Box-WM Klitschko bezwingt Ibragimow - Pfiffe vom Publikum

Historischer Erfolg für Wladimir Klitschko: Der 31-Jährige bezwang im Duell der Weltmeister den Russen Sultan Ibragimow. Damit ist erstmals seit neun Jahren eine Titelvereinigung im Schwergewicht perfekt. Die Fans in New York quittierten die Vorstellung mit Pfiffen.
Von Pavo Prskalo

New York - Das Publikum war enttäuscht, doch im Klitschko-Lager herrschte Erleichterung: "Am Ende zählt der Sieg und der war völlig verdient", sagte Emanuel Steward. Der Trainer von Wladimir Klitschko hätte wie auch die Fans im Madison Square Garden gerne einen K.o. gesehen, doch der blieb im Duell der beiden Schwergewichts-Champions aus. "Ibragimow war zu defensiv, um ihn noch auszuknocken", erklärte Steward. Das fanden auch die Zuschauer. Die waren aber auch von Klitschkos Auftritt enttäuscht. Zwar fiel das Urteil mit 119:110, 117:111 und 118:110 eindeutig zu Gunsten des Ukrainers aus, doch am Ende gab es mehr Pfiffe als Beifall für Klitschko.

Dieser mühte sich zwar bis zum Ende, doch das letzte Risiko wollte er in den zwölf Runden nicht gehen. Zu groß war die Angst vor einem harten Schlag Ibragimows. "Ich musste aufpassen. Er war ein sehr, sehr schneller Gegner und unangenehm zu boxen", erklärte Klitschko. Dann verließ er den Ring gemeinsam mit dem soeben eroberten WBO-Gürtel.

Die Pflichtaufgabe war erfüllt - und ein historischer Sieg eingefahren. Mit seinem 50. Sieg im 53. Kampf gelang Klitschko ein Künststück, das zuletzt Lennox Lewis im November 1999 gegen Evander Holyfield vollbracht hatte: Er stürzte einen Schwergewichts-Weltmeister eines anderen Verbandes. Klitschko ist nun Titelträger des IBF- und WBO-Verbandes. Zudem hat er den Gürtel des kleineren Verbandes IBO inne. Zu seinem großen Ziel, alle Titel der wichtigsten Verbände zu halten, fehlen ihm noch der WBA- und WBC-Gürtel. Für Ibragimow war es im 24. Profi-Kampf die ersten Niederlage.

Vor 16.000 Zuschauern tasteten sich beide Boxer in der ersten Runde ab. Treffer gab es nahezu keine. Klitschko-Trainer Steward war dennoch mit dem Auftritt seines Schützlings zufrieden. Immer wieder nickte der US-Amerikaner seinem Boxer zu. Ibragimows von vielen Experten erwarteter anfänglicher Sturmlauf blieb auch in der zweiten Runde aus. Stattdessen setzte Klitschko seine linke Führhand immer wieder geschickt ein und hielt den Gegner auf Distanz. WBO-Champ Ibragimow versuchte es erstmalig in der vierten Runde mit einem explosiven Angriff, aber Klitschkos Deckung hielt den Attacken problemlos Stand.

Dem Publikum gefiel die Vorstellung der beiden Boxer bereits zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht. In der Halle kamen die ersten Pfiffe auf. Doch mit dem ersten harten Treffer mit der rechten Hand beendete Klitschko schnell das Pfeifkonzert. Dies war allerdings nur ein kurzer Höhepunkt. In der Folge setzten beide Boxer ihren defensiven Stil fort.

Ibragimow, dem es einfach nicht gelingen wollte, die Lücke zu finden, musste sich die ersten Aufmunterungen aus der Ecke abholen. "Du kannst das hier noch schaffen", rief ihm sein Coach Jack Mayweather in der Pause zur sechsten Runde zu. Ibragimow schien begriffen zu haben - doch er wollte zuviel. Mit wilden Attacken ging er auf Klitschko los, doch erneut prallte er ab und spürte im Gegenzug die linke Führhand des Gegners im Gesicht.

Zur achten Runde verschärfte Klitschko das Tempo: Offenbar waren ihm die Pfiffe nicht entgangen. Mit schönen Kombinationen landete er drei schwere Treffer. Ibragimow konnte im Gegenzug seinen zwölf Zentimeter größeren Kontrahenten einmal hart treffen. Auch in der neunten Runde hielt Klitschko das Tempo hoch - und landete den ersten Wirkungstreffer: Eine krachende Rechte brachte Ibragimow ins Wanken. Der 32-Jährige saß schon auf dem unteren Ringseil, konnte sich aber nochmal fangen. Zum ersten und einzigen Mal in der Nacht kam Begeisterung unter den Fans auf. Doch die verflog schnell.

Klitschko verpasste es, in den folgenden Runden nachzusetzen. Er beschränkte sich darauf, die konzeptlosen und wilden Angriffe Ibragimows abzuwehren, was ihm auch bis zum Ende des Kampfes problemlos gelang.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.