Box-WM Blöder Spruch nach kurzem Kampf

Ein dickes Ding sollte das werden: "David" Jameel McCline gegen den Riesen Nikolai Walujew. Für den US-Amerikaner lief es drei Runden ganz gut - dann knickte er unter seinen 120 Kilogramm und unter der Herausforderung einfach weg. Ein kurzer, skurriler Kampf mit tragischem Ende.

Von Pavo Prskalo


Basel - Das Interview nach dem Kampf musste der Herausforderer im Sitzen geben - Stehen konnte er nicht mehr. Verschwitzt und verausgabt saß Jameel McCline im Ring, seine Betreuer kümmerten sich rührend um den US-Amerikaner. Doch nicht die Fäuste von Weltmeister Nikolai Walujew hatten McCline so zugesetzt. Vielmehr stoppte eine Verletzung den 36-Jährigen bei seiner wohl letzten Chance auf den begehrten Schwergewichtsgürtel.

Am Ende der dritten Runde, Walujew hatte gerade eine Reihe harter Schläge schlucken müssen, knickte McCline weg und fand sich auf dem Ringboden wieder. Die Kniescheibe hielt dem Vorwärtsdrang und den 120 Kilogramm Kampfgewicht des US-Kämpfers nicht mehr stand und sprang heraus. "Das war eine große Chance heute Abend. Ich bin sehr enttäuscht", keuchte McClain nach seiner siebten Niederlage im 48. Kampf ins ARD-Mikrophon: "Das ist wahrscheinlich das Ende meiner Karriere."

Ein ebenso absurdes wie tragisches Ende nach nicht einmal zehn Minuten Kampfzeit. Doch weder das Publikum noch Walujew zeigten Mitleid mit dem Herausforderer. Dem russischen Riesen war die Erleichterung über das vorzeitige Ende anzusehen, hatte ihm McCline - vor dem Kampf in US-Newsgruppen noch als "Pussy" verspottet - doch mehr Mühe bereitet als angenommen. Vor allem in der dritten - und letzten - Runde ließ sich der Titelträger des Verbandes WBA immer wieder in die Defensive drängen. Auch in den beiden vorangegangenen Runden konnte Walujew nicht wie gewünscht ausspielen.

Immer wieder kritisierte Coach Manuel Gabrielian die Vorstellung seines Schützlings. "Du arbeitest zu unsicher, lässt ihm zu viel Freiraum", schnauzte Gabrielian. Doch das Selbstbewusstsein des größten Profiboxers der Welt (2,13 Meter) schien trotz der enttäuschenden Vorstellung nicht zu leiden. In der zweiten Runde stellte Walujew sogar kurzzeitig das Boxen ein, um sich seine verrutschte Hose zu richten und sorgte damit für den wohl einzigen Lacher an diesem Abend in der mit 9000 Zuschauer ausverkauften St. Jakobshalle zu Basel.

"So einen Ausgang habe ich mir nicht gewünscht. Aber ich werde jetzt nicht lange warten und mich auf meine nächste Titelverteidigung vorbereiten", sagte Walujew. Klingt nicht so, als wolle er viel Zeit mit der Analyse des vergangenen Abends verbringen.

Der 33-Jährige, der im 47. Profikampf ungeschlagen blieb, muss im kommenden WM-Duell bis zum 15. April gegen den Usbeken Ruslan Tschagajew aus dem Hamburger Universum-Boxstall antreten. Danach ist ein Titelvereinigungskampf mit IBF-Weltmeister Wladimir Klitschko aus der Ukraine geplant. In der derzeitigen Form dürfte Walujew gegen den zuletzt auftrumpfenden Klitschko nur wenig Chancen haben.

Einzig Boxpromoter Don King tat begeistert. "Er hat so hart zugeschlagen, dass McCline wahrscheinlich davon die Kniescheibe rausgesprungen ist", erklärte der 74-Jährige - ein blöder Spruch zu einer grotesken Show. Don King weiter: "Ich bin mir sicher, dass er alle vier Schwergewichtsgürtel vereinigen wird." Immerhin ein Fan, den Walujew an diesem Abend für sich gewinnen konnte. Die übrigen Zuschauer werden sich wohl gefragt haben, warum sie gekommen waren und was sie da eigentlich gerade vorgeführt bekommen hatten. Ein Boxkampf, der in die Geschichte eingeht und nicht unter Skurilitäten verbucht wird, sieht jedenfalls ganz anders aus.



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.