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25. August 2004, 11:45 Uhr

Blasenschwäche

Fazekas will sein Gold zurück

Diskuswerfer Robert Fazekas wird gegen die Entscheidung des IOC, ihm wegen eines Dopingverstoßes den Olympiasieg abzuerkennen, vor dem Internationalen Sportgerichtshof Berufung einlegen. Der Ungar hatte bei der Probe nicht ausreichend Urin abgeben können und dennoch den Ort der Kontrolle regelwidrig verlassen.

Diskuswerfer Fazekas: "Vollständige Verweigerung"
DPA

Diskuswerfer Fazekas: "Vollständige Verweigerung"

Athen - Wie der Sprecher des ungarischen Olympia-Teams heute Vormittag mitteilte, wird Fazekas vor der Ad-hoc-Kammer des Internationalen Sportgerichtshofes CAS in Athen gegen das Urteil des Internationalen Olympischen Komitees vorgehen. Das IOC hatte dem 29 Jahre alten Europameister gestern die Goldmedaille wegen der Verweigerung eines Dopingtests aberkannt und ihn von den Olympischen Spielen ausgeschlossen.

Fazekas konnte bei der Proben-Entnahme nach dem olympischen Medaillenkampf in der Nacht zum Dienstag nur 25 der erforderlichen 75 Milliliter Urin abgeben, sagte IOC-Sprecherin Giselle Davies. Danach habe sich Fazekas regelwidrig von der Kontrolle entfernt, was vom IOC als "vollständige Verweigerung" gewertet wurde.

Wie der ungarische Chef de Mission, Zoltan Molnar, heute bestätigte, hat auch Gewichtheber Zoltan Kovacs eine Dopingkontrolle verweigert und muss mit dem Olympia-Ausschluss rechnen. Kovacs habe nach dem Wettkampf in der Klasse bis 105 Kilogramm vier Stunden bei einem Dopingtest ausgeharrt, ohne Urin abgeben zu können. Daraufhin habe er die Kontrolle verlassen.

Im Fall Fazekas hatte es zuerst noch geheißen, der Diskuswerfer habe bei der Dopingprobe versucht, fremden Urin anstelle seines eigenen abzugeben. Dem Litauer Virgilius Alekna war nachträglich Gold zuerkannt worden. Auf den Silberrang rückte Fazekas' Landsmann Zoltan Kovago vor, Aleksandr Tammert aus Estland erhielt Bronze.

Hinweise auf Fazekas-Doping bereits vor einem Jahr

Der Deutsche Lars Riedel war im Diskusfinale Siebter geworden. Auf einer Pressekonferenz in Athen berichtete er, dass er bereits vor einem Jahr konkrete Hinweise bekommen habe, wie Fazekas möglicherweise Dopingproben manipuliert habe. Diesen Tipp habe er von einem anderen ungarischen Diskuswerfer beim Leichtathletik-Meeting am 17. Juli 2003 in Cuxhaven erhalten.

Daraufhin habe Riedel, der am Montagabend im Endwettkampf verletzt aufgeben musste, den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) über seine Informationen unterrichtet. Der DLV wiederum hat die Hinweise an den Weltverband IAAF weitergeleitet.

"Das, was in Ungarn passiert, geht nicht mit rechten Dingen zu", hatte Riedels Trainer Karlheinz Steinmetz schon vor der Goldaberkennung über Fazekas gesagt. "Wir kämpfen doch mit Müsli gegen Atombomben", beklagt Steinmetz, "es ist ein Wunder, dass Lars sich so lange auf diesem Niveau halten konnte und so erfolgreich war."

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