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Tour de France: Hushovd fährt vorne weg, Martin verpasst Gelbes Trikot

Foto: PASCAL PAVANI/ AFP

Contador vs. Schleck Glitzer an der Oberfläche

Die Tour gewinnt, wenn Alberto Contador verliert: Weil der Spanier schon nach zwei Etappen einen großen Rückstand auf Konkurrent Andy Schleck aufweist, ist das Rennen plötzlich spannend. Da rücken selbst Dopingzweifel in den Hintergrund.

"Die Tour de France ist offen", sagt Alberto Contador. Der unter Dopingverdacht stehende Spanier, der sich selbst für einen prima Sportsmann hält, sagt solche Sätze häufig. Er will gegenüber seinen Konkurrenten, die mit Ausnahme von Andy Schleck gewöhnlich in großen Abständen hinter ihm ins Ziel kommen, nicht despektierlich wirken. Doch als ihn das französische Fernsehen am Sonntagabend am Swimmingpool seines Teamhotels aufgespürt und in eine Konferenzschaltung mit seinem Hauptkonkurrenten Andy Schleck eingebunden hatte, war seine Aussage so wahr wie selten zuvor.

Denn: Die Tour de France ist wirklich offen. Auf der 1. Etappe behinderte ein Massensturz den 28-Jährigen. Die Sportzeitung "L'Equipe" hielt die Frau, die den Unfall auslöste für "entscheidender als eine Bergankunft" und schlug sie für eine Erinnerungsmedaille der Tour 2011 vor. Contador verlor 1:14 Minuten. Am Sonntag kamen 24 Sekunden im Mannschaftszeitfahren dazu. Fast genau eine Sekunde Rückstand pro Kilometer fing Contador sich ein. "Ich bin jetzt fast zwei Minuten zurück. Das ist in einem Wettbewerb, in dem es auf Sekunden ankommt, sehr viel", sagte der Spanier.

"Es wird jetzt hart, jede einzelne Sekunde zurückzugewinnen. Aber die Tour ist noch lang, und der Wille kann Berge versetzen". Er blicke optimistisch in die Zukunft. Er denkt dabei vor allem an sein Terrain, die Berge. Dort pflegt er Differenzen von mehreren Minuten auf die Konkurrenz herauszufahren - auf alle außer Andy Schleck. Kann Contador dort seinen Rückstand aufholen? Ja.

Pressekonferenz mit Hushovd unterbrochen

Bester Beweis ist die Tour 2009, die er auf eine Art und Weise gewann, die selbst Lance Armstrong staunen ließ. Im vergangenen Jahr hatte er ebenfalls einen Rückstand und gewann dennoch. Und in diesem Jahr hielt er dem Druck des Dopingverfahrens stand. "Das ist ein schwieriges Jahr für mich", gibt er zu. Doch äußerlich unerschüttert hält er der Welt seine Überzeugung entgegen: "Ich habe nicht gedopt. Und die meisten, die vom Radsport Ahnung haben, sehen das auch so." Es stört ihn offensichtlich nicht, dass Experten in Sachen Dopinganalytik und Sportrecht den Clenbuterolbefund grundlegend anders beurteilen. Und dass die, die einen sauberen Sport wollen, es gerne gesehen hätten, wenn er auf seine Tour-Teilnahme verzichtet hätte.

Jetzt, da er angeschlagen in der Ecke steht, ist er für das französische Fernsehen und auch die Tourorganisatoren ein exzellenter Protagonist. Für die gemeinsame Schalte mit ihm und Schleck - auf der sich beide artig gegenseitig lobten - wurde sogar die Übertragung der Pressekonferenz des neuen Mannes in Gelb, Thor Hushovd, unterbrochen.

Kein Wort mehr vom Internationalen Sportgerichtshof Cas, der die Anhörung im Fall Contador auf einen Zeitpunkt nach der Tour vertagt hat. Kein Wort von dem eigentlich klaren Code der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) die dem Beschuldigten bei positiven Proben die Beweislast für eine Unschuld auferlegt oder vom spanischen Radsportverband RFEC, der Contador im Februar nicht schuldig sprach und das Disziplinarverfahren zu den Akten legte.

Das Duell Contador vs. Schleck elektrisiert, die Oberfläche glitzert. Die Tour de France hat wieder ihre epische Dimension.

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Tour-Favoriten 2011: Contador, Schleck und dann lange nichts

Foto: Bernard Papon/ AP
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