Streit um olympische Zukunft Umstrittener Box-Präsident Rachimow kündigt Rücktritt an

Der Boxsport könnte bei den Olympischen Spielen in Tokio doch vertreten sein. Zumindest der vom IOC kritisch beäugte Aiba-Präsident Gafur Rachimow will sein Amt niederlegen - kurz vor einer wichtigen Tagung.

Aiba-Präsident Gafur Rachimow
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Aiba-Präsident Gafur Rachimow


Der umstrittene Präsident Gafur Rachimow hat im Streit über die olympische Zukunft des Boxens seinen Rücktritt angekündigt. Etwas mehr als 16 Monate vor der Eröffnungsfeier der Sommerspiele in Tokio darf der krisengeplagte Amateurbox-Weltverband Aiba damit auf bessere Beziehungen zum Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und womöglich sogar auf ein Ende der Sanktionen hoffen.

Zuletzt hatte das IOC im Streit mit der Aiba Konsequenzen gezogen und die Vorbereitungen auf das olympische Boxturnier in Tokio 2020 gestoppt. Gründe dafür seien Defizite auf den Gebieten Good Governance, Finanzen und Ethik. Allerdings stand auch Rachimow selbst im Mittelpunkt von Kritik und Vorwürfen.

Der usbekische Geschäftsmann wird von US-Behörden als einer der führenden Kriminellen des Landes eingestuft. Rachimow betont, dass ihm nie eine Straftat nachgewiesen worden sei. Seine Wahl im vergangenen November hatte das IOC kritisch beäugt und Bedenken geäußert.

"Ich habe immer gesagt, dass ich mich niemals über das Boxen stellen werde. Als Präsident ist es meine Pflicht, alles in meiner Macht Stehende zu tun, um unserem Sport und unseren Athleten zu dienen", wurde Rachimow in einer Stellungnahme zitiert. Er sagte zudem, dass er für das Wochenende eine Telefonkonferenz des Aiba-Exekutivkomitees einberufen habe, bei dem weitere Maßnahmen eingeleitet werden sollen. Dabei soll auch ein Interimspräsident gefunden werden.

Boxen bei den Jugendspielen in Buenos Aires
REUTERS

Boxen bei den Jugendspielen in Buenos Aires

Nächste Woche berät das IOC über den Olympia-Status des Boxens

Die Rücktrittsankündigung kommt für den Boxverband zu einem günstigen Zeitpunkt: Der Status des Boxens steht auch auf der Agenda beim Treffen des IOC-Exekutivkomitees in der kommenden Woche in Lausanne.

Das IOC reagierte zurückhaltend auf die Ankündigung. Das zuständige Ad-hoc-Ermittlungskomitee werde die möglichen Auswirkungen sorgfältig prüfen. "Wie wir von Anfang an betont haben, befasst sich die Untersuchung mit vielen anderen Aspekten wie Finanzen, Führung, Ethik, Anti-Doping und Schiedsrichterwesen", teilte ein IOC-Sprecher auf Anfrage mit.

Die Aiba hatte in der Vergangenheit mit einigen Problemen zu kämpfen. Erst im Oktober war der langjährige Aiba-Präsident Wu Ching-Kuo lebenslang gesperrt worden. Der Taiwanese soll Verbindlichkeiten in Millionenhöhe angehäuft haben.

Zudem hatten einige Ringrichter-Entscheidungen bei den Olympischen Spielen in Rio für Aufsehen gesorgt. Im Nachgang suspendierte die Aiba alle 36 Offiziellen, die in Rio eingesetzt worden waren, für die Zeit der Untersuchungen.

jan/sid



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