Klitschko gegen Pulew Auge in Auge mit der Kobra

Herausforderer gab es viele, nur keine Herausforderungen mehr: Jetzt kämpft Wladimir Klitschko gegen den Bulgaren Kubrat Pulew - der könnte ihm gefährlich werden.

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Man glaubt es kaum, aber in den vergangenen Jahren hat sich im Schwergewichtsboxen viel getan. Junge, talentierte Kämpfer haben sich nach oben geboxt. Nur nicht nach ganz oben. Ganz oben thront Wladimir Klitschko.

Der Ukrainer ist Weltmeister der Verbände IBF, WBO, WBA und IBO, er bekommt für seine Kämpfe mehr als fünf Millionen Dollar, lebt mit seiner Verlobten, dem Hollywood-Sternchen Hayden Panetierre, in Hamburg und Los Angeles. Klitschko ist der einzige Star, den die Szene derzeit hat.

Dabei gibt es hinter Klitschko durchaus talentierte Boxer in seiner Gewichtsklasse. Einer davon ist Kubrat Pulew, 33 Jahre alt, Kampfname "Kobra", aus Bulgarien - Klitschkos Gegner am Abend in Hamburg (23 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE; TV: RTL).

20 Siege feierte Klitschko zuletzt in Serie, in Gefahr geriet der 38-Jährige seit Jahren nicht mehr. Spektakel, Wettkampf oder gar Spannung suchte man bei den Kämpfen von Wladimir Klitschko oft vergebens. Einige Herausforderer waren völlig chancenlos (Alex Leapai, Jean-Marc Mormeck), andere waren einfach körperlich (Alexander Powetkin) oder taktisch (Mariusz Wach) unterlegen. Das könnte gegen Pulew anders werden.

"Ich brauche keine Millionen"

Klitschko, 1,98 Meter groß und 111,5 Kilogramm schwer, ist der beste Athlet im Schwergewicht. Zudem hat er seinen Kampfstil schon länger perfektioniert und weiß genau, welche Taktik gegen welchen Gegner funktioniert. Dies ist die Lehre, die er aus seiner schwersten Zeit gezogen hat, aus den beiden Niederlagen 2003 und 2004 gegen Corrie Sanders und Lamon Brewster. Gegen Sanders ging er in der zweiten Runde technisch K.o., gegen Brewster in der fünften.

Boxer vergessen so etwas nicht, solche Niederlagen prägen für die gesamte Karriere. Das Streben nach Schönheit hat Klitschko aufgegeben, es gilt einzig, die letzten noch verbliebenen Fehler abzustellen.

Und gegen kaum einen Gegner zuvor könnten sich Fehler so sehr rächen wie gegen Pulew. Der ist nur etwas kleiner (1,94 Meter) und etwas schwerer (112 Kilogramm) als Klitschko. Es ist selten im Schwergewicht, dass zwei so ähnliche Athleten aufeinander treffen. Der größte Vorteil für Klitschko lautet: Erfahrung. Er hat über 40 Kämpfe mehr bestritten als Pulew, 200 Runden mehr im Ring verbracht und 41-mal öfter den Gegner ausgeknockt.

Während Klitschko schon das große Geld verdiente, kämpfte Pulew lange als Amateur, erst 2009 wurde er Profi. "Ich brauche keine Millionen", sagt Pulew: "Wofür? Was soll ich damit? Das macht mich doch nicht glücklich." Dass er nun Klitschko den IBF-Gürtel abnehmen kann (und für den Kampf dann doch 1,4 Millionen Dollar einstreicht), hat sich Pulew hart erarbeitet.

Stärken in der Koordination, Schwächen in der Deckung

Er trainiert verbissen, entweder in seiner Heimat oder in Berlin. Durch seine Siege gegen Alexander Dimitrenko, Alexander Ustinov (beide 2012) und Tony Thompson (2013) verdiente er sich den Rang des ersten Herausforderers. Eine beeindruckendere Bilanz kann derzeit kein anderer Schwergewichtler vorweisen - außer natürlich Klitschko.

Pulew verfügt über eine sehr gute Koordination, er weiß immer, wo sich sein Gegner gerade befindet. Er erkennt Lücken in der Deckung und hat die nötige Schnelligkeit, um sie zu nutzen - und die Kraft, um einen Kampf vorzeitig zu beenden. Klitschkos Lieblingstaktik aus seinen letzten Kämpfen, sich im Clinch auf den Gegner zu lehnen und ihn so erstens zu kontrollieren und zweitens zu ermüden, wird gegen den großen Pulew nicht in dem Maße aufgehen.

Pulews Schwächen sind die Deckung und die Defensive. Wenn er gegen Klitschko die Arme sinken lässt und zurückweicht, muss er mit einer rechten Geraden rechnen. Und die kann gleichbedeutend sein mit einem Knockout. Pulew sagt: "Für mich ist ein Sieg sehr realistisch. Ich habe alle Komponenten dafür, ich muss es nur machen. Ich weiß, dass ich der bessere Boxer bin."

Nun hat er die Chance, das auch zu zeigen. Gelingt die Sensation und er entthront Klitschko, gäbe es einen neuen Star. Allerdings einen, der gar keiner sein will: "Weltmeister zu werden, ist mein Ziel. Aber bekannt zu sein, das ist es nicht."

insgesamt 8 Beiträge
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Augustusrex 15.11.2014
1. Klar, junger talentierter Kämpfer
Der Knabe ist 33, da ist nichts mehr mit "jung". Wenn er in diesem Alter noch nichts ist, dann wird auch nicht mehr viel werden. Das alte Dilemma, es gibt keine starken Gegner für Klitschko, er hat im Laufe der Jahre alle besiegt. Da muss jetzt eben wieder "junger" Nachwuchs ran um Prügel zu beziehen. Und der wird stark geschrieben damit genügend Leute den Fernseher anschalten.
Flockhart 15.11.2014
2. Pulev wird nicht viel reissen
Ich habe mir einige Kämpfe von Pulev angeschaut und bin der starken Ansicht, dass der doch auch irgendwie trotz seiner horrenden Ausmaße für Klitschko wie maßgeschneidert ist. Er hat sich auch bei einem Gegner, der gegen Klitschko chancenlos war schon eher schwer getan. Auch wirkt er für mich etwas schwerfällig und ihm fehlt diese Präzision bei den Schlägen, die Klitschko nahezu perfektioniert hat. Gewinnen kann Pulev niemals gegen Waldimir Klitschko ! Außer Klitschko wäre betrunken !
TS_Alien 15.11.2014
3.
Boxen hat ein großes Problem: Die WM-Herausforderer sind meistens viel zu schwach (vor dem Kampf werden sie fast alle hochgejubelt). Merkwürdig ist, dass solche ungleichen Kämpfe so viel Publikum anlocken. Fachpublikum dürfte das eher nicht mehr sein. Die sehen ja nichts Interessantes.
kiltbear 15.11.2014
4. Quatsch
Ein Klitschko boxtg doch nicht plötzlich gegen jemanden, den er nicht nach Belieben verprügeln kann. Wäre ja noch schöner. Alle paar Monate eine lecker Prügelshow gegen ein chancenloses Opfer spült sicher ordentlich Geld in die Kasse.
KiM242 15.11.2014
5. Mathematik
Klitschko hat nur rund 4.8 mal öfter durch Knock-Out gewonnen. Bei 11 Siegen von Pulew durch Knock-Out wären das 451 für Klitschko - so viele Kämpfe hat er dann doch noch nicht....
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