Niederlage vor Gericht Innenministerium muss Medaillenziele offenlegen

Wie viele Medaillen sollen Leichtathleten, Schwimmer und Ruderer in London holen? All das wird in Zielvereinbarungen zwischen den Sportverbänden und dem Bundesinnenministerium geregelt - bislang geheim. Doch ein Gericht hat nun entschieden: Das Ministerium muss Journalisten Auskunft erteilen.
Deutsche Olympia-Athleten, Innenminister Friedrich (Mitte): Wieviele Medaillen?

Deutsche Olympia-Athleten, Innenminister Friedrich (Mitte): Wieviele Medaillen?

Foto: Friso Gentsch/ dpa

Hamburg - Das für Sport zuständige Bundesinnenministerium (BMI) muss die vereinbarten Medaillenziele mit den Sportverbänden für die Olympischen Spiele gegenüber Journalisten offenlegen. Das hat das Verwaltungsgericht Berlin in einem Eilverfahren entschieden. Geklagt hatten Journalisten der WAZ-Gruppe.

Der Beschluss ist jedoch noch nicht rechtskräftig und kann mit einer Beschwerde angegriffen werden. Laut eines Sprechers prüft das Ministerium nun, ob Rechtsmittel gegen den Entscheid eingelegt werden sollen. Dafür hat das BMI zwei Wochen Zeit. Unklar ist, ob der Anspruch auf Auskunft sofort erfüllt werden muss.

Das Ministerium hatte nach den Olympischen Spielen 2008 in Peking mit Verbänden des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) diverse Vereinbarungen getroffen - unter anderen, welche und wie viele Medaillen in London jeweils geholt werden sollen und welcher Platz in der Nationenwertung angepeilt wird.

Solche Vereinbarungen sind auch unter finanziellen Gesichtspunkten wichtig: Erfolge im Sport haben immer auch einen direkten Einfluss auf die Höhe der Sportförderung, die von den Innenministerien vergeben werden. Im Jahr 2011 waren dies 241 Millionen Euro.

Das Gericht stellte nun fest, dass alle Behörden dazu verpflichtet seien, der Presse zur Erfüllung ihrer Aufgabe Auskünfte zu erteilen. Das BMI habe demnach durch das Begehren "Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Verbände verletzt" gesehen. Es bestehe aber ein öffentliches Interesse an Informationen, welche Platzierungen die einzelnen Verbände bei Olympia anstreben würden, so das Gericht.

bka/dpa
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