Box-WM Klitschko widmet Sieg der ukrainischen Opposition

Im Spielerparadies Las Vegas hat sich Witali Klitschko nicht verzockt. Der Schwergewichtler verteidigte seinen WM-Titel nach Version des World Boxing Council gegen den Briten Danny Williams erfolgreich. Er habe auch für die in seiner Heimat nach Demokratie strebenden Menschen gewonnen, betonte der Ukrainer Klitschko.


Dominator Klitschko (r.): "Dieser Sieg ist nicht nur für mich"
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Dominator Klitschko (r.): "Dieser Sieg ist nicht nur für mich"

Las Vegas - Ringrichter Jay Nady brach den Kampf nach 1:26 Minuten der achten von zwölf angesetzten Runden ab und erklärte Klitschko zum Sieger durch technischen K.o. Für den Ukrainer, der seinen seinen WBC-Weltmeistertitel erstmals verteidigte, war es im 37. Profikampf der 35. Sieg. Williams wurde insgesamt viermal angezählt. Vor dem Abbruch war er bereits in der ersten, dritten und siebten Runde zu Boden gegangen.

"Jetzt bin ich der wahre Schwergewichts-Weltmeister. Das war der beste Kampf meines Lebens", freute sich Klitschko, der Williams direkt vor dem Abbruch mit seiner Rechten noch einmal schwer getroffen hatte. Den Erfolg widmete Klitschko den Landsleuten, die in seiner Heimat um die Demokratie ringen: "Dieser Sieg ist nicht nur für mich. All mein Dank gilt denen, die für die Demokratie und die Zukunft unserer Kinder in der Ukraine kämpfen. Ich will allen ein Siegesgefühl vermitteln."

Witali Klitschko und sein jüngerer Bruder Wladimir haben bereits mehrfach öffentlich ihre Sympathie für den Oppositionsführer Viktor Juschtschenko erklärt. Nach dem Sieg rieselten Konfettistreifen in Orange, der Farbe der Opposition, in die Arena. An Vitali Klitschkos Hose war eine orangenes Seidentuch geheftet, seine Betreuer trugen orangene Caps sowie gleichfarbige T-Shirts.

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Rückblick: Klitschkos erste Titelverteidigung

5000 Zuschauer im Mandalay Bay Casino von Las Vegas, dort, wo Wladimir Klitschko vor acht Monaten im WM-Duell um den WBO-Gürtel gegen den US-Amerikaner Lamon Brewster verloren hatte, sahen einen von Beginn an sehr einseitigen Kampf. Witali Klitschko, der erstmals eine so große Veranstaltung selbst promotete, war klar überlegen, Gegner Williams schlichtweg überfordert. Den WBC-Weltmeistergürtel hatte der 33-Jährige am 24. April in Los Angeles durch einen technischen K.o.-Erfolg in der achten Runde gegen Sanders gewonnen.

Weltmeister Klitschko: Hohe Einnahme
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Weltmeister Klitschko: Hohe Einnahme

Nach dem Kampf wurden Klitschko und Williams in eine Klinik gebracht. Der Weltmeister hatte schon nach der ersten Runde über Schmerzen geklagt, vor allem die geschwollene linke Hand machte ihm zu schaffen. Zunächst war befürchtet worden, dass Klitschko einen Bruch davon getragen haben könnte. Dies bestätigte sich beim Röntgen im nahe gelegenen Valley Hospital aber nicht, es war nur eine starke Prellung. Williams wurde wegen der vielen Kopftreffer, die er erlitten hatte, per Kernspintomographie untersucht. Der Befund war negativ, dennoch verbrachte er vorsorglich zur Beobachtung die Nacht im Krankenhaus. Zur Pressekonferenz erschien er deshalb nicht mehr.

"Danny ist sehr enttäuscht", berichtete Williams-Manager Frank Warren. Er hätte den Kampf am Ende der achten Runde abgebrochen, aber der Ringrichter sei ihm zuvorgekommen. "Witali hat klar dominiert", gestand Warren. Dessen Schützling hatte beim offiziellen Wiegen am Freitag 122,5 Kilogramm auf die Waage gebracht, Klitschko war gut neun Kilogramm leichter. Dass der Ukrainer, der früher für den Hamburger Boxstall Universum kämpfte, deutliche Vorteile in punkto Beweglichkeit hatte, überraschte nicht: Klitschko ist 2,02 Meter groß, Williams 16 Zentimeter kleiner.

Klitschko, der zum dritten Mal in den USA einen WM-Kampf bestritt, erhielt eine Börse von 3,5 Millionen Dollar. Zudem ist er an den Einnahmen aus dem Pay-TV beteiligt. Der zwei Jahre jüngere Williams, der sich am 30. Juli in Louisville mit einem Sieg gegen Ex-Weltmeister Mike Tyson das Herausforderungsrecht erkämpft hatte, kassierte 1,8 Millionen Dollar. Für Williams, den erstmals um einen WM-Titel boxenden Ranglisten-Siebten des WBC, war es die vierte Niederlage im 36. Kampf.

Unterlegener Williams: Zur Beobachtung in der Klinik geblieben
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Unterlegener Williams: Zur Beobachtung in der Klinik geblieben

"Ich war überrascht, wieviel Danny einstecken konnte. Er hat ein großes Herz und ein starkes Kinn", lobte Klitschko seinen Gegner. Er landete 296 Punches, Williams nur 44. "Reiß dich zusammen, kämpfe um dein Leben", hatte Trainer Fritz Sdunek vor der fünften Runde seinem Schützling Mut zugesprochen, als Klitschkos Hände schon arg schmerzten. Mit seinem Erfolg unterstrich "Dr. Eisenfaust" seine Stellung als derzeit weltbester Schwergewichtler. Der Profiboxer war von Juni 1999 bis März 2000 bereits Weltmeister der nicht so hoch eingeschätzten World Boxing Organization (WBO).

Am 21. Juni vorigen Jahres hatte Klitschko in Los Angeles zum ersten Mal um den WBC-Gürtel gekämpft. Gegen Titelverteidiger Lennox Lewis (Großbritannien) zog er sich jedoch so starke Gesichtsverletzungen zu, dass der Kampf nach der sechsten Runde abgebrochen werden musste. Klitschko hatte zu diesem Zeitpunkt bei allen drei Punktrichtern vorn gelegen. "Witali hat sehr intelligent geboxt. Er ist der beste von allen und definitiv mein Nachfolger", sagte Lewis nach der Klitschko-Gala.

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