Baseball-Team Boston Red Sox So viele Siege wie Donald Trump

Die Boston Red Sox haben eine unglaubliche Saison hinter sich, doch vor den Playoffs gegen den Erzrivalen New York Yankees regiert die Angst. Denn das Team teilt eine Negativstatistik mit dem US-Präsidenten.

Chris Sale
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Chris Sale


Es war bislang eine Saison der Superlative für die Boston Red Sox. 108 Spiele gewonnen - in der 118-jährigen Geschichte des amerikanischen Profi-Baseballs haben nur die Seattle Mariners mehr Partien gewonnen (116 in der Saison 2001). Mit Chris Sale und David Price zwei Pitcher, die zu den Besten der Liga zählen. Es wäre ein Skandal, wenn Outfielder Mookie Betts nicht "wertvollster Spieler" (most valuable Player - MVP) der American League werden würde. Und nur Oaklands Khris Davis hat mehr Homeruns geschlagen als Bostons J.D. Martinez. Nicht zu vergessen, der Mann im Dugout: Trainer Alex Cora arbeitet in seinem ersten Jahr als Chef.

Alles rosig also bei den Roten Socken? Vorfreude auf die Playoffs, in denen es gegen den Erzrivalen New York Yankees geht? Von wegen. In Boston herrscht dieser Tage eher Anspannung als Entspannung. Man könnte auch sagen, Nervosität und Ungewissheit. Denn jetzt kommt jene Saisonphase, in der die Spiele so gar nichts mehr mit den 162 bisherigen gemein haben.

Es wird Oktober-Baseball gespielt. Und da waren die Red Sox zuletzt schneller Zuschauer, als es ihnen lieb war. 2016 kam gegen Cleveland im Viertelfinale das Aus (0:3), vor zwölf Monaten war gegen den späteren Meister, Houston, ebenfalls in der Runde der letzten Acht Endstation (1:3). In beiden Jahren hatte Boston, wie auch jetzt, seine Division gewonnen.

Zweifel sticht Zuversicht

Es mag an diesen Bilanzen liegen, dass die Zweifel derzeit größer sind als die Zuversicht. Und an Chris Sale. Der 29-Jährige ist das Ace, also die Nummer eins unter den Pitchern. Er wird heute Nacht im heimischen Fenway Park auf dem Wurfhügel stehen. Aber die Frage ist: wie lange? Und welchen Sale werden die Zuschauer erleben? Den, der bis Ende Juli nahezu unantastbar war? Der die Bälle so platziert und raffiniert warf, dass die Gegner am Schlagmahl reihenweise vergeblich die Baseball-Keulen schwangen?

Oder eher jenen Sale, der seit seiner Schulterverletzung am 27. Juli nur 17 Innings gepitched hat. Dessen Würfe bei seinem letzten Spiel vor zehn Tagen nur noch eine Maximalgeschwindigkeit von 90 Meilen pro Stunde hatten. So kraftlos hatte Sale seinen Fastball in seiner gesamten Karriere noch nicht geworfen. Auch hinter den anderen beiden Starting Pitchern, David Price und Rick Porcello, stehen Fragezeichen. Denn Sale, Price und Porcello haben bislang alle Playoff-Spiele verloren. Oder um es mit den Worten der Tageszeitung "Boston Herald" zu sagen: US-Präsident Donald Trump habe "genauso viele Playoff-Spiele gewonnen, wie alle Red-Sox-Pitcher. Zero."

Wer nicht weiß, was er von seinen Startern erwarten kann, sollte zumindest auf seinen Bullpen setzen können. Also auf die Einwechsel-Pitcher, die reinkommen, wenn dem Starter der Arm schwer wird, seine Würfe an Power und Präzision verlieren. Doch die Relief-Pitcher sind schon die gesamte Saison über Bostons größte Baustelle gewesen. Bleibt noch der Closer, Craig Kimbrell. Er gilt auf seiner Position als einer der Besten der Liga - zumindest in der Punkterunde. In den Playoffs lautet die Bilanz seiner Teams 0:5.

Zumindest mal eine Playoff-Runde gewinnen, das wär' was

"Ja, die Red Sox haben 108 Spiele gewonnen, aber es gibt überall Warnsignale", sagt Dan Shaughnessy. Der Kolumnist des "Boston Globe" ist einer der größten Red-Sox-Kenner und -Kritiker zugleich. Und er ist mit seinen mahnenden Worten nicht der Einzige in Boston. Denn gegen die Yankees wird es vor allem auf das Pitching ankommen. New York hat in dieser Saison die meisten Homeruns aller MLB-Teams geschlagen.

In Boston erwartet niemand aufgrund der starken Saison automatisch auch den Titel. Aber zumindest mal eine Playoff-Runde gewinnen - das wär' doch schon mal was. Er sei "hundertprozentig sicher, dass Sale gesund" sei, betonte Trainer Alex Cora. Doch was heißt in den Playoffs "gesund"?

Es ist schließlich die Saisonphase, in der Verletzungen heruntergespielt und auf keinen Fall allzu detailliert an die Öffentlichkeit gebracht werden. Deshalb gilt es auf den Pressekonferenzen möglichst viele der immer mehr werdenden Fragen zu beantworten, ohne zu viel zu sagen. So wie Sale gestern: "Mir ist es total egal, was ich habe. Ich sollte trotzdem einen Weg finden, damit klarzukommen", sagte der Pitcher. Überzeugend klang das nicht.

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
DerZauberer 06.10.2018
1.
Schlagmahl? Seriously? Hat mit Abendmahl weniger zu tun denke ich.
kopi4 06.10.2018
2.
Haushohe Favoriten gibt es im Baseball generell nicht. 108 Siege in der regulären Saison bedeuten auch das es 54 Niederlagen gab. Das sie damit eine außergewöhnlich gute Saison hingelegt haben zeigt wie ausgeglichen Baseball ist. In einer best of Five Serie kann jeder jeden schlagen.
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