Boris Becker und Novak Djokovic Trennung mit Ansage

Novak Djokovic und Boris Becker gehen getrennte Wege. Dafür gibt es mehrere Gründe. Gut für Becker: Seine Reputation ist wiederhergestellt.

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Von Philipp Joubert


Das Ende kam in 83 etwas steifen Worten. "Nach drei sehr erfolgreichen Jahren haben Boris Becker und ich gemeinsam entschieden, unsere Zusammenarbeit zu beenden", begann Novak Djokovic seine Mitteilung, die bestätigte, was die meisten Beobachter seit Wochen vermutet hatten. Das erfolgreichste Tennisgespann der letzten Jahre geht getrennte Wege.

In dieser Zeit hatte Djokovic seinen Karrieresteckbrief um 25 Titel erweitert, darunter sieben Grand-Slam-Titel. Der Serbe gehört mittlerweile zu den erfolgreichsten Spielern der Geschichte, und sein ehemaliger Trainer Boris Becker hat die nach der eigenen Karriere etwas ramponierte Reputation wieder komplett hergestellt. Djokovic und Becker haben also geschafft, was die meisten Menschen sich von ihren Beziehungen erhoffen. Beide sind zusammen gewachsen, haben alle gemeinsamen Ziele erreicht und sind im Guten auseinandergegangen.

Aber warum geht so eine erfolgreiche Zusammenarbeit überhaupt zu Ende?

Liegt es an den vergleichsweise mauen letzten sechs Monaten? Oder, wie gerade in Medienberichten vermutet wird, am gewachsenen Einfluss von Pepe Imaz? Der ehemalige Tennisspieler und Meditationsexperte steht der Familie von Djokovic schon länger nahe und wird von vielen Beobachtern kritisch beäugt. Der Spanier greift nicht nur populäre Techniken und Theorien aus der buddhistischen Achtsamkeit auf. Einige seiner Aussagen und Theorien könnten direkt aus einem Handbuch der New-Age-Bewegung der Achtzigerjahre stammen. Hat Djokovic also drei Jahre nach seiner völlig überraschenden Ernennung von Becker einen weiteren radikalen Schritt unternommen? Nur dieses Mal in eine völlig andere Richtung?

Es ist gut möglich, dass die Antwort auf diese Fragen noch etwas auf sich warten lassen wird. Denn Djokovic durchläuft seit Monaten offensichtlich eine Krise mit unbekanntem Ausgang. Der Mann, der mit so vielen Worten so wenig sagen kann, sprach zwar immer mal wieder darüber, was ihn umtreibt. Djokovic erwähnte an verschiedenen Stellen Verletzungen, private Probleme und fehlende Motivation. Doch eine allumfassende Erklärung hat der 29-jährige vermutlich selber nicht.

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Tennis: Der sanfte Absturz des "Djokers"

Immerhin ist es gut möglich, dass Djokovic einfach passiert ist, was anderen Top-Spielern auch passierte. Dass die Zeiten der absoluten Dominanz mit seinem historischen Titel bei den French Open 2016 zu Ende gegangen ist. Roger Federer gewann nach seinen dominanten Jahren zwischen 2004 und 2009 mit 15 Grand-Slam-Titeln nur noch zwei weitere Majors. Rafael Nadal hat seit seinem neunten und letzten French-Open-Titel im Juni 2014 nicht einmal mehr das Halbfinale eines Grand Slams erreicht.

Ein solcher Absturz ist bei Djokovic wohl unwahrscheinlich. Dafür ist sein Spiel immer noch zu solide, und außer Andy Murray sind keine großen Rivalen in Sicht. Aber für den Serben wird die Primäraufgabe der nächsten Monate sein, neue Ziele zu finden. Und harte Arbeit, wie Becker betont. "Er hat in den vergangenen sechs Monaten nicht so viel Zeit auf dem Trainingscourt verbracht, wie er sollte. Und er weiß das", sagte Becker bei Sky News

Dabei helfen wird ihm aller Voraussicht nach Marian Vajda. Der Slowake ist der vergessene Mann im Team Djokovic. Seit 2006 arbeiten der ehemalige Profi und Djokovic zusammen. Das ist eine enorm lange Zeit im Tennis. Aber Djokovic, der manchmal wirkt, als wenn er zwischen seinen vielen Rollen und Verantwortlichkeiten zerrieben wird, schätzt den stabilisierenden Einfluss Vajdas.

Die Wandlung des Boris Becker

Auch für Boris Becker ist das nächste Ziel seiner Reise noch unbekannt. Kein anderer Spitzenspieler sucht im Moment nach einem Coach. Ob er, wie in einigen Medien spekuliert wird, bald mit der deutschen Nachwuchshoffnung Alexander Zverev zusammenarbeitet, ist eher unwahrscheinlich. Aber es ist sicherlich nicht ausgeschlossen, dass Becker in den nächsten Monaten ein neuer Job angeboten wird - unabhängig von seiner Tätigkeit als TV-Experte bei den Australian Open im Januar. Selbst wenn nach drei Jahren Zusammenarbeit immer noch einige Rätsel bestehen, wo genau Becker seinem Schützling Djokovic weitergeholfen hat.

War es Becker, der Djokovic sicherer in seinen Netzangriffen machte? War er es, der den zweiten Aufschlag des Serben stabilisierte, oder hat sich Djokovic mit gestiegenem Selbstvertrauen einfach weiter selber entwickelt? Weder Djokovic noch Becker wollten während ihrer Zusammenarbeit genaue Einblicke gewähren. Djokovic hatte zu Beginn betont, dass Becker ihm vor allem in den engen, wichtigen Matches mental helfen könnte. Schließlich habe sich der Deutsche selber schon oft genug dem enormen Druck eines großen Finals ausgesetzt gesehen. Hier dürfte Beckers Expertise dann wohl auch wirklich zum Tragen gekommen sein und sicherlich von anderen Spielern geschätzt werden.

Egal ob Becker am Ende nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort war oder einen großen Einfluss auf Djokovic hatte, der 49-Jährige hat vor allem in der Außendarstellung kaum Fehler gemacht. Etwas, das Becker nur die wenigsten zugetraut hatten. Becker, der große Individualist im Sport der Individualisten, musste ein Teamplayer werden. Unter dieser Prämisse hat Becker eine äußerst erfolgreiche Zeit mit Djokovic gehabt. Es war die perfekte Beziehung.



insgesamt 13 Beiträge
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distel61 07.12.2016
1. Schuster bleib bei deinen Leisten!
Becker hat hier alles richtig gemacht. Glückwunsch!
Madagon 07.12.2016
2. Der Joker
Endlich alle vier Grand Slams gewonnen und dann etwas die Form verloren. Kann passieren wenn man alles erreicht hat. Was man nicht unterschätzen sollte und was im Artikel nicht erwähnt wurde: Djokovic hatte im Sommer auch eine dicke Ehekrise. Er ist mit der Bollywood- Schauspielerin Deepika Padukone beim Date von den Paparazzi erwischt worden und hatte zudem angeblich seit längerem ein Verhältnis mit dem Kindermädchen. Seine Frau samt Sohn haben sich dann erst mal verkrümelt und es stand wohl Trennung im Raum was man so liest. Ehefrau Jelena sah bei ihren spärlichen öffentlichen Auftritten auf jeden Fall aus wie der berüchtigte "Tod auf Latschen". Dass der Joker jetzt sein Leben wieder in den Griff und gleichzeitig seinen Sport wieder auf Topniveau bringen will ist ja löblich. Ob er es sportlich nochmal hinbekommt werden wir ja bald sehen: Die Australian Open 2017 sind schon im Anmarsch!
dr.könig 07.12.2016
3. Becker ist ein super Trainer
Ich finde, Boris Becker und unsere Nr. 1 bei den Frauen A. Kerber sollten einen Trainervertrag zusammen machen. So für 2 Jahre mit beiderseitiger Option auf Verlängerung. Diese Vereinbarung wäre eine Win- win-Win Situation. Gut für Kerber, gut für Becker und gut für das deutsche Tennis.
ludna 07.12.2016
4. Ja, was hat Boris eigentlich gemacht ?
Technisch sicher nichts. Taktisch woh auch nichts. Also ein paar Tips für die Einstellung zum Spiel ? Wie früher Pickard bei Edberg ?
noalk 07.12.2016
5. @ #2 und #3
zu #2 (Ehekrise): "Seine Frau samt Sohn haben sich dann erst mal verkrümelt und es stand wohl Trennung im Raum was man so liest. Ehefrau Jelena sah bei ihren spärlichen öffentlichen Auftritten auf jeden Fall aus wie der berüchtigte "Tod auf Latschen". --- Die Frage ist doch: War ihr Aussehen Folge oder Ursache der "Ehekrise"? zu #3: Nur weil das Duo Djokovic/Becker erfolgreich war, heißt das nicht, das Kerber auch von Becker profitieren könnte. Die Chemie muss stimmen.
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