Wasserspringer bei der Schwimm-WM Man müsste noch mal 13 sein

China dominierte das Wasserspringen bei der Schwimm-WM in Südkorea. Deutschlands Vorzeigespringer Patrick Hausding quält sich zur Olympia-Qualifikation und kämpft gegen die 17 Jahre jüngere Konkurrenz.

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Als Patrick Hausding Junioren-Europameister vom Turm wurde, war Alexej Sereda noch nicht auf der Welt. Der 30-jährige Patrick Hausding und 13 Jahre alte Ukrainer Sereda - beide sind bei den Wassersprung-Wettbewerben der WM im südkoreanischen Gwangju angetreten und stehen für zwei unterschiedliche Schulen im Kunst- und Turmspringen.

Was zählt mehr bei diesem Wettbewerb, der Akrobatik und Eleganz im Idealfall verbindet? Die Unbekümmertheit und das Sprungvermögen der ganz Jungen oder die Routine derjenigen, die schon zahlreiche Wettbewerbe absolviert haben? So einfach lässt sich diese Frage nach Abschluss der Springer-Wettbewerbe am Samstag in Gwangju nicht beantworten. Nur eines kann man sagen: Die Chinesen haben in dieser Hinsicht die beste Balance vorzuweisen. Wieder einmal.

13 Wettbewerbe gab es im Kunst- und Turmspringen, zwölf Mal wurde bei der Siegerehrung die chinesische Flagge aufgezogen. Nur der Titel im Mixed vom Drei-Meter-Brett ging nicht nach Fernost. Kein Wunder: Das chinesische Paar war im Schlusskampf nicht angetreten. Tina Punzel und Lou Massenberg, die deutschen Europameister, profitierten davon und gewannen am letzten Wettkampftag als Dritte die erste und einzige Medaille für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV).

Welcher Teenie interessiert sich fürs Turmspringen?

Die Chinesen boten in diesem Jahr eine Mannschaft mit genau dem richtigen Mix aus Jungen und Erfahrenen auf, der sich für die Konkurrenz als überlegen erwies. China war immer schon eine Wassersprung-Macht, mittlerweile ist die Dominanz aber erdrückend. Auch weil Konkurrenten wie Hausding oder Großbritanniens Topstar Tom Daley, einst selbst Europameister mit 13 Jahren, in die Jahre kommen. Während China viel Nachwuchs zu bieten hat, sind Wassersprungtalente in Europa viel schwieriger aufzuspüren. Welcher Teenager hierzulande interessiert sich - außer im mal im Freibad - schon für Turmspringen?

Kunst- und Turmspringen - das ist ein Sport mit einem extremen Trainingsaufwand, mit extremen Ansprüchen an die Disziplin, körperlich fordernd. Nur ein kleiner Fehler in der Luft, dann wird es beim Aufprall im Wasser richtig schmerzhaft. Das zeigt auch die berühmte Szene von 1988, in der die US-Sprunglegende Greg Louganis bei den Olympischen Spielen mit dem Hinterkopf auf ein niedrigeres Sprungbrett prallte - sich die Wunde danach nähen ließ und anschließend noch Gold gewann. Wasserspringen ist ein Sport mit hohem Einsatz.

Zudem wäre es in Deutschland gar nicht möglich, schon 12- oder 13-Jährige als Springer in große Wettbewerbe zu schicken, so wie es nicht nur die Chinesen tun, sondern auch Länder wie die Ukraine. "Wir haben an dieser Stelle Jugendschutzbestimmungen. Da kann man Zwölfjährige nicht auf zehn Meter Höhe schicken", sagt Bundestrainer Lutz Buschkow. Beim Sprung vom Turm rasen die Athleten mit bis zu 60 Stundenkilometern ins Wasser. Auch 14- und 15-Jährige dürfen solche Sprünge in Wettkämpfen nur mit ärztlicher Genehmigung wagen.

Der Ukrainer Sereda stürzt sich schon mit seinen 13 Jahren vom Turm, bei der WM machte er mit den Plätzen sechs und sieben auf sich aufmerksam. Sein deutscher Konkurrent Lou Massenberg, mit 18 Jahren aus deutscher Sicht auch einer der sehr Jungen, sagt: "Vor ihm muss man den Hut ziehen - in dem Alter sich von da oben so kontrolliert runterzustürzen." Die Endphasen des jungen Springers seien "jetzt schon einfach nur genial".

Lou Massenberg als Hoffnungsträger

Beim DSV ruhen auf Massenberg die Hoffnungen für die Zukunft. Der langjährige Vorzeigespringer Patrick Hausding hat es zwar noch einmal geschafft, sich mit seinem Wettkampf vom Drei-Meter-Brett für die Olympischen Sommerspiele im nächsten Jahr zu qualifizieren. Aber nach Tokio ist wohl endgültig Schluss für den Berliner, der sich nach Gwangju mehr oder weniger geschleppt hat: Nach einem Trainingsunfall am Trampolin mit zahlreichen Blessuren, war er schon von vornherein angeschlagen. Die lange Karriere hinterlässt Spuren.

Hausdings langjähriger Synchronpartner Sascha Klein, mit dem er zusammen Weltmeister wurde, hat seine Laufbahn mittlerweile beendet, seitdem verzichtet auch Hausding auf die Sprünge vom Turm. Aber auch die Brettwettbewerbe waren für den Routinier diesmal mehr oder weniger eine Quälerei. "Jede Erschütterung hat mir Schmerzen bereitet." Ohne Hilfe seiner Freundin kam er morgens nicht einmal in seine Klamotten.

Warum das also alles? Er will noch einmal bei Olympia dabei sein, "ich will aus der Historie der Wasserspringer in Deutschland herausstechen", sagt er. Das dürfte ihm jetzt schon gelungen sein. Tokio wären seine vierten Sommerspiele, das hat vor ihm nur Jan Hempel geschafft, gemeinsam mit Albin Killat so etwas wie das Role Model im deutschen Wasserspringen

Bundestrainer Buschkow nennt Hausding einen "Sechser im Lotto" fürs deutsche Wasserspringen. Und man weiß ja, wie selten die vorkommen.



insgesamt 2 Beiträge
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Heiterkeit 20.07.2019
1. Welcher Teenager
Ich alleine kenne 2 Teenager, die gerne Turmspringen würden, aber es gibt sehr sehr wenige Vereine in Deutschland, die das anbieten.
miristlangweilig 21.07.2019
2. Welcher Teenie interessiert fürs Wasserspringen?
Wenn ich nicht einmal den fett gedruckten Textteil in korrektem Deutsch schreibe keine Sau.... Eigentlich kann sowas Interessant sein, aber wenn jemand mit Schreiben Geld verdient und nicht einmal eine Zwischenüberschrift korrekt als Satz formuliert ist das schon sehr peinlich....
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