Box-WM Cottbuser Punchingball

Nach einer Minute und 52 Sekunden war vom Cottbuser Profiboxer Mario Veit bei seiner WM-Premiere nur noch ein Häuflein Elend übrig.


Mario Veit ging mehrmals zu Boden
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Mario Veit ging mehrmals zu Boden

Cardiff - Mario Veit versagte bei seinem Weltmeisterschafts-Debüt im Supermittelgewicht gegen den WBO-Champion Joe Calzaghe in dessen walisischer Heimatstadt Cardiff kläglich: Verängstigt und ohne Gegenwehr wurde der 27-Jährige aus dem Universum-Boxstall vom stürmisch angreifenden Champion wie ein Punchingball verdroschen. Dreimal in der ersten Runde, das erste Mal schon nach 30 Sekunden, schickte der Titelverteidiger seinen zehn Zentimeter längeren Rivalen zu Boden. Dann brach der Ringrichter Mark Nelson (USA) das ungleiche Duell ab.


Kampfvertrag nie gesehen


Die Niederlage gegen den 29 Jahre alten Calzaghe, der in seiner Gewichtsklasse als weltbester Faustkämpfer gepriesen wird und damit vor dem IBF-Weltmeister Sven Ottke aus Karlsruhe rangiert, war keine große Überraschung, nachdenklich stimmt jedoch die Art und Weise.

Jo Calzaghe (l.) verteidigte seinen Titel eindrucksvoll
DPA

Jo Calzaghe (l.) verteidigte seinen Titel eindrucksvoll

"Das Publikum hat mich beeindruckt", entschuldigte sich der Lausitzer, "Vorher war mir erzählt worden, dass Calzaghe in Wales nicht beliebt sei. Genau das Gegenteil war der Fall." 5000 Zuschauer, die den Deutschen nach Leibeskräften ausbuhten, hatten die Cardiff International Arena in einen Hexenkessel verwandelt. Diesem nervlichen Druck war Veit, der nach 30 siegreichen Kämpfen erstmals verlor, nicht gewachsen. "In der Vorbereitung lief einiges nicht zusammen. Das Management hat Mario relativ allein gelassen", grollte Ex-Profi Marco Rudolph, der seinem Freund Veit in der Ecke sekundierte. Veit soll den Kampfvertrag nie zu Gesicht bekommen haben. Rudolph: "Die Höhe der Gage kennt er immer noch nicht."


Seitenhieb gegen Torsten May


Trainer Torsten Schmitz rang nach Worten. "Der Kampf endete, bevor er richtig begann", presste der Coach lediglich hervor. Auch Peter Hanraths, Geschäftsführer der Hamburger Universum Box-Promotion, war fassungslos. Trotz der Bitternis fand er einen kleinen Trost: "Wir haben heute nur einen Fight verloren und keinen Fighter. Die Niederlage von Torsten May, der richtig verprügelt wurde, wiegt da sicherlich schwerer." May vom konkurrierenden Sauerland-Boxstall hatte am vergangenen Donnerstag seine Laufbahn beendet, nachdem ihm der Ukrainer Alexander Gurow fünf Tage zuvor eine technische K.o.-Niederlage zugefügt hatte.



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