Semenya will keine Medikamente nehmen "Hell, no!"

Das jüngste Sportgerichtsurteil gegen die Leichtathletin Caster Semenya ist umstritten: Sie soll mit Medikamenten ihren Testosteronspiegel senken. Sie denkt gar nicht dran.
Caster Semenya

Caster Semenya

Foto: Kamran Jebreili/AP

Leichtathletik-Olympiasiegerin Caster Semenya will keine Medikamente nehmen, um ihre Hormonwerte zu reduzieren und weiter über 800 Meter auf Titel- und Medaillenjagd gehen zu dürfen. "Hell, no", antwortete die Südafrikanerin nach ihrem Sieg beim Diamond-League-Meeting in Doha auf eine entsprechende Frage. Die 28-Jährige war zwei Tage nach dem Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs Cas zum Startrecht für intersexuelle Athleten die zwei Runden in 1:54,98 Minuten gelaufen.

Nach der Cas-Entscheidung wird ab 8. Mai eine Regel des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF gelten. Sie verpflichtet Sportlerinnen mit Unterschieden in der sexuellen Entwicklung, einen Testosterongehalt von fünf Nanomol pro Liter Blut nicht zu überschreiten. Damit soll auf bestimmten Strecken ein Wettbewerbsvorteil verhindert werden. Testosteron erhöht Muskelmasse, Kraft und Hämoglobin, was die Ausdauer beeinflusst. Semenya müsste also ihren natürlichen Testosteronwert künstlich senken, wenn sie weiter auf ihren Paradestrecken antreten will.

Die Olympiasiegerin ist seit September 2015 über 800 Meter ungeschlagen. Und daran soll sich auch dauerhaft nichts ändern. "Warum soll ich jetzt aufhören? Mit 28? Ich habe noch zehn oder mehr Jahre vor mir", sagte Semenya, die aller Voraussicht nach beim Schweizer Bundesgericht Einspruch gegen den Entscheid einlegen wird.

"Gott hat über meine Karriere entschieden, Gott wird sie beenden. Kein Mann oder ein anderes menschliches Wesen kann mich am Laufen hindern." Möglich ist, dass die dreimalige 800-Meter-Weltmeisterin auf längere Distanzen wechselt, für die die IAAF-Regel nicht gilt.

"Starke Vorbehalte gegen ethische Gültigkeit"

Unterdessen hat die World Medical Association (WMA), die Ärzte aus 114 nationalen Berufsvereinigungen vertritt, ihre Mitglieder aufgefordert, die neuen IAAF-Vorschriften nicht umzusetzen. "Wir haben starke Vorbehalte gegen die ethische Gültigkeit dieser Regelungen", sagte WMA-Präsident Leonid Eidelman in einer Erklärung auf der Website der Organisation . "Sie basieren auf schwachen Beweisen aus einer einzigen Studie, die derzeit von der wissenschaftlichen Gemeinschaft ausführlich diskutiert wird."

Die WMA fügte hinzu, es sei unethisch für die Ärzte, eine Behandlung zur Senkung des Testosterons zu verschreiben, wenn der Zustand nicht als krankhaft erkannt wurde, und warnte vor den Gefahren von künstlich modifizierender Blutbestandteile, Biochemie oder endogenem Testosteron.

Der Leichtathletikweltverband IAAF ist Unterzeichner des Olympic Movement Medical Codes, in dem es unter Punkt 1, Beziehungen zwischen Sportlern und Gesundheitsversorger, in Richtung ebenjener Gesundheitsversorger heißt: Die Hauptaufgaben umfassen erstens "vor allem, nicht zu schaden" und zweitens "die Gesundheit der Athleten zur Priorität zu machen".

sak/sid/dpa
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