Cofidis-Skandal Radprofis gestehen Blutdoping

Die Beweislast war zu erdrückend: Philipp Gaumont und Cédric Vasseur, Fahrer des Radteams Cofidis, sollen zugegeben haben, leistungssteigernde Mittel eingenommen zu haben. Das sei gängige Praxis im Fahrerfeld, sagten sie laut des französischen Magazins "Le Point".


Philippe Gaumont: Dem 30-Jährigen kann Handel mit Epo-Produkten nachgewiesen werden.
AP

Philippe Gaumont: Dem 30-Jährigen kann Handel mit Epo-Produkten nachgewiesen werden.

Paris - Gaumont soll bei Polizeiverhören den Gebrauch verbotener Substanzen gestanden und gemeinsam mit seinem Kollegen Cedric Vasseur Doping als gängige Praxis im Fahrerfeld bezeichnet haben. Zuvor hatte die französische Sporttageszeitung "L'Equipe" über Blutdoping berichtet, das von Cofidis-Fahrern während der vergangenen Tour de France praktiziert worden sei.

Das Sportblatt beruft sich auf Informationen des Magazins "Le Point". Demnach sollen Fahrer Blut gekauft haben, um die eigene Körperflüssigkeit mit roten Blutkörperchen anzureichern. Die Transfusionen erhöhten die Sauerstoffzufuhr für die Muskeln. Der Radsport-Weltverband UCI hatte bei Kontrollen während der Tour 2003 drei Profis identifiziert, die erstaunlich gleiche Blutwerte aufwiesen. Sponsor Cofidis schloss in einer offiziellen Stellungnahme derartige Manipulationen aus.

Laut "Le Point" sei diese Art von Blutdoping schon in den siebziger Jahren angewendet worden, aus Angst vor Hepatitis- und Aids-Infektionen dann aber jahrelang nicht mehr praktiziert worden. Als Beweis für die Behauptung liefert "Le Point" einen nun veröffentlichten Telefonmitschnitt eines entsprechenden Gesprächs zwischen dem in der vergangenen Woche verhafteten Cofidis-Physiotherapeuten Bogdan Madejak und Ex-Cofidis-Fahrer Marek Rutkiewicz.

Verhaftung direkt nach Rückkehr aus dem Trainingslager

Madejak muss sich wegen des Besitzes und Vertriebs von Drogen verantworten. Nachdem Rutkiewicz gegen Auflagen bereits Ende vergangener Woche wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, durften seine ehemaligen Teamkollegen Gaumont und der einstige Tour-Etappensieger Vasseur das Gefängnis am Donnerstag wieder verlassen. Gaumont musste eine Kaution hinterlegen. Beide waren am Dienstag auf dem Flughafen Paris-Orly nach ihrer Ankunft aus einem spanischen Trainingslager in Untersuchungshaft genommen worden.

Die Polizei hat nach den Verhören der Cofidis-Mitglieder nach eigenen Angaben neue Namen und neue Hinweise in Zusammenhang mit der Affäre erhalten. Die Beschuldigten hätten vor der Beweislast kapituliert, hieß es weiter.

Gaumont kann Handel mit Epo nachgewiesen werden

Gaumont soll in der Vergangenheit als Zwischenhändler fungiert haben. Dem früheren Sieger von Gent-Wevelgem kann offenbar der Handel mit Epo-Produkten nachgewiesen werden. Der 30-Jährige soll den früheren Bahn-Weltmeister Robert Sassone beliefert haben. Im Haus von Sassone wurden im Rahmen der Untersuchungen Amphetamine und Wachstumshormone gefunden.

Ihre Ermittlungen gegen belgische Fahrer wegen Drogenbesitzes setzten auch die Dopingfahnder in Frankreichs Nachbarland fort. Dort mussten sich erneut Ex-Weltmeister Johan Museeuw sowie Cross-Star Mario De Clercq den Fragen der Ermittler stellen. Ebenfalls verhört wurden Jo Planckaert und Chris Peers, beide fuhren in den vergangenen Jahren für Cofidis.



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