Aachener Reitturnier CHIO Totilas-Rückzug sorgt für Ärger

Der Rückzug von Matthias Rath und Millionenpferd Totilas beim CHIO in Aachen hat Diskussionen ausgelöst. Der Veranstalter beklagte einen Imageschaden, der Reiter und die Bundestrainerin verteidigen den Schritt: Man habe das Pferd für die WM geschont.

Rath mit Totilas: "Mehr gemacht als die meisten anderen Pferde"
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Rath mit Totilas: "Mehr gemacht als die meisten anderen Pferde"


Hamburg - Erst feierten sie ein umjubeltes Comeback, dann sorgten sie für einen Eklat: Matthias Rath und das Millionenpferd Totilas haben beim CHIO in Aachen mit ihrem Rückzug vor der Kür Unmut beim Veranstalter ausgelöst. "Ich bin enttäuscht", sagte CHIO-Sportdirektor Frank Kemperman: "Wir haben alles getan, damit sich die Dressurreiter hier wohlfühlen - und dann die Absage."

Kempermann beklagte einen Imageschaden für sein Turnier: "Wir müssen uns bei unseren Sponsoren und Zuschauern dafür entschuldigen, dass er gefehlt hat. Ich bin jetzt 20 Jahre hier im Geschäft, aber ich habe noch nie erlebt, dass ein Paar nach Grand Prix und Special in der Kür plötzlich ohne Verletzung fehlte."

Reiter Rath verteidigte den Rückzug. Totilas habe seit dem Comeback im Mai acht Prüfungen absolviert. "Er hat mehr gemacht als die meisten anderen Pferde", so Rath. "Die Bundestrainerin hat ihn gefragt: 'Willst du die Kür noch reiten?'", berichtete Totilas-Mitbesitzer Paul Schockemöhle: "Wir müssen das jetzt nicht ausreizen."

Kemperman drohte mit Konsequenzen und verwies auf die Ausschreibung. Dort hieß es, die besten 15 Paare des Special müssten in der Kür gehen, und Totilas gewann das Special. Allerdings dürfen nur drei Paare pro Nation starten. Und da Deutschland vier Paare unter den ersten Sechs platzierte, durfte Totilas pausieren, stellte Dietrich Plewa, Vorsitzender der Ground Jury, fest.

"Wir müssen auch Verständnis für das Pferd haben"

"Das ist natürlich enttäuschend für das Turnier und das Publikum in Aachen, das sich am Sonntag auf Totilas gefreut hat", räumte Bundestrainerin Monica Theodorescu ein: "Wir haben Verständnis für die Zuschauer, aber wir müssen auch Verständnis für das Pferd haben."

Für sein Aachen-Comeback nach zweijähriger Pause wegen Krankheit und Verletzung hatte sich der 29-jährige Rath in der Tat auf Grand Prix und Special konzentriert und damit zunächst richtig gelegen. Im Grand Prix schockte das Paar erstmals die Weltelite und führte die deutsche Equipe mit über 82 Prozent zum Sieg im Nationen-Preis. Im Special am Samstag setzte Rath noch einen drauf und siegte mit 84,529 Punkten.

"Wenn man bei den Richtern 84 Prozent kriegt, was soll man dann sagen. In vier Wochen bei der WM ist das eine Medaille", sagte Rath. Theodorescu nominierte den Rückkehrer anschließend für die WM Ende August in Caen (Frankreich).

cte/sid



insgesamt 2 Beiträge
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Peter Eckes 21.07.2014
1. ???
Man hätte mal erläutern können was Grand Prix, Special und Kür eigentlich ist und wie das ganze zusammenhängt. Nicht jeder ist Reitsportexperte und Dressurreiten ist auch nicht gerade ein Dauerbrenner.
Dr.Fuzzi 21.07.2014
2. Och Joh!
Auch wenn ich es begrüße, wenn Matthias Rath samt "Investoren", das angebliche "Millionenpferd" Totilas beim CHIO in Aachen von einem erneuten Start zurückgezogen haben, stellt sich doch erneut die Frage, ob dieses Pferd in dieser Disziplin nicht gnadenlos überbewertet ist und nur mit extremer Mühe auf die gezeigten "Glanzleistungen" getrimmt werden und nur so für die kommende WM so irgendwie "hinkriegt" werden kann. Wir sind selbst seit über 20 Jahren Eigner eines quicklebendigen Vollbluts, das sich hinsichtlich seines jahrhundertealten Stammbaums incl. x- Grand Sires, in rein gar nichts hinter Totilas verstecken muß, ganz im Gegenteil. Es war allerdings eher Zufall, das die vorherige Eigentümerin entnervt das Handtuch warf, da dieser in der Dressur nur gelegentlich extrem geil aussah und ansonsten nicht "funktionierte" - kein Wunder, waren doch alle Vorfahren sehr erfolgreiche Galloper, incl. dem Großpapa Anillin immerhin dem seinerzeitigen "Wunderpferd" Europas. Ich kann nur hoffen, das Totilas irgendwann, auch wenn scheinbar verbraucht und kaputt, doch noch Liebhaber findet, die ihm eine freundliche Zukunft bescheren werden und er nicht einfach von seinen heutigen "Investoren" euthanasiert wird.
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