Box-WM Risswunde stoppt Klitschkos Titelträume

Witalij Klitschko hat es nicht geschafft. Nach sechs spektakulären Runden wurde der WM-Kampf im Schwergewicht gegen Lennox Lewis wegen einer Risswunde am linken Auge des Ukrainers abgebrochen. Bis dahin lag der Herausforderer vorn.


Klaffender Cut: Seit der dritten Runde boxte Klitschko mit der stark blutenden Risswunde
AP

Klaffender Cut: Seit der dritten Runde boxte Klitschko mit der stark blutenden Risswunde

Los Angeles - Lennox Lewis atmete auf. Nachdem der Ringarzt in der Pause zur 7. Runde im Staples Center in Los Angeles dem Ringrichter den Abbruch empfahl war klar: Er würde Weltmeister durch technischen K.o. bleiben - obwohl der Brite bis zu dem Zeitpunkt nach Punkten klar hinten lag.

Als der Ringrichter die Entscheidung verkündete, kam es zu tumultartigen Szenen. Klitschko stürmte wütend durch den Ring, drohte Lewis mit den Fäusten. Es brauchte schon seinen Bruder Wladimir, um ihn zu bändigen. Trainer Fritz Sdunek schimpfte über die seiner Ansicht nach falsche Entscheidung, die den Weltmeister vor der Niederlage gerettet habe.

Der stand stoisch in seiner Ecke und ließ das Pfeifkonzert und die Buhrufe der Zuschauer über sich ergehen, die klar zu dem vor dem Kampf in den USA verspotteten "Weichei" Klitschko hielten.

Schon in der ersten Runde hatte der Ukrainer aus Hamburg gezeigt, dass er dem Weltmeister einen großen Fight liefern würde. Klitschko traf den Weltmeister mit einem rechten Cross so hart am Kinn, dass der ins Taumeln geriet und sich nur durch Klammern vor einem möglichen Niederschlag bewahrte.

Es folgte ein offener Schlagabtausch in hohem Tempo - fast als seien die beiden Kolosse Mittelgewichtlicher. Die Boxer vernachlässigten die Deckung, suchten die Entscheidung. Immer wieder kam Klitschko mit seiner Rechten durch, musste aber auch zwei krachende Aufwärtshaken Lewis' einstecken, die andere Boxer ins Reich der Träume befördert hätten. Schon zur Mitte des Kampfes waren beide Kämpfer schwer gezeichnet und ausgepumpt.

Die Vorentscheidung fiel in der dritten Runde, als Lewis Klitschko offenbar durch einen unabsichtlichen Kopfstoß eine tiefe klaffende Wunde über der linken Augenbraue beibrachte. Fortan blutete der Herausforderer, aber seine Ecke konnte die Verletzung in den Pausen immer wieder unter Kontrolle bekommen. Dennoch brach der Ringrichter nach der 6. Runde den Kampf ab. Auf den Zetteln der Punkrichter lag Klitschko zu dem Zeitpunkt in Führung.

Lewis verstieg sich nach dem Kampf zu der Behauptung, er habe alles unter Kontrolle gehabt und wollte erst im zweiten Teil des Kampfes so richtig loslegen, Klitschko sprach von einer tiefen Enttäuschung und einem ungerechten Urteil.

Dass es einen Rückkampf geben wird, ist eher unwahrscheinlich. Lewis, 37, will noch einmal groß abkassieren. Sein Lieblingsgegner ist der US-Amerikaner Roy Jones. Vielleicht müssen sich die Klitschko-Brüder den WM-Titel anschließend von ihm holen.



© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.