Box-Farce Weltmeister Walujew redet Kurzauftritt schön

Die Pfiffe der Zuschauer waren nicht zu überhören: Nikolai Walujew ließ im Kampf gegen Jameel McCline die Klasse eines Weltmeisters vermissen. Doch Boxpromoter Don King feierte seinen russischen Riesen. Dieser stimmte in die Märchenstunde mit ein.


Basel - "Es war Schlagwirkung. Ich habe McCline im Gesicht getroffen", behauptete Walujew nach seiner Titelverteidigung durch technischen K.o. in der dritten Runde: "Für McCline hätte der Kampf noch schlimmer ausgehen können. Ich hätte ihn spätestens in der sechsten oder siebten Runde K.o. geschlagen." Zuvor hatte Promoter King die Leistung des 2,13 Meter großen Profis als Heldentat beschrieben. "Das war eine russische Explosion", ein Schlag "wie eine Atomrakete", eben "ein Kniescheiben-Zertrümmerungsschlag", kreischte King.

Fakt ist aber: Zur entscheidenden Szene trug Walujew gar nichts bei. Das sahen nicht nur die 9000 Zuschauer in der Basler St. Jakobshalle und 7,34 Millionen TV-Zuschauer in der ARD so, sondern auch McCline-Manager Scott Hirsch: "Jameel hat sich bei einem eigenen Angriff verletzt, er hat bei dieser Aktion überhaupt keinen Schlag bekommen", protestierte Hirsch.

Bei seinem Vorstoß am Ende der dritten Runde riss McClines Patellasehne, der 15 Zentimeter kleinere Herausforderer, der den Weltmeister einige Male hart traf, wird nun in den USA operiert. Nach ersten Prognosen wird der Heilungsprozess ein halbes Jahr dauern, womit die Karriere des 36-Jährigen wohl beendet ist. McCline hatte bereits in WM-Kämpfen gegen Chris Byrd (USA) und den amtierenden IBF- und IBO-Champion Wladimir Klitschko (Ukraine) den Kürzeren gezogen.

Letzterer könnte schon bald auf Walujew treffen. "I have a dream", predigte Walujew-Promoter King schon einmal und erklärte: "Nikolai wird Champion aller vier Verbände. Keiner kann es mit ihm aufnehmen. Walujew ist der Allerbeste." Der Russe werde Wladimir Klitschko k.o. schlagen, dieser habe ohnehin "ein weiches Kinn und kein Herz".

Wilfried Sauerland, der gemeinsam mit King Walujews Kämpfe vermarktet, äußerte sich schon ein wenig vorsichtiger. Wohl auch weil sein Schützling vor einem möglichen Klitschko-Kampf zunächst bis zum 15. April gegen den Pflichtherausforderer Ruslan Tschagajew vom Hamburger Universum Boxstall antreten muss. "Wir gehen davon aus, dass Nikolai Tschagajew schlägt. Dann könnte es zu dem Kampf kommen, den alle sehen wollen: Walujew gegen Wladimir Klitschko", sagte Sauerland. Doch auch Klitschko muss zuvor nochmal in den Ring. Er trifft am 10. März in Mannheim auf den US-Amerikaner Ray Austin.

Dass die Zusammenarbeit zwischen Sauerland und King bei einem Kampf Klitschko gegen Walujew noch anhält, gilt als wahrscheinlich. Zwar läuft die auf vier Kämpfe vereinbarte Partnerschaft mit King nach dem nächsten Kampf aus, doch Sauerland will verlängern, auch wenn er so nur die Hälfte verdient. Denn er weiß: Drahtzieher King öffnet ihm weltweit alle Türen, leistet die Vorarbeit für Titelvereinigungskämpfe und für Einnahmen vor allem in den USA. Ohne King geht im Profiboxen fast nichts.

pav/dpa/sid



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