Biathlon Geschummelt - Andresen gibt Goldmedaille zurück

Weil er sich durch einen Regelvorstoß einen Vorteil verschafft hat, hat den norwegischen Biathleten Frode Andresen das schlechte Gewissen gepackt. Jetzt hat er freiwillig sein Edelmetall zurückgegeben.

Oslo - Norwegens Biathlon-Weltmeister Frode Andresen will seine Goldmedaille freiwillig zurückgeben. "Ich habe mich durch Verletzung der Regeln beim Schießen unverantwortlich aufgeführt und die Vorschriften des Fair Play verletzt", meinte der 26-Jährige am Montagabend in Oslo. "So darf man keine Wettbewerbe gewinnen, und deshalb gebe ich meine Medaille zurück."

Trotz des von Andresen selbst zugegebenen Regelverstoßes bei seinem Sieg im 10-Kilometer-Sprint hatte ihm der Biathlon-Weltverband den Titel nicht aberkannt. Das Vergehen war niemandem aufgefallen, und daher wurde in der vorgeschriebenen Zeit auch kein Protest eingelegt. Die Internationale Biathlon-Union (IBU) will allerdings prüfen, ob sie andere Strafen wie eine Verwarnung oder eine Geldbuße gegen Andresen verhängen kann. Der in diesem Rennen viertplatzierte Frank Luck aus Oberhof kann nun wieder hoffen, nachträglich die Bronzemedaille am Grünen Tisch zugesprochen zu bekommen.

Andresen hatte am Sonntagabend bei einem Fernseh-Auftritt erklärt, dass entgegen den Vorschriften alle Magazine vor dem Lauf in seinem Gewehr geladen waren. Dies sei auch bei "fünf bis sechs anderen Rennen" während der Saison so gewesen, allerdings nicht bei den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano. Unter anderem aus Sicherheitsgründen dürfen die Biathleten erst unmittelbar vor dem Schießen ihre Magazine laden.

Der Sprint-Weltmeister berief sich bei seinem Geständnis darauf, diese Regel nicht gekannt und im Übrigen auch keine Zeit durch das Vorladen gewonnen zu haben. "Aber ich hatte einen mentalen Vorteil", räumte der 26-Jährige ein. Allerdings rechnete er nicht mit dem Verlust seiner Goldmedaille und wurde in dieser Annahme von der IBU bestätigt. "Ich hatte zehn Sekunden Vorsprung und bin sehr gut gelaufen. Das ist für mich das Entscheidende", sagte Andresen.

Ein Hauptsponsor des norwegischen Biathlon-Verbandes hatte allen Titelträgern aus dem eigenen Land eine Prämie von umgerechnet 20.000 Mark gezahlt. Vom Verband waren außerdem vorab 15.000 Mark für Gold zugesagt worden.