Testosteron-Regel Semenya darf ohne Medikamente wohl nicht bei Leichtathletik-WM starten

Seit Monaten kämpft Caster Semenya gegen eine umstrittene Testosteron-Regel. Nach einem Teilerfolg vor dem Schweizer Bundesgericht folgte nun der Rückschlag - sie muss wohl auf die WM verzichten.
"Sehr enttäuscht": Caster Semenya

"Sehr enttäuscht": Caster Semenya

Foto: STRINGER / AFP

Caster Semenya, Weltmeisterin über 800 Meter, wird ihren Titel bei der kommenden Leichtathletik-WM in Doha wohl nicht verteidigen können. Das Schweizer Bundesgericht hat die vorläufige Bestimmung zur Pausierung der umstrittenen Testosteron-Regel wieder aufgehoben, wie ein Sprecher der Athletin sagte. Das Berufungsverfahren läuft allerdings weiter.

Das Schweizer Bundesgericht bestätigte dem Sport-Informations-Dienst, dass es die provisorische Aufhebung der umstrittenen Regel gekippt habe und diese auf den Strecken zwischen 400 Meter und der Meile bei den Frauen auch für Semenya wieder Bestand habe.

Semenya, zweifache Olympiasiegerin über 800 Meter, geht vor dem Bundesgericht gegen eine Entscheidung des Internationalen Sportgerichtshofs Cas vor. Der hatte eine Regel des Leichtathletik-Weltverbands für rechtens erklärt, mit der Testosteron-Grenzwerte für Mittelstreckenläuferinnen festgesetzt werden. Der Cas erklärte die Regel zwar als "diskriminierend", aber auch "notwendig", um einen fairen Wettbewerb zu garantieren. Hier geht es zum FAQ zum Fall Semenya.

"Der Oberste Gerichtshof betonte die strengen Anforderungen sowie die hohe Schwelle für die vorläufige Aussetzung von Cas-Bestimmungen und stellte fest, dass diese nicht erfüllt seien", hieß es nun in der Erklärung Semenyas.

Bereits Anfang Juli hatte die 28-Jährige angekündigt, bei der WM nur über ihre Paradestrecke 800 Meter an den Start zu gehen, und einen Streckenwechsel ausgeschlossen, sollte die Regel wieder eingesetzt werden.

Im Juni lief Caster Semenya in Frankreich ein Rennen über 2000 Meter

Im Juni lief Caster Semenya in Frankreich ein Rennen über 2000 Meter

Foto: Geoffroy van der Hasselt / AFP

"Ich bin sehr enttäuscht, dass ich meinen hart erkämpften Titel nicht verteidigen kann, aber das wird mich nicht davon abhalten, meinen Kampf für die Menschenrechte aller betroffenen Athletinnen fortzusetzen", wird Semenya von ihren Anwälten zitiert.

Semenyas Anwältin bleibt optimistisch

Semenyas Anwältin Dorothee Schramm äußerte sich optimistisch, mit dem Berufungsverfahren noch Erfolg zu haben. "Die Verfahrensentscheidung des Richters hat keinen Einfluss auf die Berufung selbst. Wir werden die Berufung von Caster weiterverfolgen und für ihre grundlegenden Menschenrechte kämpfen", sagte Schramm: "Ein Rennen wird immer am Ziel entschieden." Der internationale Leichtathletikverband IAAF äußerte sich bislang nicht zu der Entscheidung.

Anfang Mai hatte die IAAF von allen betroffenen Athletinnen gefordert, eine Woche nach der Cas-Entscheidung anzufangen, ihren Testosteronwert zu senken, also ab Mitte Mai. Die Südafrikanerin Semenya hatte aber mehrfach betont, keine Medikamente nehmen zu wollen.

ptz/Reuters/sid
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