Leichtathletik-Weltmeisterin Schwanitz Die Frau mit der Goldenen Kugel

Mit dem WM-Triumph von Peking ist Kugelstoßerin Christina Schwanitz auf dem Höhepunkt ihrer Karriere angekommen. Dabei war ihr Start nach einer OP im Vorjahr lange ungewiss. Aber die 29-Jährige hat alle Selbstzweifel überwunden.

Kugelstoß-Weltmeisterin Schwanitz: Erst ein Bier, dann der Sieg
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Kugelstoß-Weltmeisterin Schwanitz: Erst ein Bier, dann der Sieg

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Es gibt wenige Texte über die Kugelstoßerin Christina Schwanitz, in denen das Glas Bier nicht erwähnt wird. Dieser Text gehört auch nicht dazu. Vor jedem Wettkampf gönnt sich die 29-Jährige ein Bier. Daran hat sie auch bei der WM in Peking festgehalten, und es war offenbar die richtige Vorbereitung. Jedenfalls behielt sie zum Auftakt der Leichtathletik-WM die Bierruhe, um in einem spannenden Duell mit der Chinesin Dong Ljiao am Ende zu triumphieren und die Goldmedaille zu erringen.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte auf Schwanitz gesetzt. Dass das Kugelstoßen der Frauen gleich am ersten Tag der WM angesetzt war, kam dem DLV durchaus entgegen. Schwanitz ist die größte Trumpfkarte des Verbandes gewesen, es gibt keine klarere Siegesanwärterin als sie im gesamten Kader. Gold zum Auftakt - das soll den Push geben, der andere deutsche Athleten dazu bringen soll, die Erwartungen zu übertreffen. Das war das Kalkül, und Punkt eins des Plans ist zumindest schon aufgegangen.

"Es war ein Nervenkrieg", sagte die gebürtige Dresdnerin anschließend. Favoritenrolle hin oder her - dass es am Ende nur sieben Zentimeter waren, die den Unterschied zwischen Gold und Silber ausmachten, ließ die Siegerin dann doch nicht kalt. Dong hatte mit ihrem ersten Versuch über 20,30 Meter gleich vorgelegt - und damit das getan, was Schwanitz nach Vorgabe ihres Trainers eigentlich machen sollte.

Im Vorjahr drohte sogar das Karriere-Aus

So wurde es doch noch eine Zitterpartie im Vogelnest-Stadion von Peking, zumindest bis zum dritten Durchgang, in dem Schwanitz ihre Siegesweite von 20,37 Meter stieß. "Danach ging alles leichter."

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Leichtathletik-WM: Glitzer und Gold
Leicht - ein Wort, das Schwanitz im Vorjahr nicht über die Lippen gekommen wäre. Sie musste sich an der Patellasehne operieren lassen, ein Eingriff, der "suboptimal" verlaufen war, wie sie es nennt. Anschließend immer wieder Schmerzen, das Knie schwoll an. Schwanitz hatte keine Ahnung, ob sie bei der WM überhaupt an den Start gehen könne, sogar vom Karriereende war die Rede.

Das ist vorbei, das Knie macht ab und an zwar noch Probleme, aber Schwanitz hat gelernt, mit dem Schmerz zu leben. Und Top-Leistungen zu bringen. Im Mai stieß sie auch in Peking die Kugel auf 20,77 Meter. Spätestens seitdem konnte sie die Bürde der Top-Favoritin nicht mehr abstreifen. Von zwölf Wettkämpfen vor der WM hat sie einen einzigen nicht als Siegerin beendet. Wenn sie nicht Gold geholt hätte, wer im DLV sollte es sonst tun?

Storl könnte am Sonntag nachlegen

Ihr Trainingskollege David Storl vielleicht. Storl ist schon zweimal Weltmeister geworden, sein Wettkampf ist am Sonntag, und auch er wäre ein sicherer Goldkandidat, wenn er mit Schwanitz nur das Können, und nicht auch die Knieprobleme gemeinsam hätte. Storl schleppt sich mit Schmerzen von Wettkampf zu Wettkampf. Ob es am Sonntag (13.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) ausreicht, nicht nur sie, sondern auch noch seinen härtesten Rivalen Joe Kovacz aus den USA zu überwinden, ist offen.

Schwanitz hat jedenfalls vorgelegt. Eine Krönung für die Athletin, deren Leistungskurve Jahr für Jahr nach oben gegangen war. Deutsche Meisterin 2011, zwei Jahre später war sie schon Vizeweltmeisterin, im Vorjahr Europameisterin - nach dem heutigen Triumph bleibt ihr eigentlich zum totalen Glück nur noch der Olympiasieg 2016 in Rio de Janeiro.

Finanziell hat sich diese Saison jedenfalls schon mehr als ausgezahlt für Schwanitz. Der Weltmeister-Titel bringt ihr 60.000 Dollar Prämie ein. Ende der Saison folgt wohl die nächste Zahlung von 40.000 Dollar, wenn sie den Gesamtsieg in der Diamond League einkassiert hat. Ein Sieg, der ihr kaum noch zu nehmen ist.

Christina Schwanitz hat allen Grund, sich ein Bier zu gönnen. An diesem Abend wahrscheinlich sogar mehr als eines.

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Leichtathletik-WM: Die deutschen Stars



insgesamt 14 Beiträge
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St.Angelus 23.08.2015
1. Glückwunsch Christina!
Freistaat Sachsen zeigt Bayern wo Barthel den Most holt. Apropos, welche Biersorte empfiehlst Du zum Training?
stern4 23.08.2015
2.
Bei anderen Nationen wird immer und überall Doping vermutet und hier kommt das Wort nicht mal vor. Auch nicht gerade fair. Sehe ich als Frau so aus wenn ich jeden Tag nur Schnitzel esse?
waldbaer! 23.08.2015
3. Bier?
Fällt das außerhalb von Bayern nicht unter Doping? Ich seh schon den SPON-Artikel von 2018: "... wurden in der B-Probe Spuren von Hopfenextrakt entdeckt ..." ;-).
m.w.r. 23.08.2015
4. ????
Zitat von St.AngelusFreistaat Sachsen zeigt Bayern wo Barthel den Most holt. Apropos, welche Biersorte empfiehlst Du zum Training?
...und was hat das mit Bayern zu tun?
shark65 23.08.2015
5. Sorte unwichtig
Zitat von St.AngelusFreistaat Sachsen zeigt Bayern wo Barthel den Most holt. Apropos, welche Biersorte empfiehlst Du zum Training?
Normalerweise bevorzugt Christina ein Radler. Als sie noch in Heilbronn gelebt und trainiert hat war dies Abends in unserem Lokal ihr Feierabendgetränk.
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