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Investor aus China: Das Sportimperium des Kenny H.

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China buhlt um FC Liverpool Fish'n'Chips süß-sauer

China will den FC Liverpool kaufen. Das wäre ein bislang einmaliger Vorgang im Fußball - aber aus Sicht des kommunistischen Landes nur konsequent. Peking drängt seit Jahren in den Profisport. Geld spielt keine Rolle - man nimmt, was man bekommt.
Von Frieder Schilling

Kaum etwas im Sport hat so viel Tradition wie der Liverpool Football Club. 1892 wurde der Verein gegründet, spielt seitdem ununterbrochen im legendären Stadion an der Anfield Road. Befragt nach einem Wunschgegner im Europacup, nennen Fußballprofis immer wieder Liverpool. Wenigstens einmal in ihrer Karriere wollen sie durch den engen Spielertunnel gehen, an dessen Ende das Schild mit der berühmten Aufschrift "This is Anfield" hängt. Angekommen auf dem Platz erwartet sie weitere Tradition. In keiner Arena der Welt klingt das "You'll never walk alone" so intensiv wie dort.

Doch mit Tradition gewinnt man heute keine Titel mehr. Anfield ist bereits so gut wie Geschichte. Die Pläne für das neue Stanley-Park-Stadium liegen fertig in der Schublade - gebaut allerdings wird noch nicht. Doch das könnte ein neuer Besitzer ändern. Über eine Investmentgesellschaft will die chinesische Regierung den Club erwerben. Das wäre ein bislang einmaliger Vorgang im Fußball. Ausländische Geldgeber gibt es speziell in der Premier League viele, der Russe Roman Abramowitsch (FC Chelsea) und der US-Tycoon Malcolm Glazer (Manchester United) sind Beispiele. Doch die Weltmacht China als Eigentümer eines Clubs wäre eine neue Dimension. Aber keine Überraschung.

Kenny Huang ist der Mann, der den Deal unter Dach und Fach bringen soll. Ihm werden beste Kontakte zur chinesischen Regierung nachgesagt, und er ist kein Unbekannter in der Welt des professionellen Sports. Bereits 2002 war er daran beteiligt, seinen Landsmann Yao Ming in die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA zu transferieren. Yao war damals nach Mengke Bateer und Wang ZhiZhi der dritte Chinese, der ein Spiel in der NBA bestritt. Er unterschrieb bei den Houston Rockets.

Exklusiver Marketing-Partner der Yankees

Es blieb nicht bei Spielertransfers. Vier Jahre später war Huang verantwortlich für einen der ersten bedeutenden Deals zwischen einem chinesischen Sponsor und einer amerikanischen Sport-Franchise. Huang überzeugte die Rockets, in ihrer Arena Werbung in Mandarin zu platzieren. Vor zwei Jahren kam ein weiterer äußerst prominenter Kunde hinzu: die New York Yankees. Huang ist exklusiver Marketing-Partner des berühmtesten Baseball-Teams der Welt für den chinesischen Markt. "Kenny ist vertrauensvoller Berater der Yankees und hilft uns, unsere Marke in China und anderen Gegenden Asiens zu etablieren", sagte Yankees-Präsident Randy Levine im vergangenen Jahr.

Nahezu zeitgleich war es Huang gelungen, sich noch weiter im US-Sport zu verdrahten. Für eine chinesische Investorengruppe hatte er für geschätzte 72 Millionen US-Dollar 15 Prozent der Cleveland Cavaliers erworben, eines der besten Teams der NBA. Liga-Boss David Stern nannte den Deal damals "den nächsten natürlichen Schritt in unserer Beziehung mit China". Was er meinte: Kaum eine Liga der Welt ist in China so präsent wie die NBA und macht dort so viel Geld. Offizielle Zahlen gibt die Liga nicht bekannt, aber mit Lizenzgebühren, Fernsehrechten und Sponsorendeals sollen es mehrere hundert Millionen US-Dollar im Jahr sein.

2011 Schwimm-WM in China, 2014 Olympische Jugendspiele

Da will man natürlich auch auf der anderen Seite profitieren. China versucht, die in den USA populären Sportarten im eigenen Land zu installieren. Die in Hongkong beheimatete Firma QSL Sports, Vorsitzender Kenny Huang, hat beispielsweise eine Baseball-Jugendliga in China ins Leben gerufen und soll diese jährlich mit mehreren Millionen US-Dollar unterstützen. Die Absicht ist klar: Einerseits das Spiel in der heranwachsenden Generation populär machen, damit diese in Zukunft das Merchandising-Geschäft befeuert. Und andererseits Profi-Baseballer für die Major League Baseball in den USA ausbilden, um irgendwann eine der NBA ähnliche Begeisterung in China auszulösen. Daran haben auch die Macher in den USA ein Interesse daran, weitere Deals mit dem emsigen Huang sind somit sicherlich nur eine Frage der Zeit.

Der offensichtliche Drang Chinas, seine Rolle im weltweiten Profisportgeschäft auszubauen, ist schon seit Jahren nicht mehr zu übersehen. Mit den Olympischen Spielen 2008 in Peking hatte das kommunistische Land bereits die nach der Fußball-WM zweitgrößte aller Sportveranstaltungen zu Gast. Man bewirbt sich um alle möglichen Turniere, scheint zu nehmen, was man bekommt. So richtete China 2008 beispielsweise die Eishockey-WM der Frauen aus, nicht gerade eine chinesische Kern-Sportart. Im Oktober dieses Jahres folgt die Halbmarathon-Weltmeisterschaft, die auch nicht gerade weltweite Beachtung verspricht. Aber auch bedeutende Events finden in China statt. 2011 springen in Shanghai die Schwimmer zu ihren Weltmeisterschaften ins Becken, und 2014 trifft sich die Jugend der Welt in Nanjing zu den zweiten Olympischen Jugend-Sommerspielen.

Zudem fährt die Formel 1 seit 2004 in Shanghai regelmäßig ihre Runden. Für rund 350 Millionen US-Dollar ließ das Land von dem deutschen Streckenarchitekten Hermann Tilke eine der größten Rennstrecken der Welt errichten, 200.000 Zuschauer finden auf den Tribünen Platz. Zum jährlichen Grand Prix kommen zwar deutlich weniger, und in diesem Jahr läuft der Vertrag mit Formel-1-Boss Bernie Ecclestone aus, aber im vorläufigen Renn-Kalender für 2011 ist Shanghai wieder aufgeführt.

In Liverpool will man den Schritt von vorläufig zu endgültig möglichst schnell machen. Am 31. August schießt das Transferfenster und Trainer Roy Hodgson möchte gerne noch investieren. Auf welche Dimensionen er da hoffen darf, verrät eine ungenannte Quelle, die die "Daily Mail" zitiert. Laut der angeblich Huang nahestehenden Person könne Hodgson jeden Spieler nennen, den er gerne haben möchte. Der neue Eigentümer würde dann die Machbarkeit überprüfen. "Es könnte sogar Lionel Messi sein", sagt der Unbekannte. "Es würde alles versucht, ihn zu verpflichten."

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, Yao Ming sei als erster Chinese in die NBA gewechselt. Das ist nicht korrekt, er war nach Mengke Bateer und Wang Zhizhi der dritte Chinese, der ein Spiel für ein NBA-Team bestritt. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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