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22. Juli 2012, 19:23 Uhr

Tour-Sieger Wiggins

"Die berühmtesten Koteletten seit Elvis Presley"

Bradley Wiggins hat als erster Brite die Tour de France gewonnen. Team und Fans jubelten auf der letzten Etappe gemeinsam mit dem 32-Jährigen - der im Angesicht seines Triumphs aber auch viele ernste Worte fand.

Hamburg - Schöner hätte es für Bradley Wiggins eigentlich kaum kommen können. Als der 32-Jährige auf der letzten Etappe der Tour de France unter dem Jubel der Fans die Ziellinie überquerte und die Arme nach oben riss, begleitete ihn strahlender Sonnenschein. Sichtlich bewegt nahm er wenig später auf dem Siegerpodest Blumen, Maskottchen und den begehrten Siegerpokal entgegen. Es war der Lohn für drei harte Wochen, an deren Ende für Wiggins der Triumph der Frankreich-Rundfahrt stand. Er ist der erste Brite, dem dieses Kunststück gelang.

Schon während der 120 Kilometer langen Schlussetappe nahm Wiggins etliche Glückwünsche entgegen. Arm in Arm rollte er mit seinem Teamkameraden Michael Rogers auf der Strecke zwischen Rambouillet nach Paris. Auch viele seiner Konkurrenten beglückwünschten Wiggins am letzten Tag der Tour, bei dem der Gesamtführende traditionell nicht mehr angegriffen wird. Zwischenzeitlich hatte sich gar das gesamte Team Sky während der Fahrt in trauter Einheit Arm in Arm nebeneinander aufgereiht.

Im Zentrum aber stand Wiggins. Am Streckenrand jubelten ihm in gelbe T-Shirts gekleidete Fans zu. Mit einem breiten Lächeln im Gesicht fuhr er durch Paris. "Es wird eine Weile dauern, das zu verstehen", sagte er nach der Zielankunft.

"Kommt gut heim und betrinkt euch nicht zu sehr"

Auf dem Podium richtete er schließlich einige Worte an das Publikum. "Das waren Wahnsinnswochen, ein paar Träume sind wahr geworden. Kommt gut heim und betrinkt euch nicht zu sehr." Sein Hinweis hat einen ernsten Hintergrund. Nach seinem Bahn-Olympiasieg 2004 gab sich Wiggins dem Alkohol hin, ein Jahr hing er an der Flasche.

Wohl auch eine Folge einer nicht immer einfachen Kindheit. Sein Vater ließ ihn einst im Stich, er wuchs bei seinem Großvater auf, der 2010 verstarb. Diese schwierige Zeit hat Spuren hinterlassen. So zeigte Wiggins sich trotz aller Freude über seinen persönlichen Triumph nachdenklich. "Ich habe so viele andere Sachen, die mir wichtiger sind", so Wiggins.

Den Sieg widmete er seiner Frau. "All das ist für sie." Nach seiner Zielankunft gehörten seine Frau und Kinder zu den ersten Gratulanten. "Es ist ein unglaubliches Gefühl, das mich angetrieben hat, weiterzumachen und mich immer härter zu fordern. Es ist zweifelsohne der Höhepunkt meiner Karriere, nicht aber meines Lebens."

"Verdammt noch mal, ich habe die Tour gewonnen"

Lob bekam Wiggins von Tour-Legende Bernard Hinault: "Er ist ein großartiger Sieger." Jenem Hinault, der stets zu Wiggins Vorbildern gezählt hat. "Ich war immer Fan des Radsports und wollte die Tour gewinnen. Es ist sehr speziell, wie Bernard Hinault oder Miguel Indurain dieses Rennen gewonnen haben. Ich kenne die Geschichte des Radsports, und mir ist bewusst, was dieser Sieg repräsentiert", so Wiggins.

In der Endabrechnung hatte er 3:21 Minuten Vorsprung auf seinen Teamkollegen Christopher Froome, der Italiener Vincenzo Nibali lag gar 6:19 Minuten zurück. Wiggins hatte sich sein erstes Gelbes Trikot auf der siebten Etappe geholt und bis Paris nicht mehr abgegeben.

Doch er war nicht der Einzige, der Grund zum Jubeln hatte. Sein Teamkollege Mark Cavendish gewann zum vierten Mal in Folge auf der letzten Tour-Etappe. In der ewigen Siegerliste liegt der 27-jährige Cavendish mit 23 Siegen nun bereits auf Rang vier. Spitzenreiter ist der Belgier Eddy Merckx mit 34 Etappenerfolgen.

Ob Wiggins einmal eine ähnliche Popularität erreichen kann wie Merckx, ist noch nicht abzusehen, die "Mail on Sunday" feierte im Anschluss an Wiggins Erfolg im Zeitfahren dennoch schon einmal die "berühmtesten Koteletten seit Elvis Presley".

jar/dpa/sid

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