Box-WM Klitschko imponiert den Amerikanern

Bei seinem dritten Boxkampf in den USA hat Schwergewichtler Wladimir Klitschko seinen Weltmeistertitel verteidigt, Rivale McCline kapitulierte am Ende der zehnten Runde. Box-Veteranen wie George Foreman zeigten sich von der Leistung des Ukrainers beeindruckt.


Schlaghagel: Klitschos Rechte setzt Jameel McCline zu, hier in der siebten Runde
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Schlaghagel: Klitschos Rechte setzt Jameel McCline zu, hier in der siebten Runde

Las Vegas - Das schönste Kompliment erhielt Wladimir Klitschko nach seinem technischen K.o.-Sieg in Runde zehn über den Amerikaner Jameel McCline auf dem Weg zur Pressekonferenz. Als ihm in den Katakomben des Mandalay Bay Casinos von Las Vegas sein schwer gezeichneter Gegner über den Weg lief, fielen sich beide Boxer spontan in die Arme und McCline raunte seinem Bezwinger ins Ohr: "Du hast fantastisch gekämpft. Mach weiter so."

Mit der Erfüllung seines Sieg-Versprechens und der Verteidigung des Schwergewichtstitels des Boxverbandes WBO dürfte der "kleine" Klitschko endgültig den Durchbruch im Box-Mekka USA geschafft haben. Sein Management will noch vor Weihnachten mit dem US-Fernsehsender HBO einen mehrjährigen Multimillionen-Vertrag unterzeichnen.

Champion der Zukunft


Noch im Ring durfte Klitschko die ersten Gratulationen entgegennehmen. Von Box-Legende George Foreman zum Beispiel, der bewundernd die Beweglichkeit und Schlagstärke Klitschkos lobte und ihm attestierte, "The Man" zu sein. "Ich habe nicht gewusst, dass er auch so schnell ist", sagte Foremann. Auch Mike Tyson - selbst ein potentieller Gegner - zeigte sich beeindruckt. "Eigentlich hatte ich mit einem K.o.-Sieg in der zweiten Runde gerechnet. Klitschko ist definitiv der Champion der Zukunft. Ich bin noch beeindruckter als vorher."

Für Wladimir Klitschko endete das Jahr mit dem sehnlichst erhofften Erfolgserlebnis, auch wenn daraus nicht der erhoffte sportliche Leckerbissen wurde. Dass "Dr. Steelhammer" bis auf seine Sieg bringende Schlagserie zum Ende der zehnten Runde kaum Glanzlichter setzen konnte, lag vornehmlich an seinem überraschend passiven Gegner McCline, der vom ersten Gong an konsequent den Rückwärtsgang einlegte. "Heute stieg nur einer mit der Absicht zum Boxen in den Ring. McCline war eine einzige Enttäuschung", sagte der legendäre US-Fernsehkommentator Larry Merchant.

"Es war einfacher als erwartet"


Mit 183 Treffern landete Klitschko genau dreimal soviele Treffer wie McCline, konsequenterweise gaben die drei Ringrichter neun der zehn gekämpften Runden einstimmig an den Wahl-Hamburger. "Es war einfacher als erwartet. Ich konnte konsequent meine Linie verfolgen und musste wenig Risiko eingehen", wunderte sich Hobby-Schachspieler Klitschko, der wie sein Promoter Klaus-Peter Kohl die Buhrufe ab Runde sieben verstehen konnte. Kohl bestätigte seinem Schützling zumindest eine taktische Meisterleistung: "Ein 1000-Meter-Läufer kann nicht wie ein Sprinter loslegen. Lieber langsam und erfolgreich, als in Schönheit sterben."

Welchen Stellenwert sich Klitschko in den USA bereits erarbeitet hat, wurde beim Einmarsch der Hauptdarsteller deutlich. Während sich für den Herausforderer kaum eine Hand rührte, wurde der Ukrainer nicht nur von einer Hundertschaft seiner Landsleute schnell mit "Klitschko, Klitschko"-Sprechchören gefeiert. Und die Fans des "schönsten Boxers seit Muhammad Ali" wurden nicht enttäuscht.

Klitschko malträtierte schon zum Ende der Auftaktrunde zweimal hart den Schädel seines Gegners, ab der fünften Runde dominierte er klar. Das vorzeitige Ende in Runde zehn kam deshalb nicht unerwartet, aber in seiner Form dennoch überraschend. Nachdem McCline nach zwei linken Haken und einem rechten Uppercut erstmals zu Boden ging, schien ihn zunächst der Schlussgong zu retten. Doch zur Überraschung des Publikums gab das Muskelpaket aus New Jersey den Kampf auf, eine Entscheidung, die Klitschko im Stile eines Gentleman kommentierte: "Für seine Gesundheit war es sicher das Beste. Er ist ein großer Kämpfer, der seinen Weg gehen wird."

"Uns stehen jetzt alle Türe offen"


Kohl fiel es nach dem Fight nicht schwer, einen überaus optimistischen Blick in die Zukunft zu wagen. "Uns stehen jetzt alle Türen offen, ich freue mich auf die Vertragsverhandlungen", strahlte der Hamburger Promoter, dessen Planungen des Showdowns zwischen Witali Klitschko und Lennox Lewis beinahe abgeschlossen sind.

Entgegen ersten Ankündigungen steht das Datum für den Kampf jedoch noch nicht fest, HBO und das ZDF müssen sich auf einen für beide Seiten genehmen Termin einigen. Auch über die Vertragssummen der anstehenden Kontrakte für seine beiden Zugpferde konnte oder wollte sich Kohl noch nicht äußern. Eines war nach der erfolgreichen Klitschko-Show vom Samstag jedoch auch für den Shooting Star der Promoter-Szene klar: "Es wird sicher der größte Vertrag, den ich je abgeschlossen habe."



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