Boxen Klitschkos Sieg über sich selbst

Dreimal am Boden und doch gewonnen. Wladimir Klitschko hat in einem hochdramatischen Ausscheidungskampf um die WM im Box-Schwergewicht Samuel Peter nach Punkten bezwungen. In Atlantic City bewies Klitschko gegen die Nachwuchshoffnung der US-Boxszene: Er kann noch siegen.


Klitschko jubelt: Er kann noch siegen
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Klitschko jubelt: Er kann noch siegen

Hamburg - Den eigentlichen Sieg feierte der jüngere der beiden Klitschko-Brüder über sich selbst. Glaskinn, kein Herz, Weichei hatte man ihm nach seinen verlorenen Kämpfen gegen Corrie Sanders und Lamon Brewster vorgeworfen. Gegen Peter musste er gewinnen, sonst wäre seine Karriere beendet gewesen. Heute Nacht bewies er, dass er sich auch in kritischen Situationen behaupten kann. Dreimal ging Klitschko zu Boden, jedes Mal berappelte er sich wieder und boxte weiter, als sei nichts geschehen.

Über weite Strecken hatte der 29-Jährige den Kampf dominiert, geschickt den einen halben Kopf kleineren gebürtigen Nigerianer, der jetzt in den USA lebt, mit linken Geraden auf Distanz gehalten. Das war die richtige Strategie, denn dem 25-Jährigen eilte ein Ruf wie Donnerhall voraus: noch nie besiegt, hammerharter Schläger, ein neuer Mike Tyson.

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Klitschkos Sieg: Gesichtsverformung

In der dritten Runde erschütterte der komplett in hellblau bekleidete Peter den Ukrainer das erste Mal, als der nicht aufpasste; in der fünften musste Klitschko nach einer schweren Linken und einem umstrittenen Hinterkopftreffer zu Boden, kurz vor Schluss der Runde dann noch einmal. Da befürchteten die Fans und Boxexperten, dass Klitschko wie im Sanders- und im Brewster-Kampf seine Linie verliert und untergeht. Diesmal nicht.

Kritische Phase: In der fünften Runde geht Klitschko zu Boden
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Kritische Phase: In der fünften Runde geht Klitschko zu Boden

Geschickt rettete sich der frühere Schwergewichtsweltmeister in die Rundenpause, auch die sechste und siebte Runde überstand er, obwohl angeschlagen, mit Tänzeln, Klammern und beiden Fäusten vor dem Kopf. Als er sich erholt hatte, fand Klitschko wieder zu seinem Stil, mit linken Jabs Peter auf Abstand zu halten. Der steckte viele, zum Teil schwere Schläge ein, ohne auch nur zu zucken.

Gerade als Klitschko den Kampf wieder komplett unter Kontrolle hatte, kassierte er in der zehnten Runde erneut einen Volltreffer vom zwölf Zentimeter kleineren Peter und musste angezählt werden. Den tausenden ukrainischen Fans in der Hall stockte der Atem, doch erneut kam Klitschko zurück. Immer wieder attackierte er den brandgefährlichen Peter mit seiner Führhand, ohne den aber ernsthaft zu gefährden - bis zur letzten Runde. Da setzte Klitschko einen linken Haken an die Kinnspitze, die Peter mächtig wackeln ließ. Zum Nachsetzen war der Ukrainer sichtlich zu müde. Es reichte trotzdem, wenn auch knapp. Einstimmig mit 114 zu 111 wurde Klitschko zum Punktsieger erklärt.

Krachende Rechte von Klitschko: Erst kurz vor Schluss wackelte Peter
REUTERS

Krachende Rechte von Klitschko: Erst kurz vor Schluss wackelte Peter

Er darf nun den Weltmeister der World Boxing Organization (WBO) oder der International Boxing Federation (IBF) herausfordern. Der jüngere der Klitschko-Brüder hat nunmehr 45 Siege bei drei Niederlagen auf dem Konto. Für den 25-jährigen Peter war es die erste Niederlage im 25. Kampf. Sie dürfte ihm im Fortgang seiner Karriere aber kaum schaden.

Rüdiger Ditz



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