Klitschko-Sieg gegen Leapai Gnadenlos perfekt

Die Schwägerin sang, der Bruder machte Politik und, ach ja, Wladimir Klitschko boxte. Wenn auch nur knapp fünf Runden lang, dann war sein chancenloser Gegner Alex Leapai besiegt. Beim Familienabend in Oberhausen offenbarte sich die Dominanz des Weltmeisters.

AFP

Aus Oberhausen berichtet


Knapp fünf Runden hatte das Löwenherz durchgehalten, dann lag es dort auf den Ringbrettern der Arena in Oberhausen, vorgeführt, ausgeknockt, besiegt. Alex Leapai, Kampfname Lionheart, war als Herausforderer von Wladimir Klitschko angetreten und doch etwa so weit davon entfernt, den Ukrainer herauszufordern, wie seine australisch-samoanische Heimat von dem Multifunktionsgelände neben dem Rhein-Herne-Kanal.

Etwas verloren stand sein Team, zum Teil in folkloristischer Tracht inklusive Korallenkette und Schneckenhaus-Blasinstrument in der Hand, um den Ring herum. Es musste mitansehen, was mehr und mehr Zuschauer schon nach wenigen Minuten mit lauten Zwischenrufen als "einen Witz" oder "ein Massaker" bezeichneten.

Gleich in der ersten Runde brachte Klitschko den 34 Jahre alten Leapai zu Boden, der 15 Zentimeter größere Weltmeister landete einen Jab nach dem anderen am Kopf des Gegners. "Sehr schnell und präzise" nannte Leapai später diese Schläge seines Gegenübers mit der Führhand. Vor dem Kampf hatte er noch davon gesprochen, Klitschko an dessen "Glaskinn" erwischen und ausknocken zu wollen. Doch auf dem Weg zur vermeintlichen Schwachstelle lauerte die Stärke des Champions. Jeden zarten Angriffsversuch des 112,5 Kilogramm schweren Leapai konterte Klitschko souverän. Mit einer wirkungsvollen Kombination beendete er das ungleiche Duell per K.o. Es war der 62. Sieg im 65. Kampf, seit zehn Jahren ist der 38-Jährige nun unbesiegt.

Erst die Scorpions, dann auch noch Charr

Mit dem letzten Schlag des Kampfes endete nur ein kleiner Teil des Abendprogramms, das - wie bei Klitschko-Kämpfen üblich - überladen ist wie keine Box-Veranstaltung zuvor. Ehe der Fight begann, waren bereits die Scorpions aufgetreten sowie Natalia Klitschko mit Streichquartett, die für ihren Schwager die ukrainische Hymne sang. Ihr Mann, Vitali, war ebenfalls dabei, er brachte seine Botschaft für eine friedliche Lösung in der Ukraine unter die Leute - per opulentem Video auf der Großbildleinwand. Die Klitschkos spulten ihre große Familienshow ab.

So durchchoreografiert sind diese Abende inzwischen, dass man fast dankbar sein kann für jede Panne im Ablaufplan. Da war zum einen der Ton, der bei Natalia Klitschko zweimal versagte. Und dann stürmte der deutsche Schwergewichtler Manuel Charr mit einer gut 20-köpfigen Entourage unmittelbar nach Kampfende zum Ring, um Wladimir Klitschko herauszufordern. 2012 hatte Charr seine einzige Niederlage erlitten, gegen Vitali Klitschko. Nun wählte er, wie in den Tagen zuvor Shannon Briggs, den medienwirksamen Weg, sich wieder ins Gespräch zu bringen.

"Die Titelvereinigung ist unser großes Ziel"

Laut Klitschko-Manager Bernd Bönte wird daraus aber nichts. Ein Kampf Wladimirs gegen einen der beiden sei völlig ausgeschlossen, es fehle an Niveau und boxerischer Klasse. Fast so verzweifelt, wie Charr und Briggs um Aufmerksamkeit buhlten, wünschen sich viele Box-Interessierte endlich mal wieder einen spannenden Kampf. Die schlechte Nachricht lautet: Es scheint derzeit keinen Schwergewichtler zu geben, der komplett genug ist, um Wladimir Klitschko gefährlich zu werden. Denn eine Stärke allein reicht nicht, wie zuletzt etwa der gute Techniker Alexander Powetkin, der leidensfähige Mariusz Wach oder der wuchtige Leapai deutlich machten.

Der größte Herausforderer, so Wladimir Klitschko, sei für ihn derzeit: Wladimir Klitschko. Sich selbst müsse er immer neu überwinden, um nicht zu selbstsicher, zu eingebildet ob seiner Klasse zu werden. "Ich liebe und genieße derzeit sehr, was ich tue", so Klitschko. Der nächste Kampf ist für September geplant, der Gegner könnte am 10. Mai ermittelt werden. Dann stehen sich in Los Angeles Chris Arreola und Bermane Stiverne im Duell um den vakanten WBC Schwergewichtsgürtel gegenüber.

Klitschko und sein Management träumen schon davon, auch noch den WBC-Titel zu gewinnen, der ehemals Vitali gehörte: "Die Titelvereinigung ist unser großes Ziel", so Manager Bönte. Dann wäre die Dominanz perfekt - und ein Ende ist nicht in Sicht. "Locker zehn Jahre" könne sein Bruder noch weiterboxen, so Vitali Klitschko. Entscheidend sei, dass Wladimir "keine Schläge abbekommt im Ring". Diese Taktik ging gegen Alex Leapai schon einmal perfekt auf.



insgesamt 101 Beiträge
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Freidenker10 27.04.2014
1. optional
Schauen sich echt noch Leute diese langweiligen Klitschko Kämpfe an? Dieses Ringbalett hat doch nichts mit einem Fight zu tun... Lieber noch ein paar jahre warten und hoffen dass nach den Klitschkos wieder echte Boxer boxen!
lohnbuchhalter 27.04.2014
2. Boxen, oder nur noch Show
So langsam glaube ich auch, dass hier nur mit Fallobst gehandelt wird. Das war kein Boxkampf, sondern ein Showkampf. Das es hier noch mit rechten Dingen zu geht, kann man zu Recht bezweifeln. Klischko hätte ihn ohne Probleme in der ersten Runde besiegen können.
buntbarsch 27.04.2014
3. Boxkampf??
Solche "Boxkämpfe" sind lächerlich und das Eintrittsgeld nicht wert. Die Überlegenheit Klitschkos, seine ca 30 cm längere Führhand machten das Spektakel zu einem armseligen Kirmesboxen. Wenn es keine gleichwertigen Gegner mehr gibt, sollte WK auf solche peinlichen Auftritte verzichten, tut er das nicht und legt weiter "Fallobst" auf die Bretter, setzt er seinen Ruf aufs Spiel. Für eine solchen Verarschungsklamauk würde ich keinen Cent ausgeben!
k.-f._boerne 27.04.2014
4.
Bereits in der ersten Runde war klar, dass anstelle dort eines Gegners nur ein Opfer steht. Langweilig. Schade.
herzblut12 27.04.2014
5. optional
Also eigentlich findet mein ganzes Umfeld und ich die Klitschkos nur Lächerlich. Die Klitschkos haben aus dem BOX Sport- eine Art Promi boxen gemacht. Gefightet wird beim Boxen Seit Klitschko nicht mehr.
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