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25. Oktober 2017, 18:20 Uhr

Streit um Werberechte

Bundeskartellamt geht gegen DOSB und IOC vor

Das Bundeskartellamt hat ein Verfahren gegen den Deutschen Olympischen Sportbund eröffnet. Es geht um eine Werbe-Regelung des Internationalen Olympischen Komitees - und sehr viel Geld.

Das Bundeskartellamt hat angekündigt, die Werberegel 40 des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) auf den Prüfstand zu stellen. Konkret leitete es ein Verwaltungsverfahren gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) ein - das jedoch indirekt auch auf das Internationale Olympische Komitee abzielt. Sollte die Regel kippen, wäre das folgenreich: Den Verbänden würde eine ihrer Haupteinnahmequellen wegbrechen.

Hinter der sperrig klingenden Regel 40 Paragraf 3 der IOC-Charta verbirgt sich eine Einschränkung der Werberechte für Athleten und Sponsoren während der Olympischen Spiele. Sie sichert stattdessen den Verbänden einen exklusiven Zugang zu den Sponsoren zu.

Sportler, die an Olympischen Spielen teilnehmen wollen, müssen dieser Regel zustimmen. Ein Dilemma, das viele Athleten seit langer Zeit frustriert. Teilnehmern ist es untersagt, sich während der Zeit der Spiele individuell zu vermarkten oder sponsern zu lassen. Bei Verstößen drohen Strafen, die in den sportlichen Bereich hineinreichen können - bis hin zur Disqualifikation.

Auch Firmen, die nicht als offizieller Partner der Spiele auftreten, sind von der Regel 40 betroffen. Während der Spiele in Rio etwa war es Nicht-Sponsoren verboten, die Worte "Spiele" oder "Sommer" zu verwenden. Ein Schutz der Exklusivsponsoren, der noch rigoroser ist als bei ähnlichen Großveranstaltungen wie der Fußball-Weltmeisterschaft.

Bisher blieb das Gros der Werbeeinnahmen beim DOSB und vor allem beim IOC hängen. Im vergangenen Olympiazyklus (2013 bis 2016), in dem insgesamt etwa 5,5 Milliarden Euro erlöst wurden, zahlten die zehn Top-Sponsoren knapp eine Milliarde Euro. Sie sind damit nach den Einnahmen aus TV-Rechten (rund 3,5 Milliarden Euro) hauptverantwortlich für den Reichtum des IOC.

Das Bundeskartellamt spricht in Hinblick auf die Regel 40 recht nüchtern von "zu restriktiven Vorgaben" durch DOSB und IOC, die geprüft würden. Sollte das Verfahren jedoch zu dem Ergebnis führen, die Regel sei nicht haltbar, könnte dies folgenreich sein.

Nach Paragraf 32.2(a) des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkung könnten dem chronisch klammen DOSB hohe Nachzahlungen drohen. Der Kölner Sportrechtler Jan F. Orth spricht von "einer Art Abschöpfung der finanziellen Vorteile, die die Verbände erwirtschaftet" hätten. So könnte schnell "eine ziemlich hohe Summe" zusammenkommen. Weidner bezeichnet dieses Szenario allerdings als unwahrscheinlich.

Wann das Verfahren beendet sein wird, ist offen. Kartellrechtsprozesse ziehen sich nicht selten über Jahre hin. Die Verbände äußerten sich bislang nicht zu dem Verfahren, das bereits seit neun Monaten läuft. Für die Winterspiele 2018 in Pyeongchang im Februar dürfte also wohl alles beim Alten bleiben.

tip/sid

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