Spekulationen um Rückkehr 40 Millionen Dollar für Klitschkos Comeback

Vor zwei Jahren beendete Wladimir Klitschko seine Boxkarriere. Jetzt soll ihm ein Streamingdienst einen hohen Millionenbetrag geboten haben, für drei Kämpfe.
Wladimir Klitschko

Wladimir Klitschko

Foto: ANDREW COULDRIDGE/ REUTERS

Wenn man die Bedeutung zurückgetretener Profisportler an der Frequenz gestreuter Comeback-Gerüchte bemessen würde, wäre Wladimir Klitschko ohne Frage einer der größten Boxer der Geschichte.

Seit der Ukrainer im August 2017 seine Karriere beendete, ist nahezu keine Woche vergangen, in der nicht irgendjemand aus "sicherer Quelle" gehört haben wollte, dass "Dr. Steelhammer" doch noch mal in den Ring steigen würde. Bislang erteilte Klitschko derartigen Spekulationen eine klare Absage. Mitte Januar bezeichnete er sie bei Twitter als "verfrühten Aprilscherz".

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Sieben Wochen später wird in ukrainischen Medien  trotzdem wieder berichtet, der Streamingdienst Dazn habe Klitschko 40 Millionen US-Dollar für drei Kämpfe angeboten. Demnach soll der Schwergewichtler zunächst einen Aufbaukampf in Deutschland bestreiten und dann zu Rematches gegen Tyson Fury und Anthony Joshua in Großbritannien antreten.

Die beiden Briten hatten ihm im November 2015 und im April 2017 bittere Niederlagen beigebracht, nachdem Klitschko zuvor elf Jahre am Stück ungeschlagen und davon neun Jahre lang Weltmeister gewesen war.

Aggressive Expansion und ein ukrainischer Geschäftsmann

Auch US-Boxportale haben die Geschichte mittlerweile aufgegriffen . Vermutlich, weil sie durch die verbreiteten Details wahrscheinlicher wirkt als frühere Gerüchte. Dazn, das in Deutschland vor allem durch den Aufkauf von Fußballrechten auf sich aufmerksam gemacht hat, drängt seit einem Jahr mit einer aggressiven Expansionsstrategie auf den US-Markt - und nutzt dazu vor allem den Boxsport.

Der mexikanische Weltmeister Saúl "Canelo" Álvarez hat im Oktober 2018 einen exklusiven Fünfjahresvertrag mit Dazn abgeschlossen, der ihm für elf Kämpfe 365 Millionen US-Dollar garantieren soll. Promoter Eddie Hearn kassiert für einen Achtjahresvertrag angeblich sogar eine Milliarde US-Dollar. Im Vergleich dazu wäre Klitschko fast günstig und würde ins Portfolio passen. Zumal Hearn unter anderem den amtierenden Schwergewichts-Champion Joshua unter Vertrag hat, der Teil des Klitschko-Deals sein soll.

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Schwergewichtsboxer: Wladimir Klitschkos Karriere in Bildern

Foto: BEN STANSALL/ AFP

Gut möglich also, dass wirklich etwas an der Geschichte dran ist. Zumal hinter Dazn die Perform-Gruppe steht, die wiederum der Beteiligungsgesellschaft Access Industries gehört. Der starke Mann hinter Access Industries ist Leonard Blavatnik. Dass sich Blavatnik und Klitschko getroffen haben sollen und gut verstanden haben könnten, erscheint nicht unwahrscheinlich, weil sie erfolgreiche Geschäftsmänner sind und zudem beide ukrainische Wurzeln haben. Blavatnik wurde in Odessa geboren.

Das wiederum könnte auch dafür sprechen, dass Blavatnik die Information in der Ukraine gezielt gestreut hat, um das Interesse an einem Klitschko-Comeback auszuloten oder eventuell sogar öffentlich Druck auf den Ex-Weltmeister auszuüben. In jedem Fall hilft das Gerücht seiner Marke dabei, als globaler Player im Boxmarkt wahr- und ernst genommen zu werden - ganz unabhängig davon, ob der Deal zustande kommt oder nicht.

"Warum sollte er das machen?"

Deutsche Experten zweifeln, dass Klitschko tatsächlich noch einmal in den Ring steigen wird. "Als ich mit Wladimir telefoniert habe, hat er über das Thema Comeback nur gelacht", sagt etwa Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer. "Und ganz ehrlich: Warum sollte er das denn machen? Geld braucht er nicht, und muss auch niemandem mehr etwas beweisen. Wenn Wladimir noch einen Kampf hätte bestreiten wollen, hätte er direkt das Rematch gegen Joshua haben können. Es war allein seine Entscheidung, abzutreten, und ich weiß nicht, warum er sie revidieren sollte."

Auf der anderen Seite gibt es zahlreiche Beispiele für prominente Ex-Boxer, die es nicht lange im Ruhestand ausgehalten haben. Muhammad Ali kehrte 1980 nach zwei Jahren Pause in den Ring zurück, obwohl er schon von Parkinson gezeichnet war. Evander Holyfield bestritt seinen letzten Kampf im Alter von 48 Jahren. Und George Foreman wurde 1994 noch mal Weltmeister - 21 Jahre nach seinem ersten Titelgewinn.

Ausgerechnet Foreman nutzte Klitschko Anfang Februar, um die Comeback-Gerüchte über die sozialen Medien erneut anzuheizen. "Big George" wurde auf Twitter von einem Fan gefragt, welche Jahre er für die besten seiner aktiven Karriere hielt. Foremans Antwort: "1994, als ich 45 Jahre alt war, war ich der beste Boxer, der ich jemals war, ich konnte kämpfen und denken. Und ich habe das Training genossen."

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Dass Klitschko diese Aussage per Retweet weiterverbreitete, werten Fans als sicheres Zeichen für die Rückkehr des Ukrainers. Am 25. März wird "Dr. Steelhammer" 43 Jahre alt.

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