Box-Weltmeisterschaft im Schwergewicht Platon, Pythagoras, Klitschko

Vor seinem WM-Kampf gegen Anthony Joshua philosophiert Wladimir Klitschko über den Boxsport und sieht sich in der Tradition großer griechischer Denker. Sein Gegner will in erster Linie "Spaß haben".

Anthony Joshua (links) und Wladimir Klitschko
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Anthony Joshua (links) und Wladimir Klitschko


90.000 Zuschauer werden live dabei sein, wenn Anthony Joshua am 29. April im Londoner Wembley-Stadion seinen IBF-WM-Titel gegen Wladimir Klitschko aufs Spiel setzt. Zum ersten Mal seit elf Jahren steigt der jüngere der beiden Klitschko-Brüder nicht als Weltmeister, sondern als Herausforderer in den Ring.

Ein klarer Favorit lässt sich vor dem Kampf nicht ausmachen. Beide sind gleich groß. Beide wurden zu ihren Amateurzeiten Olympiasieger (Klitschko 1996 in Atlanta, Joshua 2012 in London). Beide sind technisch exzellent ausgebildet, verfügen aber auch über enorme Schlagkraft. "Die Chancen stehen 50:50", glaubt Klitschko deshalb.

Es gibt aber auch deutliche Unterschiede zwischen beiden Kontrahenten. Joshua ist 13 Jahre jünger als der Ukrainer und hat entsprechend weniger Erfahrung. Der Brite hat seit seinem Profidebüt im Oktober 2013 "nur" 18 Profikämpfe bestritten, für Klitschko, der Ende letzten Jahres sein 20-jähriges Jubiläum als Profi feierte, ist es bereits der 69. Kampf. Seit seiner Niederlage im November 2015 gegen Tyson Fury stand der 40-Jährige aber nicht mehr im Ring.

Klitschko freut sich, dass ihm mit Joshua ein respektvoller und intelligenter Kontrahent gegenübersteht. Der 27-Jährige ist ein ganz anderer Typ als sein Landsmann Fury, der vor allem durch Provokationen auffiel und dem die im Kampf gegen Klitschko gewonnenen WM-Titel wegen Kokainkonsums wieder entzogen worden waren.

"Es ist schade zu sehen, dass der Boxsport teilweise auf ein Niveau der Primitivität runtergerutscht ist", sagte Klitschko im Rahmen einer Pressekonferenz in Köln, ohne den Namen Fury zu erwähnen. "Pythagoras, Platon, Jack London und Nelson Mandela waren mit dem Boxen verbunden. Sie haben bewiesen, dass Boxen auch Intelligenz ist und nicht nur Pöbelei."

Joshua wollte sich an derart philosophischen Diskussionen nicht beteiligen, machte aber klar, dass er sich auf das Duell mit Klitschko freut. In Bezug auf die zu erwartende Stimmung im bereits seit Wochen ausverkauften Wembley-Stadion sagte er: "Normalerweise versuche ich, das auszublenden. Diesmal will ich das aufsaugen und Spaß haben."

mmm/dpa/sid



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