C.J. Hunter Anwesenheit nicht erwünscht

Weil er sich trotz entzogener Akkreditierung weiter im Umfeld seiner Gattin Marion Jones aufhält, droht dem schwergewichtigen Kugelstoßer zusätzlicher Ärger. Das IOC möchte, dass der Amerikaner die Olympiastadt verlässt.


C.J. Hunter, Marion Jones: "Er ist wichtig für sie"
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C.J. Hunter, Marion Jones: "Er ist wichtig für sie"

Sydney - Den Krokodilstränen vom Dienstag folgte 24 Stunden später der leise Auftritt. Ganz still und zurückhaltend beobachtete Cottrell John Hunter am Mittwochvormittag trotz Entzugs seiner Olympia-Akkreditierung seine Frau Marion Jones beim 200-m-Vorlauf im Olympia-Stadion. Dabei wünschten sich manche, dass der des Dopings verdächtige Kugelstoß-Weltmeister gar nicht mehr in der Olympia-Stadt wäre. Der Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Dick Pound, sagte, er werde gegen den Verbleib von Hunter bei den Olympischen Spielen opponieren. Und auf die Frage, ob er über die Anwesenheit glücklich sei, sagte der Kanadier: "Nein."

Dem Amerikaner war am Dienstag nach Bekanntwerden der positiven Dopingtests auf Nandrolon die Olympia-Akkreditierung entzogen worden. Wie IOC-Mitglied Arne Lundqvist, der Vorsitzende der Medizinischen Kommission des Internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF), dazu erklärte, war der 31-Jährige entgegen ersten Informationen bei zwei Wettkämpfen positiv: Bei den Golden League-Meetings am 28. Juli in Oslo sowie am 11. August in Zürich. Dazu kämen zwei positive Trainingskontrollen im Rahmen der Meetings in Mailand (7. Juni) und Oslo.

"Hunter hat keine Akkreditierung", erklärte der Sprecher des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC), Mike Moran, zu dessen Auftauchen auf der Pressetribüne, "er ist mit einer Eintrittskarte im Stadion". Marion Jones habe als Teilnehmerin Anspruch auf Tickets und habe diese für ihren Mann bekommen. Der Kugelstoßer war nach Angaben von Moran als Athlet für die Sommerspiele akkreditiert worden, ehe er mit der Begründung einer Knieverletzung absagte.

Wie Hunter, der beim Zwischenlauf am Abend nicht mehr gesichtet wurde, mit einer normalen Eintrittskarte unter die Journalisten gelangen konnte, blieb unklar. Auch für diesen Bereich ist eine offizielle Akkreditierung nötig. Moran hatte zum Verbleib des Kugelstoßers nach einem Bericht des "Sydney Morning Herald" erklärt: "Wir hoffen, dass wir ihm irgendeine Art von Zugang verschaffen können, damit er für seine Frau da ist. Er ist sehr wichtig für sie."

Falls Hunter sich entschließt, rechtliche Schritte gegen eine mögliche Sperre einzuleiten, hat er wahrscheinlich starke juristische Hilfe an seiner Seite. Johnnie Cochran, der auch schon im Mordprozess gegen den Football-Star O.J. Simpson und im Verfahren gegen Popstar Michael Jackson wegen angeblichen Kindesmissbrauchs erfolgreich war, gilt als Fan von Marion Jones. Er war auch bei der tränenreichen Pressekonferenz am Dienstag dabei. Cochran hatte Marion Jones 1993 geholfen. Ihr drohte zu High-School-Zeiten eine Vier-Jahres-Sperre, weil sie eine Trainingskontrolle nicht wahrgenommen hatte. Damals hatte sie sich darauf berufen, sie habe die Ankündigung der Kontrolle per Post nicht erhalten.

Von Hans-Hermann Mädler, dpa



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