Mayweather-Sieg Triumph der alten Boxherrlichkeit

Es war nicht die erhoffte Ringschlacht, doch das Duell zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao zeigte zwei Welten: die des traditionellen US-amerikanischen Boxstils und die der jungen Kämpfer aus Asien.
Von Martin Krauß
Mayweather-Sieg: Triumph der alten Boxherrlichkeit

Mayweather-Sieg: Triumph der alten Boxherrlichkeit

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Ein bisschen Überraschung gab es ganz am Schluss, als das offizielle und einstimmige Kampfergebnis verkündet wurde: Der Sieger nach Punkten heiße "Manni", so klang es aus dem Mund des Ringsprechers. Aber als der Nachname folgte, war klar, dass er den Kampfnamen des Siegers zuerst gesprochen hatte: Floyd "Money" Mayweather Jr. aus den USA ist weiterhin unbesiegter Weltergewichts-Weltmeister, nicht sein Gegner Manny Pacquiao von den Philippinen.

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Seit der Nacht von Samstag auf Sonntag trägt der 38-jährige Mayweather die Gürtel aller wichtigen Profiboxverbände, er besiegte Pacquiao nach zwölf Runden einstimmig. Und, das dürfte ihm wichtiger sein: Er ist der Profiboxer mit der höchsten je gezahlten Gage. Zu Mayweathers fest vereinbarter Börse von 120 Millionen Euro kommt die Siegprämie - insgesamt 400 Millionen US-Dollar werden ihm für das ausgezahlt, was er im ausverkauften MGM von Las Vegas geleistet hatte.

Mit einer für ein solches Megaevent bemerkenswerten Verspätung wegen "elektronischer Überlastung", so ein Sprecher, begann der Kampf um eine halbe Stunde versetzt.

Spät kam auch Mayweather in den Kampf: Die ersten vier Runden konnte man getrost für seinen Gegner aus den Philippinen werten, der aggressiver boxte, fast ständig im Vorwärtsgang war und Mayweather sogar in der Ecke stellen konnte. Allein die Schläge kamen selten durch, Mayweather präsentierte sich als Boxer mit guter Defensivarbeit und noch besseren Nehmerqualitäten.

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Das änderte sich ab Runde fünf. Mayweather zeigte, was das US-Boxen ausmacht: die richtigen Treffer setzen. Cool pendelte er den angreifenden Pacquiao aus, ließ dessen Schläge auf seiner Doppeldeckung abprallen und schüttelte arrogant den Kopf, wenn der fleißig Haken schlagende Philippine doch mal mit der Faust zum Kopf des Amerikaners durchgekommen war.

Mit seiner Geraden wirbelte er Pacquiao anschließend kräftig durch. Mayweather zelebrierte das Boxen, bei dem es mehr auf Schlagwirkung ankommt denn auf die Anzahl der Schläge oder die Aktivität des Kämpfers. Zwei der Punktrichter werteten 116:112 für Mayweather, einer etwas übertrieben 118:110.

Es war der Ausdruck eines unterschiedlichen Boxverständnisses - was zumindest ansatzweise ein Beleg für die Behauptung der Fernsehanstalten war, man habe es mit dem "Kampf des Jahrhunderts" zu tun. Man sah in dieser Nacht nämlich immerhin die Auseinandersetzung zwischen der alten US-amerikanischen Boxherrlichkeit und den neuen, aufstrebenden und ambitionierten Kämpfern aus Asien.

Allein dass der "Kampf des Jahrhunderts" für das Weltergewicht ausgerufen worden war und nicht für das langsamere, wuchtigere, mehr auf den Punch orientierte Schwergewicht, deutet an, dass sich die Kräfteverhältnisse verschoben haben.

Hinzu kommt das Image der Boxer: In der einen Ecke der Aufsteiger Floyd Mayweather, zuletzt 2012 im Gefängnis, weil er seine Ex-Freundin geschlagen hatte, mit lauter neureichen Insignien in den Ring tretend. In der anderen Ecke Manny Pacquiao, smarter Evangelikaler, der sich für eine liberale Partei zum Regierungschef einer Provinz wählen ließ; gut ausgebildet an den besten Universitäten, sogar mit Ehrendoktor, Reserveoffizier, liebender Familienvater von fünf Kindern und einer, der noch beim Walk-in ein Selfie machte.

Ali gegen Frazier lieferten sich eine Ringschlacht

Diese Umstände hatten wohl dafür gesorgt, dass sich die Pay-TV-Giganten HBO und Showtime auf das großkotzige Etikett einigten. Für das 20. Jahrhundert ist dieser Titel nämlich vergeben - der Kampf zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier 1971 wurde bereits so vermarktet. Und im Gegensatz zum Fight zwischen Mayweather und Pacquiao gibt es sowohl boxerisch als auch sozial einige bessere Gründe, dem Kampf, den Frazier gewann, das Jahrhundertattribut zu gewähren.

Ali und Frazier lieferten sich damals etwas, was man bei Pacquiao und mehr noch bei Mayweather vermisste: eine Ringschlacht, die in einer bestimmten Phase des Kampfes jeden als möglichen Sieger, jeden als mögliches K.o.-Opfer erscheinen ließ.

Am Ende des Kampfes in Las Vegas insistierte Manny Pacquiao darauf, dass er eigentlich gewonnen habe, schließlich sei er aktiver gewesen und habe häufiger geschlagen. Für diese Bemerkung wurde er im MGM, in dem Schwarzmarktpreise von über 60.000 Dollar für ein Ticket bezahlt wurden, ausgebuht. Hinterher behauptete der 36-Jährige, er sei von einer drei Wochen alten Schulterverletzung behindert worden: "Wegen meiner Schulter konnten wir nicht so kämpfen, wie wir das ursprünglich wollten", sagte er. Er habe ab der dritten Runde Schmerzen gehabt.

Es mag auch deshalb kein nervenzerfetzender Fight of the Century gewesen sein, aber der 38-jährige Floyd Mayweather hat mit seiner nur schwer auszuhaltenden Neureichenattitüde immerhin gezeigt, worauf es in diesem Jahrhundert ankommt: die "Big Points" zu machen.

Vielleicht hat ihn der Sieg sogar ein wenig bescheidener gemacht. Mayweather kündigte bereits an, seine Weltmeistertitel in naher Zukunft niederlegen zu wollen. "Es ist Zeit, dass andere Kämpfer um die Gürtel kämpfen. Ich bin nicht habgierig", sagte er.

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