Reaktion auf Kritik Blatter droht seinen Gegnern

"Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht", so droht Fifa-Chef Joseph Blatter nach seiner Wiederwahl den ärgsten Kritikern, darunter Uefa-Boss Michel Platini.
Kontrahenten Platini, Blatter (am 29. Mai in Zürich): Handschlag auf Brusthöhe

Kontrahenten Platini, Blatter (am 29. Mai in Zürich): Handschlag auf Brusthöhe

Foto: RUBEN SPRICH/ REUTERS

Es gebe "einen Hass, der nicht nur von einer Person bei der Uefa kommt, aber von der Uefa als Organisation, die nicht verstanden hat, dass ich 1998 Präsident geworden bin", sagte Joseph Blatter am Samstag in einem Interview mit dem Schweizer Sender RTS. Damit spielte er auf eine alte Rivalität an: Vor 17 Jahren hatte sich der am Freitag frisch gekürte Fifa-Boss gegen den Uefa-Widersacher Lennart Johansson durchgesetzt. Nach seiner Wiederwahl zum Präsidenten des Fußball-Weltverbands holt der 79-Jährige nun zum Rundumschlag gegen seine Kritiker aus.

Der amtierende Uefa-Chef Platini hatte Blatter am Freitag wegen der aktuellen Korruptionsvorwürfe und Verhaftungen in Blatters Umfeld zum Rücktritt aufgefordert. "Ich vergebe jedem, aber ich vergesse nicht", sagte Blatter in Bezug auf Platini.

Trotz des größten Skandals der Fifa-Geschichte geht Blatter jetzt in seine fünfte Amtszeit als Präsident des Fußball-Weltverbands. Am Freitag erzielte er beim Fifa-Kongress mit 133:73 Stimmen im ersten Wahlgang gegen seinen einzigen Herausforderer Prinz Ali Bin Al Hussein zwar nicht die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit. Der Jordanier zog jedoch vor einem möglichen zweiten Wahlgang seine Kandidatur zurück.

Auch die USA trifft Blatters Zorn

Nach der jüngsten Anklage der US-Justiz mit insgesamt 14 Beschuldigten zwei Tage vor der Wahl hatten vor allem die Blatter-Gegner aus Europa auf die Sensation für ihren favorisierten Kandidaten Hussein gehofft. Auch DFB-Chef Wolfgang Niersbach hatte sein Votum für den Fifa-Vizepräsidenten angekündigt.

Unmittelbar nach der Abstimmung zeigte sich das frostige Verhältnis: Demonstrativ blieb Platini als Einziger auf dem Podium sitzen. Als Blatter auf seiner Gratulationstour an seinem früheren Freund vorbeikam, entstand ein kleiner peinlicher Moment, bevor sich beide für einen Handschlag auf Brusthöhe entschieden.

Blatters Zorn richtet sich nicht nur gegen den europäischen Verband. Hinter der Festnahme der Fußballfunktionäre zwei Tage vor dem Fifa-Kongress vermutet er eine Verschwörung der US-Behörden. Das sei "kein Zufall" gewesen, so Blatter: "Es gibt Zeichen, die nicht täuschen: Die Amerikaner waren Kandidaten für die WM 2022 und sie haben verloren." Zudem sieht er einen Zusammenhang zwischen dem Jordanier Hussein und den USA. "Man darf nicht vergessen, dass sie der Hauptsponsor des haschemitischen Königreichs sind, also von meinem Gegner. Diese Sache riecht nicht gut", sagte Blatter.

Die US-Steuerfahndung geht unterdessen von weiteren Anklagen im Fifa-Korruptionsskandal aus. Nach einem Bericht der "New York Times" sagte Ermittlungschef Richard Weber: "Ich bin ziemlich sicher, dass wir eine weitere Runde von Anklagen haben werden."

kicker.tv
bor/dpa/sid
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