US-Sprintstar Drei verpasste Dopingtests - Coleman wird von Anti-Doping-Agentur angehört

Dem schnellsten Mann der Welt droht das WM- und Olympia-Aus: Christian Coleman muss sich gegenüber der Anti-Doping-Agentur der USA erklären. Es geht um drei verpasste Dopingkontrollen.

Der derzeit schnellste Läufer auf 100 Meter: Christian Coleman im Juni 2019
GETTY IMAGES NORTH AMERICA / AFP

Der derzeit schnellste Läufer auf 100 Meter: Christian Coleman im Juni 2019


US-Sprinter Christian Coleman wird nach Berichten über drei verpasste Kontrollen am 4. September von der Anti-Doping-Agentur der USA (Usada) angehört. Coleman und die Usada äußerten sich am Samstag in Stellungnahmen erstmals zu den Berichten, wonach dem 23-Jährigen eine Sperre drohe und er damit die anstehenden Leichtathletik-Weltmeisterschaften Ende September in Katar verpassen könnte. Auf SPIEGEL-Anfrage teilte die Usada mit, eine Entscheidung in dem Fall soll bereits am 5. September fallen.

Der WM-Zweite über 100 Meter und mit 9,81 Sekunden Jahresschnellste erklärte, die Berichte seien "einfach nicht wahr". Coleman sagte, er nehme grundsätzlich keine zusätzlichen Mittel und zeigte sich zuversichtlich, freigesprochen zu werden. Einzelheiten wollte er mit Rücksicht auf das laufenden Verfahren nicht nennen, erst danach werde er Fragen beantworten. Die WM in Katars Hauptstadt Doha findet vom 27. September bis 6. Oktober statt.

Auch das Olympia-Aus droht

Laut Usada geht es bei Coleman um drei Tests binnen eines Jahres, bei denen er jeweils seinen Aufenthaltsort nicht so wie erforderlich angegeben habe. Die Anti-Doping-Agentur teilte dem SPIEGEL mit, für zwei der drei fraglichen Tests seien ihre Kontrolleure zuständig gewesen, für den dritten die sogenannte Athletics Integrity Unit (AIU), die im Auftrag des Leichtathletik-Weltverbands IAAF testet.

Sportler müssen über einen längeren Zeitraum im voraus angeben, wo sie erreichbar sind, damit jederzeit unangekündigte Dopingkontrollen durchgeführt werden können. Werden sie dann nicht angetroffen, ist von einem "missed tests" die Rede. Bei drei versäumten Dopingtests droht Athleten eine Sperre, die je nach Schwere zwischen einem und zwei Jahren betragen kann. Selbst bei der Mindeststrafe würde Coleman nicht an der obligatorischen Qualifikation für die im August 2020 stattfindenden Olympischen Spiele teilnehmen können.

Sollte Coleman gesperrt werden und die kommende WM in Doha verpassen, wäre Justin Gatlin favorisiert. Colemans US-Kollege war bereits zwei Mal wegen Dopings gesperrt.

jan/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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klichti 25.08.2019
1.
"Sollte Coleman gesperrt werden und die kommende WM in Doha verpassen, wäre Justin Gatlin favorisiert. Colemans US-Kollege war bereits zwei Mal wegen Dopings gesperrt." Cool! Ein staatlich geprüfter Dopingtest-Vermeider wird, falls er gesperrrt wird, durch einen staatlich geprüften Doper ersetzt. Sieht da eigentlich außer mir irgend jemand die Perversität und die Ironie?
unglaeubig 25.08.2019
2.
Wer von uns hätte mit 23 Jahren wochenlang im Voraus seinen Aufenthaltsort bekanntgeben können? Spiegel Online, bitte macht doch mal eine Reportage über einen beliebigen deutschen Sportler im Anti-Doping-Programm: Das, was da von jungen Menschen entgegen dem Grundsatz, dass niemand seine Unschuldigkeit beweisen muss verlangt wird, ist entwürdigend und nur schwer mit der Lebensrealität vereinbar!
aysnvaust 25.08.2019
3. @ unglaeubig :
Gegenfrage: Wer von uns war mit 23 Jahren hochbezahlter Spitzensportler? Es ist nun einmal Bestandteil des Berufsbildes, sich dieser Regelung zu unterwerfen (oder, falls man das nicht will, sich einen anderen Job zu suchen). Hier geht es auch nicht darum, prophylaktisch seine Unschuld zu beweisen (ist mit einem simplem Nachweis des Aufenthaltortes auch schlicht unmöglich), sondern jederzeit für unangekündigte Dopingkontrollen - und nur so machen diese auch Sinn - zur Verfügung zu stehen. Dass nun allerdings ausgerechnet Gatlin als Ersatz in den Startlöchern (ZwinkerSmiley) steht, ist jedenfalls zumindest ein ausgiebiges Schmunzeln wert.
alice-b 26.08.2019
4. Nicht so.
Jeder Spitzensportler ist nach den Richtlinien der Sportgerichte und der NADA dazu verpflichtet. Dies bestätigt er mit seiner Unterschrift. Alle die jetzt hier schreiben "oh, der arme 23 jährige", was würdet ihr schreiben wenn es sich um einen russischen Spitzensportler handeln würde?
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