Großinvestition von 14 Milliarden Dollar für die fehlenden Infrastrukturen sei gesichert. Brasilien sei 2016 die fünftstärkste Wirtschaftsmacht der Welt und wolle seine Rolle als Gastgeber der Fußball-WM 2014 "als Sprungbrett für die bemerkenswertesten Spiele der Geschichte nutzen", so Bürgermeister Eduardo Paes.

Tokio setzt auf die grüne Trumpfkarte

Außenseiter Japan setzte dagegen eher auf Umweltschutzaspekte. "Die neue olympische Bewegung ist eine Verbindung zwischen Mensch und Natur, und Tokio wird diesen Weg anführen", sagte Japans Premier Yukio Hatoyama. Japans Hauptstadt tauge als Zukunftsmodell "für öffentliche Sicherheit und Umweltschutz der Zukunft" und werde der Welt zeigen, wie eine solches Großereignis veranstaltet werden könne, "ohne die Umwelt zu zerstören".

Unter dem Konzept "Vereinigung unserer Welt" stellten die Asiaten neben dem Umweltschutz vor allem die Kompaktheit ihres Konzepts in den Vordergrund. Außer Schießen (38 Kilometer) finden alle Wettbewerbe innerhalb einer Zone von acht Kilometern statt. Auf den Kritikpunkt der IOC-Prüfer, die Zustimmung in Tokios Öffentlichkeit sei mit 56 Prozent sehr gering, antworteten die japanischen Olympia-Planer mit neuen Umfragen, nach denen der Zuspruch inzwischen bei 80,9 Prozent liege.

"Die Nachhaltigkeit der Spiele von 1964 ist sehr lebendig", betonte Koji Murofushi, Hammerwurf-Olympiasieger von 2004. Durch Japans Rolle als Technologiegigant würden die Olympischen Spiele eine nie dagewesene Präsenz in den Zukunftsmedien bekommen, versprach Bewerbungschef Ichiro Kono.

Zuvor hatten es US-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle mit einem charismatischen Auftritt versucht. "Ich bitte Sie dringend, Chicago zu wählen. Ich bitte Sie dringend, Amerika zu wählen", hatte Obama gesagt und gleichzeitig Optimismus verbreitet. "Wir können es schaffen. Wenn wir es versuchen. Das ist nicht nur ein amerikanischer Traum, das ist der olympische Geist", hatte Obama in seiner Bewerbungsrede gesagt.

König Juan Carlos: "Die Welt wäre nach Madrid 2016 ein besserer Ort"

Die Spanier versuchten es mit einem persönlichen Brief der Madrider Bevölkerung und einer emotionalen Rede von IOC-Ehrenpräsident Juan Antonio Samaranch. "Ich bin jetzt 89 Jahre alt, und mein Leben ist fast zu Ende. Darf ich sie bitten, meinem Land die Ehre und die Verpflichtung zu geben, die Spiele 2016 zu organisieren", sagte der Katalane.

Spaniens König Juan Carlos, bei den Olympia 1972 als Segler in Kiel dabei, versicherte dem IOC, das Olympia-Projekt werde vom ganzen Land unterstützt: "Eine Stimme für Madrid wird die olympischen Werte weltweit noch stärker verankern. Ich bin sicher, die Welt wäre nach Madrid 2016 ein besserer Ort." Madrids Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardon zeigte sich erfreut über die hohe Zustimmung der spanischen Bevölkerung von 86 Prozent.

In ihrer 60-minütigen Präsentation setzten Madrids Olympia-Planer vor allem auf ihre Kompaktbewerbung mit 23 Sportstätten innerhalb von 20 Kilometern. Bewerbungschefin Mercedes Coghen wies dabei vor allem auf die bereits existierenden Weltklasse-Sportstätten wie Real Madrids Fußball-Stadion Bernabeu oder die neue Tennis-Anlage hin, in der das Masters-Series-Turnier stattfindet.

IOC-Präsident Jacques Rogge wird gegen 19 Uhr den Sieger verkünden.

mig/sid/dpa

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