Comeback beim CHIO Aachen Warum zwei der besten Springreiter mehrere Jahre nicht für das deutsche Team starteten

Wegen Streitigkeiten mit dem Verband wollten die Springreiter Christian Ahlmann und Daniel Deußer lange nicht für die deutsche Équipe an den Start gehen. Beim Nationenpreis sollen sie nun den Titel verteidigen.

Christian Ahlmann auf dem Pferd "Take a Chance on me Z" überspringt ein Hindernis
DPA/Rolf Vennenbernd

Christian Ahlmann auf dem Pferd "Take a Chance on me Z" überspringt ein Hindernis


Wenn der internationale Pferdesport am heutigen Abend nach Aachen blickt und die deutsche Équipe als Titelverteidiger an den Start des Nationenpreises geht, tut sie das nicht in derselben Besetzung des erfolgreichen Quartetts aus dem vergangenen Jahr. Grund ist das gemeinsame Comeback von Christian Ahlmann und Daniel Deußer. Deußer ist derzeit laut Weltrangliste erfolgreichster deutscher Springreiter (Rang vier), Ahlmann folgt nach Marcus Ehning (zehn) auf Platz zwölf. Dennoch sind Ahlmann und Deußer seit fast drei Jahren nicht mehr für das deutsche Nationalteam geritten.

Die Olympia-Dritten in der Mannschaft von Rio 2016 hatten sich in den vergangenen beiden Jahren geweigert, die Athletenvereinbarung des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR) zu unterschrieben. Diese ist Voraussetzung, um in der Nationalmannschaft zu starten. Sie waren nicht einverstanden mit einigen Details dieses Vertragswerks, das Rechte und Pflichten der Reiter regelt.

Ahlmann und Deußer kritisierten unter anderem, dass Reiter im Falle eines Dopingvorwurfs keine Möglichkeit hätten, vor ein ordentliches Gericht zu ziehen. Zudem mussten Reiter bei Nachlässigkeiten beim Führen des Behandlungsbuchs für jedes Pferd mit Geldstrafen rechnen - im Wiederholungsfall bis zu 500 Euro. Nach mehreren Verhandlungsrunden mit den Reitern hat die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) nun entschieden, für das laufende Jahr die Strafen auszusetzen, wenn "Behandlungen der Pferde nicht korrekt in den Behandlungsbüchern notiert sind", sagte Geschäftsführer Dennis Peiler.

Christian Ahlmann (l.) und Daniel Deußer
DPA

Christian Ahlmann (l.) und Daniel Deußer

"Es hat eine Weile gedauert, aber wir haben gute Gespräche geführt, die FN ist uns entgegengekommen und hat auf unsere Kritikpunkte reagiert", wird Ahlmann in mehreren Medien zitiert. Er war nach der Unterzeichnung der Vereinbarung Anfang Juli vom Springausschuss des DOKR in den Olympiakader berufen und am Montag von Bundestrainer Otto Becker gemeinsam mit Deußer für den CHIO-Nationenpreis nominiert worden.

Der Konflikt zwischen Reitern und Verband reicht lange zurück

Deußer ist bereits seit Mai wieder Mitglied des Olympiakaders und startete vor Beginn des CHIO bereits zweimal für das deutsche Team. Anfang des Jahres wurde der in Belgien lebende 37-Jährige noch mit der Aussage zitiert, dass er sich einen Wechsel ins belgische Nationalteam vorstellen könnte, wenn es mit der FN zu keiner Lösung kommen könnte.

Die Auseinandersetzungen mit dem Verband reichten weiter zurück: Bei Christian Ahlmanns Pferd Cöster war 2008 bei den Olympischen Spielen in Hongkong - ebenso wie bei den Tieren von vier anderen Reitern verschiedener Nationen - die Substanz Capsaicin nachgewiesen worden. Die Athleten wurden daraufhin von den Spielen ausgeschlossen.

Die FN hatte nach dem Vorfall beim Internationalen Sportgerichtshof (Cas) Berufung gegen die Entscheidung des Welt-Reiterverbandes (FEI) eingelegt, Ahlmann für vier Monate zu sperren. Bei dessen Vergehen handelte es sich ihrer Meinung nach um einen Verstoß gegen die Dopingregeln und nicht, wie vom FEI bestraft, um einen Verstoß gegen die Medikations-Vorschriften. Ahlmann wurde in der Folge für acht Monate gesperrt und für zwei Jahre aus dem Nationalteam verbannt.

Kader bestand zeitweise nur aus drei Reitern

Bei Deußers Pferd Pristanna wurde 2007 während eines Turniers in den USA ebenfalls eine unerlaubte Substanz nachgewiesen, wie unter anderem die "FAZ" und die "Reiter Revue" berichteten. Der amerikanische Verband sperrte Deußer daraufhin für drei Monate für Turniere in den USA. Die FN entzog ihm zusätzlich die Turnierlizenz für weitere fünf Monate. Der Rechtsstreit zwischen Deußer und der FN wegen entgangener Preisgelder endete nach neun Jahren in einem Vergleich.

Dass sich Verband und Reiter nun aufeinander zubewegt haben, ist wohl auch dem Bemühen der FN geschuldet, einen wettbewerbsfähigen Kader für die Olympischen Sommerspiele im kommenden Jahr aufstellen zu können.

Zwar hatte die deutsche Équipe mit Marcus Ehning und den Nachwuchsreitern Laura Klaphake, Maurice Tebbel und Simone Blum, die bei ihrem WM-Debüt in Tryon die Goldmedaille gewann, im vergangenen Jahr den Nationenpreis in Aachen verteidigen können. Doch nachdem Klaphakes Pferd "Catch me if you can" verkauft wurde, bestand der Kader zeitweise nur aus drei Athleten.

"Es war mein großes Ziel, sie auch im Hinblick auf Tokio 2020 in die Equipe zurückzuholen", sagte auch Trainer Becker. Die deutschen Springreiter hatten sich über die Weltreiterspiele im vergangenen Jahr für die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio qualifiziert.

Deutsche Équipe seit drei Jahren in Folge siegreich

Beim heutigen Nationenpreis (19.30 Uhr, TV: WDR) gehen Ahlmann und Deußer gemeinsam mit Blum und Ehning in den Parcours. Tebbel ist der Streichkandidat. Das deutsche Team konnte das Mannschaftspringen in Aachen zuletzt dreimal in Folge gewinnen.

Der Concurs Hippique International Offciel (CHIO) Aachen gilt als das "Wimbledon des Pferdesports". Mit rund 362.600 Besuchern (2018) ist er eine der größten Sportveranstaltungen Deutschlands. Rund 340 Reiter, Fahrer und Voltigierer aus 30 Nationen messen sich in diesem Jahr in fünf Disziplinen (Springen, Dressur, Vielseitigkeit, Fahren, Voltigieren). Mit einer Gesamtdotierung von knapp 2,7 Millionen Euro lag das Turnier auch lange bei der Höhe des Preisgeldes vorne. Erst im vergangenen Jahr wurde beim letzten Turnier der Global Champions Tour in Prag mehr ausgezahlt.

ngo/Mit Material von dpa und sid

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Seite 1
babbelhacker 18.07.2019
1.
Die zwei Typen haben also ein Problem damit, dass sie das Doping und die Quälerei ihrer "Sportgeräte" nicht mehr einfach so vertuschen können, die FN hat aber mehr die Konkurrenzfähigkeit als das Einhalten von Regeln und die Tiergesundheit im Blick. Das hab ich richtig verstanden, oder?
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