Boxen Pfiffe für Kentikian, Titel für Kessler

Das innerdeutsche Weltmeisterinnen-Duell zwischen Titelverteidigerin Susianna Kentikian und Herausforderin Nadia Raoui endete mit einem Eklat. Das Publikum pfiff Kentikian aus, weil sie angeblich bevorteilt worden war. Unstrittig war der WM-Sieg Mikkel Kesslers.

Siegerin Kentikian (l.) und Raoui: Großer Unmut über Entscheidung der Punktrichter
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Siegerin Kentikian (l.) und Raoui: Großer Unmut über Entscheidung der Punktrichter


Hamburg - Noch eine Stunde nach ihrem Kampf zankten Kentikian und Raoui, wer denn nun gewonnen habe. "Ich hatte mehr Treffer und habe sie beherrscht", sagte Raoui, Weltmeisterin der Verbände WIBA und WPBO. "Ich habe vorher geahnt, dass ich doppelt gewinnen muss, aber selbst das hat nicht gereicht."

"Nadia war gut, aber sie war nicht besser. Deshalb hat es nicht gereicht", konterte Kentikian, die 2:1 nach Punkten gewonnen hatte. Zwei der drei Punktrichter hatten Kentikian am späten Samstagabend in der mit 5000 Zuschauern ausverkauften Sporthalle Hamburg vorn gesehen (jeweils 96:94), der dritte sah Raoui als Siegerin (96:95).

Die Zuschauer hielten die Wertung für einen Skandal und pfiffen erst die Punktrichter und anschließend Kentikian aus, nachdem die 22-jährige Lokalmatadorin ins Mikrofon gerufen hatte: "Dass Nadia den Kampf gewonnen hat, ist nicht so."

Ein Remis in diesem Fliegengewichtsduell wäre in der Tat gerecht gewesen. Doch auch in diesem Fall hätte die Dreifach-Weltmeisterin Kentikian (WBO, WBA und WIBF) ihre Gürtel behalten dürfen. Vielleicht kommt es sogar zu einer Wiederholung des Kampfs. "Wir denken über ein Rematch nach", sagte Klaus-Peter Kohl vom Hamburger Universum-Stall.

Kämpfen Raoui und Kentikian bald für einen Boxstall?

Dabei zieht Kentikians Promoter auch eine vertragliche Vereinbarung mit Raoui über weitere Kämpfe in Betracht: "Sie hat sich empfohlen." Die 24-Jährige, die nach Verkündung des Urteils in Tränen ausgebrochen war, verlor erstmals in ihrer Profikarriere (elf Siege, ein Remis und eine Niederlage). Kentikian (27 Siege in 27 Kämpfen) konnte zum zwölften Mal ihren WM-Gürtel erfolgreich verteidigen. "Ich strebe jetzt eine Titelvereinigung an, möchte auch noch den WBC-Gürtel gewinnen", sagte sie.

Zuvor hatte auch Jürgen Brähmer seinen WM-Kampf gewonnen. Der Weltmeister des Verbandes WBO im Halbschwergewicht bezwang Herausforderer Mariano Nicolas Plotinski aus Argentinien durch technischen K.o. In der fünften Runde brach Ringrichter Paul Thomas (Großbritannien) den Kampf nach einer Schlagserie wegen zu großer Überlegenheit ab.

Der 31-jährige Brähmer, gegen den derzeit ein Strafverfahren wegen gefährlicher Körperverletzung anhängig ist, verbesserte durch seine zweite erfolgreiche Titelverteidigung seine Kampfbilanz auf 37 Siege bei zwei Niederlagen. Dabei siegte er zum 29. Mal vorzeitig. Der 35-jährige Plotinski verließ in seinem 20. Kampf zum vierten Mal als Verlierer den Ring.

Kessler schlägt Froch und holt sich WM-Titel

Der Däne Mikkel Kessler hat in seinem zweiten Kampf des Super-Six-Turniers den ersten Sieg errungen und zusätzlich den WBC-Weltmeistertitel erobert. Der 31-Jährige bezwang im Messecenter von Herning (Dänemark) den Briten Carl Froch einstimmig nach Punkten (115:113, 116:112, 117:111).

Kessler verfügt damit im Turnier der sechs weltbesten Supermittelgewichtler über zwei Punkte und nimmt hinter dem führenden Arthur Abraham (drei Punkte) gemeinsam mit Froch sowie den Amerikanern Andre Ward und Andre Dirrell (jeweils zwei Punkte) Platz zwei ein. Bislang ohne Kampf ist Allan Green (USA).

Vor 10.000 Zuschauern punktete der für den Berliner Sauerland-Stall kämpfende Kessler immer wieder mit seinem Jab (Gerade mit der Führhand). "Das war ein großartiger Kampf mit dem richtigen Sieger", sagte Kessler. Froch kassierte seine erste Niederlage im 27. Profikampf. Kessler hat von 45 Profikämpfen nunmehr 43 gewonnen. Das erste Duell im Turnier gegen den Amerikaner Ward hatte er nach Punkten verloren.

Abraham, der bislang einen K.-o.-Sieg gegen den nicht mehr im Turnier aktiven Amerikaner Jermain Taylor gefeiert hatte und eine Disqualifikations-Niederlage wegen Nachschlagens gegen Dirrell hinnehmen musste, steigt in der dritten Turnierrunde gegen Froch in den Ring. Nach drei Kämpfen ziehen die vier punktbesten Boxer ins Halbfinale des mit 50 Millionen Dollar dotierten Turniers ein.

ach/sid/dpa



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