Fotostrecke

College-Basketball: Drei Wochen Ausnahmezustand

Foto: Jed Conklin/ AP

College-Basketball Wahnsinn im März

Einen Monat lang richten sich die Augen der US-amerikanischen Sportfans nur auf das Meisterschaftsturnier im College-Basketball. Während der "March Madness" herrscht Ausnahmezustand. Dieses Jahr sind auch vier deutsche Studenten dabei.

Im März drehen sie durch. Komplett. Dann läuft das NCAA Tournament. Die besten Universitätsmannschaften der USA spielen den Meister im Basketball aus. Und die Fans lieben den angeblich so puren Sport. Es messen sich keine hochbezahlten Profis, sondern Studenten, die alles für den Sieg geben. Der Großteil wird nie mit Basketball Geld verdienen, dass Turnier ist für sie die einmalige Chance, ins Rampenlicht zu kommen.

Am Donnerstag greifen auch vier Deutsche ins Geschehen ein: Nationalspieler Elias Harris und Mathis Mönninghoff mit den Gonzaga Bulldogs, A2-Auswahlspieler T.J. DiLeo von den Temple Owls und Niels Giffey, der mit den Connecticut Huskies sogar zu den Mitfavoriten auf den Titelgewinn zählt. Zwar sind auch Alex Schrempf (UCLA) und Enosch Wolf (ebenfalls Connecticut) dabei, sie spielen bei ihren Teams aber keine tragende Rolle.

Während die Chancen von Gonzaga (11.) und Temple (7.) aufgrund ihrer Positionen in der Setzliste gering sind, darf sich Giffey berechtigte Hoffnungen machen, es bis zum Final Four in Houston (2. bis 4. April) zu schaffen. Denn durch den Sieg im Turnier der "Big East Conference" am vergangenen Samstag hat sich Connecticut zu einem Mitfavoriten entwickelt. In der "West Region" sind sie an Position drei gesetzt. Zudem haben sie in Point Guard Kemba Walker einen zukünftigen NBA-Profi in ihren Reihen. Giffey könnte somit der vierte deutsche College-Champion nach Magnus Pelkowski (Indiana 1987), Christian Ast (Duke 1991 und 1992) und Henrik Rödl werden. Rödl war jedoch der einzige, der auch Leistungsträger seiner Mannschaft war. Der derzeitige Trainer des TBB Trier holte 1993 mit den North Carolina Tar Heels die Meisterschaft.

"Das ganze Land schaut zu"

Ein anderer Deutscher, Johannes Herber, schaffte es mit West Virginia 2006 immerhin ins Sweet Sixteen, wie das Achtelfinale genannt wird. "Danach wurden wir sogar an einem kleinen Flughafen von 500 Fans empfangen", erinnert sich Herber im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das lokale Radio hat ebenfalls live über unsere Rückkehr berichtet." Und je länger man im Turnier sei, so der 28-Jährige, desto mehr verdichte sich die Aufmerksamkeit. "Das ganze Land schaut zu." Auch auf dem Campus herrscht Ausnahmezustand. Die Spieler genießen während der "March Madness" Star-Status. "Leute sprechen dich an, und vor der Vorlesung gab es schon mal Applaus", sagt Herber. Für ihn lässt sich das Turnier mit einer Fußball-Europameisterschaft vergleichen. "Es ist einfach omnipräsent."

Das liegt an der ganz besonderen Faszination des Turniers. "Es ist unheimlich intensiv", sagt Herber. Jedes Spiel entscheidet über Weiterkommen oder Ausscheiden, die mediale Aufmerksamkeit ist riesig, und die Spiele sind häufig enorm spannend. "In der Geschichte gab es schon viele Comebacks und Siegtreffer in letzter Sekunde", so Herber, der das mit dem Alter der Spieler erklärt. "Sie sind noch jung, können einen Vorsprung meist noch nicht verwalten, lassen die Gegner dann wieder ins Spiel zurückkommen." Und dann gibt es noch den Mythos des Cinderella-Teams - also des Außenseiters, der den großen Favoriten schlägt. Im vergangenen Jahr erreichten nur zwei der vier topgesetzten Teams das Viertelfinale. 21 Spiele (von 63) endeten mit fünf oder weniger Punkten Differenz.

Milliardengeschäft College-Basketball

Auf diese Spannung bauen auch die vier TV-Sender, die mit der NCAA einen neuen Vertrag abgeschlossen haben. Der bringt der College-Organisation bis 2024 10,8 Milliarden US-Dollar ein. Und zum ersten Mal werden alle Spiele live im landesweiten Fernsehen ausgestrahlt - und zudem kostenlos über das Internet . Laut Wirtschaftsmagazin "Forbes" lagen die Werbeeinnahmen im Netz vergangenes Jahr bei rund hundert Millionen Dollar, Tendenz steigend. Für die Universitäten ist das Turnier also auch eine wichtige Einnahmequelle. Im College-Sport generiert nur Football noch mehr Umsatz.

Der amtierende Meister Duke verbuchte 2009 beispielsweise Einkünfte von fast 27 Millionen Dollar. Der Gesamtdurchschnitt aller Universitäten der ersten Division lag immerhin noch bei rund zehn Millionen. Die Coaches werden dementsprechend entlohnt. Dukes Mike Krzyzewski ist laut der Tageszeitung "USA Today" der Topverdiener (rund vier Millionen Dollar pro Jahr). Mindestens 32 Coaches sollen mehr als eine Million erhalten.

"Wenn man die Summen sieht, fragt man sich schon, warum die, die sich schinden, nichts kriegen", sagt Herber, seit 2009 Vorsitzender der deutschen Spielergewerkschaft "SP.IN". Für die Universitäten ist die Vergütung der "Student Athletes", wie die Spieler offiziell genannt werden, kein Thema.

Allerdings, so räumt Herber ein, sei es ein schwieriges Thema. Denn für die großen Universitäten würde eine Vergütung einen enormen Vorteil in der Rekrutierung von Spielern bedeuten. "Ein Sport-Stipendium ist schließlich viel wert", sagt Herber. Das Erlebnis, einmal Teil der "March Madness" zu sein, ist unbezahlbar.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.