Olympia Pechstein fordert Bach zum Rücktritt auf

Claudia Pechstein verschärft ihre Kritik an Thomas Bach. Die Olympiasiegerin fordert, dass der IOC-Chef sein Amt niederlegt. Anlass ist der Fall einer chinesischen Geherin.

Claudia Pechstein
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Claudia Pechstein hat den IOC-Präsidenten Thomas Bach zum Rücktritt aufgefordert. Nach ihrer heftigen Kritik an Bach wegen seiner Haltung in Fragen eines Komplettausschlusses des russischen Teams von den Olympischen Spielen in Rio nimmt die Eisschnelllauf-Olympiasiegerin nun die Zulassung einer gedopten chinesischen Top-Geherin zum Anlass für ihre Rücktrittsforderung.

Auf ihrer Facebook-Seite kritisiert Pechstein, dass Liu Hong trotz eines positiven Dopingtests bei der Team-WM der Geher am 7. Mai in Rom für nur einen Monat gesperrt wurde und somit in Rio über 20 Kilometer starten darf. "Mir wird total übel, wenn ich - als nachweislich unschuldige Sportlerin, die alles verloren hat - solche Meldungen lese. Sie werden als IOC-Chef auch hier Ihrer Rolle wieder nicht gerecht und lassen alles einfach geschehen", schrieb Pechstein und forderte Bach auf: "Entweder Sie greifen durch und regeln das im Sinne der olympischen Idee und sperren die wirklichen Dopingsünder endlich weg, oder Sie übernehmen endlich mal Verantwortung und treten mit sofortiger Wirkung zurück."

Man könne keinem sauberen Sportler der Welt zumuten, sich solchen Ungerechtigkeiten und falschen systembedingten Entscheidungen zu unterwerfen und diese wortlos zu akzeptieren. Das von Bach verantwortete System habe "wieder komplett versagt und sorgt dafür, dass sich jeder normale Mensch abwendet", schrieb Pechstein.

Ihr Lebensgefährte Matthias Große bestätigte, dass vom Team Pechstein in den zurückliegenden Monaten "Dutzende ähnliche Fälle" registriert wurden, bei denen positiv getestete Athleten nicht mit entsprechenden Strafen sanktioniert worden seien. "Der IOC-Präsident hat immer betont, dass es ihm um den Schutz der sauberen Athleten geht und die Unschuldsvermutung gilt. An diesen Maßstäben muss er sich nun messen lassen", sagte Große.

Er werde daher bei der Mitgliederversammlung der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) am 3. September in Frankfurt den Antrag stellen, dass die DESG beim Weltverband ISU die Wiederaufnahme des Verfahrens im Fall Pechstein beantragt. Zuletzt war Pechstein mit ihrer Schadensersatzklage vor dem Bundesgerichtshof gescheitert. Sie war 2009 wegen auffälliger Blutwerte für zwei Jahre gesperrt worden.

aev/dpa

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mundi 01.08.2016
1. Bach ist kein Staatsanwalt und auch kein Richter.
Bach ist für die Olymischen Spiele zuständig. Er ist kein Staatsanwalt und auch kein Richter. Unter seiner Regie waren die Winterspiele in Sotschi ein Erfolg. Die Teilnehmer und Zuschauer lobten die Sicherheit. Wenn es in Rio diese Bilanz geben wird, kann man die Arbeit von Bach loben. Doping im Sport gibt es schon lange. Es ist eine Krankheit, die bekämpft werden muß. Da nützen Rücktritte gar nichts.
silenced 01.08.2016
2.
... und ihr dachtet die FIFA wäre korrupt. Ich lache immer noch.
christianu 01.08.2016
3. Leider fehlen hier wichtige Fakten
Solange der Leser nicht erfährt, welches Gremium die Sperre ausgesprochen hat und welche Begründung für die vermeintlich zu niedrige Strafe genannt wurde, ist es nicht möglich, hier eine qualifizierte Meinung abzugeben. Das betrifft den Fall selbst und erst recht die Forderung, Bach solle tätig werden oder von seinem Amt zurücktreten.
viceman 01.08.2016
4. es verwundert schon ein wenig,
daß man rabiat mit den russen umgeht und andere mit samthandschuhen anfasst.ansonsten gilt, jedem vergehen ist nachzugehen und jeder schuldige ist -unabhängig von seiner herkunft - zu sperren . beim 2.vergehen lebenslang - das ist doch eigentlich ganz einfach....
hf1205 01.08.2016
5. Klar,
Zitat von mundiBach ist für die Olymischen Spiele zuständig. Er ist kein Staatsanwalt und auch kein Richter. Unter seiner Regie waren die Winterspiele in Sotschi ein Erfolg. Die Teilnehmer und Zuschauer lobten die Sicherheit. Wenn es in Rio diese Bilanz geben wird, kann man die Arbeit von Bach loben. Doping im Sport gibt es schon lange. Es ist eine Krankheit, die bekämpft werden muß. Da nützen Rücktritte gar nichts.
das war ein toller Erfolg für Russland und seinen Duzfreund Putin, bis dann herauskam, wieviele der Athleten vom Zaubertrank genascht hatten, mit Unterstützung des Staates. Ein voller Erfolg waren auch die Abrisse der Wohnhäuser zum Bau der Sportstätten, ohne oder mit winziger Entschädigung der Besitzer. Auch haben es Staaten wie Russland um einiges leichter für Sicherheit zu sorgen, als westliche Länder. Trotzdem gab es ja auch in London sichere Spiele, ohne dass präventiv Menschen weggesperrt wurden.
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