Boxen Bösel spielt "Katz und Maus" und holt sich zwei WM-Gürtel

Dominic Bösel ist nach seinem Sieg gegen den Schweden Sven Fornling der einzige deutsche Boxweltmeister. Mit seiner Strategie machte Bösel seinen Promoter "wahnsinnig".

Dominic Bösel mit seinen zwei WM-Gürteln
Peter Gercke/dpa-Zentralbild/dpa

Dominic Bösel mit seinen zwei WM-Gürteln


Kein deutscher Boxer hielt bis zum Samstagabend einen Weltmeistergürtel - dann kam Halbschwergewichtler Dominic Bösel. Der 30-Jährige gewann in der Nacht zum Sonntag gegen den schwedischen IBO-Champion Sven Fornling mit einem Knockout in Runde elf und holte sich den IBO-Titel sowie den WM-Gürtel des höher eingestuften Weltverbandes WBA.

Der WM-Titel der WBA war als Interims-Weltmeisterschaft deklariert. Es ist der Gürtel, den Henry Maske bei seinem letzten WM-Kampf im November 1996 beim Vereinigungskampf mit Virgil Hill verpasste. Maske war als TV-Experte nun live dabei.

"Bis zur sechsten Runde war ich ganz klar vorne, dann habe ich gemerkt, ich könnte ihn K.o. schlagen. Ich spürte, er kann mir nicht weh tun, daher wollte ich ihn auspowern", sagte Bösel zu seiner Taktik. Der Schwede musste nach dem Kampf in ein Krankenhaus zur Kontrolle gebracht werden. "Ich hoffe, ihm geht es gut und er hat kein Hirnbluten oder so", sagte Bösel.

Bösel spielt "Katz und Maus"

In seinem 31. Profikampf (eine Niederlage) begann Bösel vom SES-Boxstall vor 3500 Zuschauern in der Messe Arena von Halle konzentriert, "obwohl ich noch nie so aufgeregt vor einem Kampf war". Mit einer Rechten setzte er in Runde eins den ersten Wirkungstreffer. In Runde zwei hatte Bösel seinen Kontrahenten mit einem Niederschlag am Boden. Fornling rappelte sich auf und wurde stärker, er punktete vor allem im Nahkampf.

Bösel hatte Vorteile aus der Distanz, ließ sich aber immer wieder von Fornling in die Ecke drängen. In der Folge übernahm der Titelverteidiger die Initiative, Bösel konnte sich dank seiner Übersicht immer wieder befreien und ließ den Schweden sich auspowern. "Der Bösel macht mich wahnsinnig, der spielt Katz und Maus mit dem, das ist nichts für schwache Nerven", sagte SES-Promoter Ulf Steinforth: "Bösel ist der intelligenteste Boxer, den ich je hatte. Er hat den ganzen Kampf strategisch geplant, quasi ein Masterplan." Ab Runde zehn setzte Bösel seinen Gegner fest und platzierte Schläge, bis der Ringrichter den Kampf abbrach.

ptz/dpa

Mehr zum Thema


insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stelzerdd 17.11.2019
1. Gentleman
In den Fernseh-Nachrichten hab ich das Vorgeplänkel gesehen. Der Bösel war ziemlich entspannt und gab sich sportlich und freundlich. Sein schwedischer Gegner spielte dagegen den Bösen und aüßerte sich aggressiv. Wenn Boxen nicht eine (und die einzige) Sportart wäre bei der es darauf ankommt, den Gegner körperlich Schaden zuzufügen, könnte man es sportlich nehmen. So bleibt es trotz Sympathie für den Gentleman Bösel bei einem arg schalen Beigeschmack. Wie sagte er doch: Hoffentlich hat der gegner kein Hirnbluten oder so.
tomshield 17.11.2019
2. Die IBO ist zwar ein eher unbedeutender Verband,..
... nichts desto trotz ist der Hamburger Sebastian Formella ganz hochoffiziell amtierender Weltmeister im Weltergewicht eben dieses Verbandes, bei dem immerhin auch Profis wie Lennox Lewis oder auch Wladimir Klitschko in der Vergangenheit Titelträger waren..— Glückwunsch an Bösel, exzellenter Faustkämpfer...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.